Washington erwäge den ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orbán als Kandidaten für das Amt des UN‑Generalsekretärs. Dies teilt The Wall Street Journal (WSJ) unter Berufung auf Quellen aus drei Ländern mit. Der Vorschlag sei dem Politiker bereits unterbreitet worden, aber die endgültige Entscheidung stehe noch aus.
Wie es heißt, soll Orbán als gemeinsamer Kandidat der USA, Russlands und Chinas auftreten. Der Plan könnte Unterstützung in Moskau und Peking finden. Wenn diese drei Länder im UN-Sicherheitsrat ein gemeinsames Ziel verfolgten, dann „erreichen sie in der Regel dessen Umsetzung“, schreibt das Blatt.
Der UN-Sicherheitsrat umfasst 15 Mitglieder – fünf ständige (Russland, China, USA, Frankreich, Großbritannien) und zehn nicht-ständige.
Wie ein Vertreter des US-Außenministeriums gegenüber dem WSJ sagte, könnte Orbán „mit Sicherheit“ mit acht Stimmen rechnen. Insgesamt seien es zehn Stimmen, die potenziell gewonnen werden könnten. Was Großbritannien und Frankreich als ständige Mitgliedsstaaten betrifft, so ging die Quelle davon aus, dass diese beiden Länder mit ihrem Vetorecht üblicherweise eher vorsichtig umgingen.
Wie die Zeitung berichtet, sei der Name des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten im Zuge von Diskussionen in den USA über einen möglichen Kandidaten für dieses Amt immer wieder aufgetaucht. Die chinesischen sowie russischen Gesprächspartner hätten der Idee zugestimmt, heißt es.
Einer der Gründe, die für Orbáns Kandidatur sprechen, sei die Tatsache, dass er als „Apologet für Wladimir Putin“ auftreten würde. Darüber hinaus sei der ungarische Politiker „der ideale MAGA-konservative Wunschkandidat“, lautete das weitere Argument des US-Vertreters.
Zu weiteren Vorteilen des ehemaligen ungarischen Ministerpräsidenten gehörten unter anderem sein Vorgehen gegen Massenmigration sowie sein prochinesischer Kurs. Diese Beziehungen zu Peking habe jedoch Orbáns „Image als Verteidiger der westlichen Zivilisation seltsamerweise nie geschadet“, merkt die Zeitung an.
In dem WSJ-Beitrag wird darauf hingewiesen, dass sowohl US-Präsident Donald Trump als auch Vizepräsident JD Vance ihre Unterstützung für Orbán bei der ungarischen Wahl im April bekundet hätten. Sollte er für ein UN-Amt kandidieren, könnten Trump und Vance ihn erneut unterstützen. Nach Angaben einer Quelle, die mit dem Verlauf der Diskussionen vertraut ist, habe die US-Seite beschlossen, die Ankündigung bis zum Abschluss der Zwischenwahlen in den USA zu verschieben.
Nach Angaben der Zeitung hätten die US-Vertreter den ungarischen Politiker bereits gefragt, ob er an der UN-Position interessiert wäre. Orbán soll sein Interesse bekundet haben, jedoch angemerkt haben, dass er nicht kandidieren werde, wenn er sich seines Sieges nicht sicher sei.
Der amtierende UN-Generalsekretär António Guterres wird sein Amt am 31. Dezember 2026 niederlegen. Er bekleidet diesen Posten seit 2017. Das neue Oberhaupt der Weltorganisation soll sein Amt am 1. Januar 2027 antreten.
Der Sicherheitsrat muss einen Kandidaten vorschlagen, woraufhin die UN-Generalversammlung die Ernennung bestätigt. Jedes der fünf ständigen Mitglieder des Sicherheitsrates – Russland, die USA, China, Großbritannien und Frankreich – hat jedoch das Recht, einen Kandidaten zu blockieren. Für eine Empfehlung des Rates sind mindestens neun Stimmen der 15 Mitgliedstaaten erforderlich, wobei alle fünf ständigen Mitglieder die Kandidatur unterstützen müssen.
Wie Associated Press am 17. Oktober berichtete, habe bislang keiner der sieben aktuellen Kandidaten für das Amt des UN-Generalsekretärs die Unterstützung aller ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrats erhalten. Die größten Chancen hätten Rebeca Grynspan aus Costa Rica, die eine UN-Handelsorganisation leitet, der aus Argentinien stammende Chef der IAEO, Rafael Grossi, sowie die ständige Vertreterin Guyanas bei den Vereinten Nationen, Carolyn Rodrigues-Birkett, so die Agentur.
Zu den weiteren Kandidaten gehörten Maria Fernanda Espinosa, eine ehemalige Präsidentin der Generalversammlung und Außenministerin Ecuadors; Ivonne A-Baki, eine ehemalige ecuadorianische Botschafterin; der ehemalige UN-Diplomat Olara Otunnu aus Uganda und der ehemalige senegalesische Präsident Macky Sall.
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