Der Premierminister Nepals, Balendra Shah, hat das aktuelle globale System scharf kritisiert. Es ermögliche zwar einen effizienten Waffentransport, lasse ärmere Länder aber im Stich. Während die Versorgung mit Waffen überall auf der Welt sichergestellt sei, sei die Versorgung mit Nahrungsmitteln, Treibstoff und anderen lebensnotwendigen Gütern schwierig.

„Wir haben eine Welt mit reibungsloser Kriegslogistik und einer zusammengebrochenen Lebensmittellogistik geschaffen“, sagte Shah am Donnerstag vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen in New York.

Der frühere Rapper und heutige Politiker Shah verwies auf die Engpässe in seinem Land, die durch Konflikte und geopolitische Spannungen verursacht wurden, welche die Lieferketten unterbrechen. Bauern hätten Schwierigkeiten, Dünger zu erhalten, Straßenbauprojekte seien nicht ausreichend mit Bitumen versorgt worden und Familien hätten nicht genügend Brennstoff zum Kochen.

„Interkontinentalraketen werden pünktlich geliefert. Gewehre und Munition passieren Grenzen, überwinden jeden Engpass und halten alle Lieferfristen ein“, sagte Shah, der Anfang des Jahres nach den Protesten der Generation Z gegen Korruption zum nepalesischen Premierminister gewählt wurde, zu den versammelten Staats- und Regierungschefs. „Aber ein Bauer in Nepal kann sich im Bedarfsfall weder Dünger noch Treibstoff zum Marktpreis leisten.“

Er argumentierte, dass das Problem über sein Land hinausgehe, und verwies insbesondere auf Indien, Bangladesch, Bhutan, die Malediven, Pakistan und Sri Lanka als regionale Staaten, die unter dem Druck von Klimaschocks und Konflikten stehen würden.

Nepal erholt sich von einer Flutkatastrophe, die am 26. August durch eine Eis- und Felslawine nahe der tibetischen Grenze ausgelöst wurde. Die Flutwelle aus Wasser, Schlamm und Geröll riss Bergdörfer mit sich, tötete mindestens 1.400 Menschen. Mehr als 6.000 werden vermisst. Nepal schätzt seinen Bedarf an Wiederaufbaumaßnahmen auf rund zehn Prozent seines Bruttoinlandsprodukts.

Der Premierminister bezeichnete die Katastrophe von Bhotekoshi-Trishuli als „Warnung an die Welt“ und erklärte, dass der Klimawandel das Ökosystem des Himalaya destabilisiere und das Risiko von Lawinen, Überschwemmungen und Erdrutschen erhöhe. Die Verwüstung betraf beide Seiten der nepalesisch-chinesischen Grenze, bevor die Fluten weiter flussabwärts in Richtung Indien flossen.

Shah schlug außerdem einen Mechanismus zur Stärkung der Klimaresilienz im Himalaya unter der Führung von Nepal, Indien und China vor. Die Initiative umfasse den Austausch von Satellitendaten und technischem Fachwissen, die Überwachung gefährlicher Gletscherseen, die Stärkung gemeinsamer Frühwarnsysteme und die Koordinierung von Hilfsmaßnahmen bei grenzüberschreitenden Katastrophen.

Indien und China zählen zu den Ländern, denen Shah für ihre – wie er es nannte – „schnelle und großzügige Hilfe“ nach den Überschwemmungen dankte.

Der nepalesische Staatschef forderte zudem mehr finanzielle Unterstützung für Länder, die von Klimakatastrophen betroffen sind, und argumentierte, dass der Wiederaufbau ärmeren Staaten keine zusätzlichen Schulden aufbürden dürfe. Er betonte, Nepal wolle nicht einzelne Länder anprangern, sondern mehr internationale Verantwortung und ein gerechteres globales System.

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