Von WOLFGANG HÜBNER | Die Debatte über die Wiedereinführung der Wehrpflicht geht weiter. Am Samstag hat Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem CSU-Parteitag in München mit Blick auf die Jugend erklärt: „Dieses Land gibt viele Möglichkeiten (…) aber dann wollen wir auch von euch auch einen Beitrag haben, damit dieses Land friedlich und freiheitlich in die Zukunft geführt werden kann“. Dass Merz dabei die „Kriegsfähigkeit“ der Deutschen im Blick hat, muss an dieser Stelle nicht weiter ausgeführt werden. Die AfD hingegen, wir wollen das mal gerne glauben, möchte Deutschland nur wieder verteidigungsfähig machen – nach innen und nach außen.
Deshalb ist in ihrem Grundsatzprogramm die Wehrpflicht Bestandteil der Politik. Darüber aber gibt es heftige Kontroversen in der Partei. Denn zumindest einer ihrer prominentesten Politiker, Björn Höcke aus Thüringen, ist unter den jetzigen Verhältnissen in der Bundesrepublik Gegner der Wiedereinführung. Er argumentiert, das verbiete sich so lange, wie das verantwortliche politische Personal des Landes unfähig sei, die innere Sicherheit der Deutschen zu gewährleisten. Das hat ihm und Gleichgesinnten verbale Attacken des „Militärflügels“ der AfD eingebracht.
Von Seiten ehemaliger NATO-Offiziere und Berufssoldaten müssen solche Töne nicht verwundern. Wenn aber ein einflussreicher rechter intellektueller Vordenker und enger Freund Höckes wie Götz Kubitschek sich zu Wort meldet, verdient das weit mehr Beachtung. Kubitschek schrieb jüngst in der Zeitschrift „Sezession“ bedauernd: „Wer die Wehrpflicht einmal abgeschafft hat, bekommt Jahrgänge, die das Dienen, Gehorchen und Befehlen nicht mehr erlernt haben […]“.
Nach zwei verlorenen Weltkriegen mit Millionen toten, verstümmelten und traumatisierten deutschen Soldaten ist das eine Formulierung, die auch aus rechter Sicht nicht unwidersprochen bleiben kann. Um zur Wehrfähigkeit Deutschlands beizutragen, muss niemand in der NATO-Armee Bundeswehr Lektionen in „Dienen, Gehorchen“ oder gar „Befehlen“ lernen. Das sind Fähigkeiten, die schon in der Vergangenheit zu keinen positiven Ergebnissen geführt haben und in der Zukunft erst recht nicht tun werden.
Was für die Verteidigungsfähigkeit des nicht atomar gerüsteten, aber im Kriegsfall akut atomar bedrohten europäischen Kernlands entscheidend ist, sind weder zu Gehorsam gedrillte Soldaten noch Panzerkolonnen, sondern Menschen beiderlei Geschlechts, die ihr Land und ihre Gemeinschaft für wert erachten, einem möglichen Erpresser oder Invasor entschiedenen geistigen, sozialen und wirtschaftlichen Widerstand zu leisten. Militärisch ist das dichtbesiedelte, infrastrukturell leicht verwundbare Deutschland nur um den Preis größter Zerstörungen und ziviler Opferzahlen zu „verteidigen“.
Niemand kann ernsthaft behaupten, die heutige bunte Republik sei in ihrem desolaten Zustand, in dem Weihnachtsmärkte aufwändig mit Betonpollern und Polizei geschützt werden müssen, auch nur einen einzigen Soldatentod wert. Wer rechte oder rechtskonservative Politik richtig versteht, muss alles für eine grundlegend andere innere Verfassung Deutschlands tun – eine Herkulesaufgabe. Wer sich jedoch lieber in „Dienen, Gehorchen und Befehlen“ üben will, wird die Bildung realer Verteidigungsfähigkeit verfehlen, aber den Betreibern der „Kriegsfähigkeit“ sehr gefällig sein.

PI-NEWS-Autor Wolfgang Hübner schreibt seit vielen Jahren für diesen Blog, vornehmlich zu den Themen Geopolitik, Linksfaschismus, Islamisierung Deutschlands und Meinungsfreiheit. Der langjährige Stadtverordnete und Fraktionsvorsitzende der „Bürger für Frankfurt“ legte 2016 sein Mandat im Frankfurter Römer nieder. Hübner ist über seine Facebook-Seite und seinen Telegram-Kanal erreichbar. Seine politische Biographie „Nur tote Fische schwimmen mit dem Strom“ ist im Engelsdorfer-Verlag, 226 Seiten, ISBN 978-3-69095-029-9, 24,80 Euro, erschienen.
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