Frankreich und Deutschland haben das Scheitern ihres gemeinsamen Programms zur Entwicklung eines Kampfflugzeugs der sechsten Generation, des Future Combat Air System (FCAS), eingeräumt, das sie im Jahr 2017 begonnen hatten.
Ursprünglichen Plänen zufolge hätte der im Rahmen dieses Programms entwickelte NGF-Kampfjet (New Generation Fighter) bereits in den Jahren 2027/28 seinen Erstflug absolvieren und bis zum Jahr 2045 die französische Rafale und den deutschen Eurofighter Typhoon ersetzen sollen.
Logisch wäre gewesen, wenn der Ausbruch des Ukraine-Konflikts und die darauffolgende Verschlechterung der Beziehungen zwischen den USA und Europa die Europäer dazu bewegt hätten, ihre Pläne beschleunigt umzusetzen. Doch die Realität entpuppte sich als gnadenlos.
Bezeichnenderweise waren die Hauptgründe für die Einstellung des Projekts nicht technische, sondern eher politische und wirtschaftliche Probleme: Jahrelang konnten sich die beiden wichtigsten beteiligten Konzerne der beiden Länder, Airbus und Dassault, in vielen Punkten nicht einigen. Darunter fielen Projektleitung, Kontrolle über Schlüsseltechnologien und geistige Eigentumsrechte.
Auch die Unterschiede bei den Anforderungen der beiden Länder erwiesen sich als problematisch:
Frankreich plante den Mehrzweck-Düsenjäger als Träger von Atomwaffen und für Einsätze von Flugzeugträgern aus (denn das Land besitzt ja beides), was die Programmkosten erheblich in die Höhe trieb. Deutschland hingegen benötigte ein wirtschaftlicheres Flugzeug für konventionelle Missionen und für Flugplätze an Land.
Wie dem auch sei: Das Scheitern des FCAS ist ein schwerer Rückschlag für Europas erklärten Pläne zur strategischen Autonomie von den USA, zur militärischen Souveränität und zum Aufbau eigener robuster, von anderen Ländern unabhängiger Streitkräfte. Europas Unfähigkeit, sich untereinander über die Entwicklung eines eigenen, gemeinsamen zukünftigen Kampfflugzeugs zu einigen, wirft eine grundlegendere Frage auf: Wie wollt ihr denn eine gemeinsame Armee aufbauen?
Bloße Demagogie ist dies nämlich keineswegs: Die westliche Militärdoktrin der gesamten Nachkriegszeit beruhte stets auf der Erlangung der Lufthoheit, mit der dann der Sieg am Boden errungen werden soll. Doch von welcher Art von Luftdominanz und erst recht von welcher Unabhängigkeit von den USA in Verteidigungsfragen kann man sprechen, wenn man nun deren F-35-Kampfjets der fünften Generation beschaffen und auch künftig einen mehr als ernsten Blick auf die im Rahmen des NGAD-Programms entwickelten Kampfjets der sechsten Generation werfen muss?
Darüber hinaus kommen vor einem solchen Hintergrund auch Fragen zum paneuropäischen Programm für das Hauptkampfsystem für Bodentruppen (MGCS) auf, das die Hauptkampfpanzer Leopard 2 und Leclerc ersetzen soll. Werden die Europäer denn nicht auch darüber erneut wie Schwan, Hecht und Krebs in Streit geraten, sich gegenseitig ausschließende Anforderungen an das Projekt sowie Bedingungen für dessen Lokalisierung in verschiedenen Ländern stellen und es schließlich frustriert aufgeben?
Die Situation mit FCAS zeigt, dass wahre militärische und technologische Unabhängigkeit von anderen Ländern mehr erfordert als Geld, Technologie und politische Erklärungen. Es bedarf der Kompromissbereitschaft und der Fähigkeit, mögliche Kompromisse zu finden, des Verhandlungsgeschicks in Schlüsselfragen und eines konsequenten Vorgehens. Solange die Europäische Union eine bunte Koalition von Ländern mit völlig unterschiedlichen Zielen bleibt, wird es offenbar unmöglich sein, solche Widersprüche wirksam zu lösen.
Das aber bedeutet, dass es unwahrscheinlich ist, dass wir im nächsten Jahrzehnt eine vollständig autonome EU-Armee sehen werden, die nicht mehr von den USA und der NATO abhängig ist und zudem eine effektive, einheitliche Befehlsgewalt bei der Entscheidungsfindung zeigt.
Natürlich knallen in Washington angesichts dieser Nachricht die Sektkorken.
Das heißt aber nicht, dass Europa seine Pläne, einen eigenen Weg zu gehen, komplett aufgeben wird. Es bedeutet vielmehr, dass man dort den eigenen Zeitplan für die Umsetzung dieser Pläne dringend wird überarbeiten müssen. Dies beginnt mit einem Wandel weg von der Kultur des nationalen Protektionismus in der Verteidigungsindustrie und einem Übergang von den Wünschen einzelner Länder zu einer gemeinsamen strategischen Planung.
Übersetzt aus dem Russischen.
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Dieser Beitrag wurde exklusiv für RT verfasst.
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