Laut Ankündigung von Audi-Chef Gernot Döllner in den USA plant der Automobilkonzern eine Werkseröffnung im Bundesstaat Georgia, zudem sollen 4.000 Arbeitsplätze entstehen. Der Vorstandsvorsitzende erfährt in der Heimat im Anschluss an seinen Auftritt bei einer Trump-Wahlkampfveranstaltung seitens Politik, Gewerkschaften und Medien unmissverständliche Kritik. So auch vonseiten der VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo, die laut dpa-Agenturmeldung nach Betrachtung vor „Scham im Boden versinken“ wollte. Döllner habe gegen interne Leitlinien von Audi verstoßen, heißt es.

Gernot Döllner wurde firmenintern im September 2023 zum Vorsitzenden des Vorstands der AUDI AG befördert und im Herbst 2025 für weitere fünf Jahre in dieser Funktion bestätigt. 

Döllner verkündete am vergangenen Samstag bei einer Trump-Wahlkampfveranstaltung eine demnach geplante Milliardeninvestition von Audi in den USA. Laut einem Handelsblatt-Kommentar (Bezahlschranke) „überschreitet er damit eine Grenze“, da sich der Audi-Chef laut dem Artikeltitel „zu Trumps Wahlkampfhelfer degradieren lässt.“

Die Spiegel-Redaktion (Bezahlschranke) erklärt, dass „Mr. Audi“ Donald Trump „ein milliardenschweres Wahlkampfgeschenk“ präsentiert habe, was wiederum „dem Manager zu Hause Querelen mit seinen Arbeitnehmern einbringt.“ Die Zeit fragt auf X, ob das Ereignis in Georgia nun als „Schande – oder Chance?“ zu verstehen sei.

Eine eindeutige Einschätzung erfolgte zu Wochenbeginn durch Christiane Benner, Erste Vorsitzende der IG Metall. In einer Mitteilung der Gewerkschaft lautet die Kritik, dass „die Art und Weise“, wie Gernot Döllner sich und Audi in den USA präsentiert habe, „höchst peinlich, politisch inakzeptabel und dem Unternehmen, vor allem aber den Audianerinnen und Audianern, nicht würdig“ sei.

Döllner habe laut Benner „zudem eklatant“ gegen die eigenen Unternehmensregeln verstoßen, „die ausdrücklich politische Neutralität im Vorfeld von Wahlen verordnen.“ Weiter heißt es, zu der Forderung, dass sich der Vorstand „endlich klar und verbindlich“ für die angedachte Zukunft der Deutschen Werke positionieren müsse:

„Seit Monaten fordert die Arbeitnehmervertretung Sicherheit für die deutschen Standorte und gleichzeitig eine klare Nordamerika-Strategie von Volkswagen und Audi. Die Bedeutung des amerikanischen Marktes für die Zukunft von Volkswagen ist bewusst.“

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo kommentierte gegenüber der dpa-Agentur hinsichtlich ihrer eindeutigen Kritik an der US-Veranstaltung:

„Etliche Minuten voller Rassismus, Sexismus, Fremdenhass, Transphobie, Verächtlichmachung der Demokratie – und dann tritt einer unserer obersten Konzern-Repräsentanten auf die Bühne und betreibt aktive Wahlkampfhilfe.“

Die Betriebsrätin forderte für den Bau eines US-Werks von Audi „außerdem klare Bedingungen“. Etwa müsse „Klarheit über die Auswirkungen“ für die übrigen Werke vorliegen, insbesondere in Deutschland. Cavallo gab weiter zu Protokoll:

„Ohne ein Gesamtbild zur Planungsrunde mit dem Gesamtblick auf alle Standorte geben wir kein grünes Licht. Das heißt im Umkehrschluss, dass eine Entscheidung erst noch aussteht.“

CDU-Arbeitnehmerchef Radtke bezeichnete den Döllner-Auftritt als so wörtlich „verstörend und erbärmlich“. Donald Trump schade mit seiner Unternehmenspolitik „massiv der deutschen Industrie, auch der Automobilindustrie“, so der CDU-Politiker weiter. Radtke forderte daher den Volkswagen-Konzern auf, „Konsequenzen aus dem Auftritt zu ziehen.“

Der Grünen-Politiker Fritz Kuhn, Ex-Fraktionsvorsitzender im Deutschen Bundestag, kommentierte auf X:

„Also ich, ich brauch‘ keinen Audi.“

Der Bayerische Staatsminister für Digitales, Fabian Mehring (Freie Wähler), kritisierte ebenfalls den Auftritt des Audi-Chefs. Während in Deutschland „um Arbeitsplätze und Standorte gerungen“ werde, lasse sich eines der „stolzesten Flaggschiffe unserer Industrie vor den Karren einer amerikanischen Wahlkampfshow spannen“, so der Minister in einem LinkedIn-Beitrag.

Die SPD-„Verkehrsexpertin“ Isabel Cademartori erkannte auch direkte „Wahlkampfhilfe für einen Autokraten“, um wörtlich zu kommentieren: „Das ist eine Schande, insbesondere in Anbetracht der Geschichte des VW-Konzerns“, teilte die Bundestagsabgeordnete aus Baden-Württemberg am Sonntag in Berlin mit.

Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), der für den Großaktionär Niedersachsen im VW-Aufsichtsrat sitzt, verwies in einer ersten Reaktion auf zuständige Gremien, die final „über Investitionen dieser Größenordnung beraten und entscheiden, das gilt auch hier.“ Die USA seien bei aller Kritik ein „wichtiger Markt für Volkswagen, und es ist strategisch richtig, ihn noch besser zu erschließen.“

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