Von Wladislaw Sankin

Die erste Nachricht über einen möglichen Nicht-Einzug des BSW in den Landtag Mecklenburg-Vorpommern war nur wenige Minuten alt. Gerade die BSW-Erfahrung zeigt – einmal nach unten bei der Hochrechnung gerutscht, kommen die Resultate nicht mehr hoch. Die beiden BSW-Spitzenkandidaten Peter Schabbel und Sabine Firnhaber kamen zurück aus dem NDR-Studio und wurden im Wahlparty-Raum von ihren Unterstützern mit Applaus in Empfang genommen. Es war genau 20 Uhr, zwei Stunden nach Schließung der Wahllokale. 

Die Stellungnahmen waren kurz – vor allem haben die beiden sich bei ihren Wahlhelfern bedankt. Deren Hilfeleistung bei dem Wahlkampf bezeichnete Schabbel als „sensationell“, wobei die Arbeit vor allem in den Kleinstädten auf der Peripherie des großen Flachlandes besonders anspruchsvoll gewesen sei. Dort hätten sie „wie die Löwen“ gekämpft. Dann ergriff Sabine Firnhaber das Wort und bedankte sich bei den Helfern aus anderen Bundesländern – wieder Applaus. 

Kurz zuvor blickten die Anwesenden auf den Fernseh-Bildschirm mit aktualisierter Hochrechnungsgrafik – da kam der BSW-Balken gerade mal auf 4,9 Prozent – zum zweiten Mal in Folge. Schabbel zeigte sich gelassen: „Das juckt uns überhaupt nicht, wir haben noch einen langen Abend“ – die Hälfte der Stimmzetteln seien noch nicht ausgezählt. Firnhaber war dagegen schon darauf gefasst, dass so auch bleibt. 

„Wir haben die Zustimmung bekommen, dass wir gebraucht werden. So sollten wir weitermachen, egal wie es heute aussieht“, sagte sie. Es war ein günstiger Augenblick die Spitzenkandidatin um ein Gespräch zu bitten. Hier ist das Interview in voller Länge: 

Sankin: Der letzte Stand jetzt 4,9 Prozent. Mit diesem Ergebnis zieht BSW nicht ein, sehr knapp. Ist das bitter für Sie oder hoffen Sie, dass es doch dann am Ende gelingt?

Firnhaber: Naja, soweit wir wissen, sind ja noch nicht alle Zahlen, alle Stimmzettel ausgezählt, von daher ist noch alles offen. Und ich denke, wir haben auf jeden Fall ein sehr gutes Ergebnis, auch wenn wir es jetzt vielleicht knapp nicht schaffen sollten, aber wir sind eigentlich noch sehr optimistisch, dass es noch klappt.

Sankin: Woran liegt es, dass die Wähler, also okay, das ist trotzdem ein knappes Ergebnis, so oder so, dass die Wähler, also das ist meine Vermutung, nicht angesprochen werden von Ihren Inhalten? Kann das sein?

Firnhaber: Die Erfahrung machen wir eigentlich nicht. Also wir haben schon große Zustimmung, gerade auch das Thema Frieden, das treibt viele Leute um, die machen sich wirklich Sorgen jetzt über diese ganze Hochrüstung, die passiert. Ob sich eventuell doch Russland davon bedroht fühlen könnte und Deutschland auch mit in den Krieg hineingezogen wird, das ist schon etwas, was die Menschen auch wirklich umtreibt und wo wir merken, dass wir da auch viel Zuspruch bekommen. Aber es ist halt eben auch nicht von der Hand zu weisen, dass eben auch Kampagnen gegen uns gefahren wurden, nicht nur von den anderen Parteien, sondern eben auch von den Medien teilweise. Und das zeichnet sich natürlich dann eben auch in so einem Wahlergebnis ab.

Sankin: Kann es sein, dass die Menschen, die diesen Friedensgedanken haben, eher zur AfD gehen? Ich habe auch aus AfD-Kreisen gehört, Frieden ist ein ganz wichtiges Thema bei deren Wählern.

Firnhaber: Ja, das ist durchaus so, dass wir eben auch immer wieder hören, es würde zwei Friedensparteien geben. Wir sehen das aber ein bisschen anders, weil die AfD ja auch für diese Hochrüstung mit abgestimmt hat. Frau Weidel hat sich sehr früh schon dafür ausgesprochen, 5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts eben auch für die Rüstung auszugeben, und das halten wir für einen großen Fehler.

Das kann sich Deutschland nicht leisten. Wir müssen unsere Sozialsysteme weiter finanzieren können und im Moment wird eben aus allen Bereichen Geld abgezogen, um eben diese Rüstung zu finanzieren und das halten wir für einen großen Fehler. Wir müssen in die Zukunft investieren, in unsere Bildung und eben nicht in die Hochrüstung.

Und von daher unterscheiden wir uns da schon von der AfD und sind, denke ich, doch noch mal einen Tick mehr für den Frieden, als es die AfD ist.

Sankin: Erstaunlich ähnlich sind die Ergebnisse in allen östlichen Bundesländern – also mal knapp 5 Prozent oder ein bisschen darüber jetzt. 

Firnhaber: Ja, also ich denke mal, man kann davon ausgehen, dass so bei ungefähr 5 Prozent der Bevölkerung unsere Stammwähler liegen. Unsere Partei ist erst zwei Jahre alt, von daher haben wir ja in dem Sinne noch keine Stammwähler. Aber die Umfragen haben immer wieder gezeigt, dass wir ein Potenzial bis 20 Prozent haben.

Und ich denke, es ist unsere Aufgabe in den nächsten Jahren dafür zu sorgen, noch mehr Wähler von uns zu überzeugen und eben auch, dass unsere Stammwähler dann eben noch zunehmen. Was, glaube ich, in den letzten Wochen und Monaten auch immer wieder ein Problem war, dass die Medien uns immer sehr stark der AfD zuschreiben. Und wir uns von denen aber eigentlich sehr unterscheiden, wenn man sich unsere Wahlprogramme anschaut.

Und wir aber eben nicht ausschließen, mit der AfD auch zu reden und in der Sache abzustimmen. Und daraus wurde aus den Medien dann oft gemacht, wir würden mit denen irgendwie zusammenkungeln oder koalieren. Das ist aber nicht der Fall.

Und ich glaube, das hat einige auch abgeschreckt. Oder die haben dann gesagt, na, dann kann ich auch gleich die AfD wählen. Also ich denke, das ist etwas, wo wir uns in Zukunft noch stärker abgrenzen müssen vom Inhalt her einfach.

Sankin: Gibt es Wettbewerber vom linken Rand bei Ihnen? Linke zum Beispiel. Betrachten Sie also diese Partei als eine aus dem gleichen Spektrum?

Firnhaber: Na, wir haben schon viele Ähnlichkeiten, aber auch bei den Linken ist es eben so, dass die jetzt eben auch für die Hochrüstung mit abgestimmt haben und in einigen Dingen auch eine deutlich radikalere, ideologisierte Politik haben. Und das ist nicht unseres. Also wir sind für Vernunft, für Gerechtigkeit und lehnen Ideologie ab.

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