Astronomen haben jenseits von Pluto ein großes Objekt entdeckt, das als Zwergplanet eingestuft werden könnte. Damit würde der Gruppe der offiziell anerkannten Zwergplaneten des Sonnensystems möglicherweise ein neues Mitglied hinzugefügt. Die Entdeckung wurde vom US-finanzierten Vera-C.-Rubin-Observatorium in Chile bekannt gegeben. Dort befindet sich die größte digitale Kamera der Welt mit 3,2 Gigapixeln, die für astronomische Beobachtungen gebaut wurde.

Forscher schätzen den Durchmesser des vorläufig 2026 ED138 benannten Objekts auf 600 bis 1.500 Kilometer. Es könnte damit einer der größten je gefundenen Kandidaten für einen Zwergplaneten sein. ED138 ist derzeit etwa 46 astronomische Einheiten (AE) von der Sonne entfernt, wobei eine astronomische Einheit dem durchschnittlichen Abstand der Erde zur Sonne entspricht. Zum Vergleich: Pluto umrundet die Sonne in einer Entfernung von 40 AE.

Bisher blieb das Objekt vermutlich unentdeckt, weil es sich vor dem dicht besetzten Hintergrund von Millionen Sternen nahe der Ebene der Milchstraße befand. Dank der wiederholten Aufnahmen und der Tracking-Software des Rubin-Observatoriums konnten die Wissenschaftler seine Bewegung nun herausfiltern.

Sollte sich der Status bestätigen, käme ED138 zu den fünf von der Internationalen Astronomischen Union anerkannten Zwergplaneten hinzu: Eris, Haumea, Makemake, Ceres und Pluto, der bis zu seiner Neueinstufung im Jahr 2006 als neunter Planet des Sonnensystems galt.

Zwergplaneten umkreisen die Sonne und besitzen genug Schwerkraft, um eine annähernd runde Form anzunehmen, teilen sich ihre Bahnumgebung aber mit anderen Himmelskörpern. ED138 könnte groß genug sein, um das Kriterium der runden Form zu erfüllen. Um seinen Status zu bestimmen, sind jedoch weitere Forschung und genauere Messungen nötig.

„Das Wichtigste, was wir jetzt tun müssen, ist, die physische Größe von 2026 ED138 zu bestimmen“, sagte der Entdecker Matthew Holman gegenüber Reuters. Er erklärte, dass die Größe von ED138 derzeit anhand des reflektierten Sonnenlichts geschätzt werde. Ein kleines glänzendes Objekt könne jedoch genauso hell erscheinen wie ein großes dunkles, so Holman.

Der letzte von der Internationalen Astronomischen Union offiziell anerkannte Zwergplanet war Haumea im Jahr 2008. Seitdem sind weitere Kandidaten aufgetaucht, darunter 2017 OF201, dessen Entdeckung im Mai 2025 bekannt gegeben wurde. Keiner von ihnen wurde bislang offiziell in die Liste aufgenommen.

Mehr zum Thema – Tanzende Plasmawirbel: Teleskop liefert die bislang schärfsten Sonnenbilder

Abbildung des Banners Merch Gegen Oben
Nach oben scrollen