Bei seiner Rede zum zehnten Jahrestag des Anschlags am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ), bei dem der 18-jährige David Sonboly neun Menschen erschoss, verlangte Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier von den Bürgern in Deutschland erneut „mehr Engagement im Kampf gegen Rassismus“. Steinmeier führte weiter aus, dass „über Ursachen und Konsequenzen solcher Verbrechen nicht geschwiegen werden darf“, so der Bundespräsident bei der Gedenkveranstaltung in der bayerischen Landeshauptstadt. Biografische, nachweisliche Details zum Leben und den iranischen Wurzeln des Amokschützen wurden mit keinem Wort erwähnt.

Die Bayerische Staatsregierung listet die Ereignisse des 22. Juli 2016 als „Politisch motivierte Gewaltkriminalität rechts“. Der Amokschütze wurde am 20. April 1998 in München als Sohn iranischer Eltern geboren, die zuvor erfolgreich in Deutschland Asyl erhalten hatten. Der Attentäter war deutsch-iranischer Doppelstaatsbürger, wurde jedoch als Ali Sonboly geboren und ließ seinen Namen nach Erreichen der Volljährigkeit auf Antrag in David Sonboly ändern.

Zum 10. Gedenktag zitiert die Tagesschau aus dem Redebeitrag von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier. Dieser erklärte wörtlich:

„Begreifen wir es endlich: Zuwanderungsgeschichte haben nicht nur einzelne Menschen ‒ unser ganzes Land hat sie. Deutschland ist ein Land mit Migrationshintergrund. Das macht uns aus. Die Toten von München, sie bleiben in unserem Gedächtnis.“

Steinmeier führte vor den Anwesenden weiter aus, dass „gerade für die Hinterbliebenen und Angehörigen es wohl allzu lange gedauert“ habe, bis nach Wahrnehmung des SPD-Politikers „eindeutig und öffentlich der rechtsterroristische Anschlag im OEZ auch als solcher anerkannt worden ist“. Weiter heißt es im Redemanuskript des Bundespräsidenten:

„Der Hass und die Vernichtungsabsicht des Täters hätten sich gegen Menschen gerichtet, die er als minderwertig angesehen habe, denen er das Recht zu leben abgesprochen habe. Diese Ideologie kennen wir. In der Geschichte haben Deutsche mit dieser Ideologie millionenfach gemordet.“ 

Im „detaillierten Abschlussbericht“ des Bayerischen Innenministeriums über die ermittelten Motive „und Hintergründe des OEZ-Attentats“ ist nachzulesen, dass die Sicherheitsbehörden im Jahr 2019 in ihren Ermittlungen „ein ganzes Bündel an Motiven zutage gefördert“ hatten. So heißt es wörtlich auf der Webseite des Freistaats:

„Beim Täter, dessen iranische Eltern Flüchtlinge waren, spielten laut [damaligen Innenminister] Herrmann persönliche Mobbing-Erlebnisse durch Mitschüler mit deutscher, deutsch-türkischer, polnischer, serbischer und bosnisch-herzegowinischer Nationalität in der Schule ebenso eine gewichtige Rolle wie massive persönliche Störungen und schwere soziale Defizite. Daraus wiederum entwickelte sich ein Hass gegen Türken sowie eine gewisse Identifikation mit rechtsmotivierten Attentätern wie Breivik.“

Der Bundespräsident erklärte hinsichtlich der vorliegenden Fakten gestern in München, dass „niemand aufgrund seiner Herkunft über jemand anderem steht“. Die Gesellschaft, „wir alle“, müssten daher aktuell „ein Klima bekämpfen, das feindlich gegenüber Menschen mit Zuwanderungsgeschichte ist“, so Steinmeier.

Steinmeier erinnerte zudem laut Tagesschau-Artikel wörtlich „an weitere tödliche rechtsextreme Anschläge wie die Attentate von Halle und Hanau, die Mordserie des NSU, die Tötung des Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke oder das Münchner Oktoberfestattentat von 1980“. Diese Ereignisse waren wiederum auch mit fraglichen Verstrickungen deutscher Geheimdienste verbunden, so auch im Falle des Amoklaufs am Münchner Olympia-Einkaufszentrum (OEZ).

Oft seien es Einzeltäter, so Steinmeier am Tag des Gedenkens, „bei denen ideologische Verblendung, Amokfantasien, irrationale Weltbilder und psychische Störungen ein mitunter unentwirrbares Motivationsgeflecht“ bildeten.

Der Täter aus dem Jahr 2016 habe keines seiner neun Opfer gekannt, wollte aber „gezielt bestimmte Menschen töten. Diese Ideologie kennen wir“, führte Steinmeier weiter aus. „Niemals dürfen wir uns damit abfinden, dass solches Denken in unserem Land wieder Raum gewinnt.“

Nach seiner Tat flüchtete der Deutsch-Iraner vom Tatort seines Amoklaufs. Rund zweieinhalb Stunden nach den ersten Schüssen stellte ihn eine Polizeistreife in der Nähe, woraufhin sich der 18-Jährige unmittelbar erschoss.

Bei der Gedenkveranstaltung sprachen im Anschluss an Steinmeiers Rede auch Bayerns Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU), Münchens Oberbürgermeister Dominik Krause (Grüne) sowie Angehörige der Opferfamilien. Steinmeier verlas ebenso wie nach ihm Aigner und Krause die Namen der neun Ermordeten.

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