Führende Politiker von SPD und Grünen werben dafür, dass erstmals eine Frau an die Spitze des Staates rückt. „Die Entscheidung über die nächste Besetzung des Bundespräsidentenamtes rückt in der Tat immer näher. Für mich steht fest, dass das höchste Amt im Staat von einer Frau übernommen werden sollte“, sagte der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Fraktion, Dirk Wiese, gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger.

Gefragt sei eine Persönlichkeit von „Integrität und Strahlkraft“, die über Besonnenheit und Urteilsvermögen verfüge. Besonders wichtig seien auch Anerkennung auf dem internationalen Parkett und diplomatisches Geschick. „Es erschließt sich mir nicht, weshalb ausschließlich Männer diese Voraussetzungen mitbringen sollten. Die Zeit für eine Bundespräsidentin ist längst reif“, ergänzte Wiese.

Der SPD-Politiker Ralf Stegner bringt gegenüber der Rheinischen Post einen konkreten Namen ins Spiel: „Ilse Aigner von der CSU wäre sicherlich eine respektable Kandidatin für die Wahl zum ersten weiblichen Staatsoberhaupt der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

Das neue Staatsoberhaupt wird am 30. Januar von der Bundesversammlung gewählt, die sich aus den 630 Bundestagsabgeordneten und genauso vielen Wahlleuten aus den Ländern zusammensetzt. Amtsinhaber Frank-Walter Steinmeier darf nach zwei Amtszeiten nicht noch einmal antreten. In der CSU wird seit Langem die bayerische Landtagspräsidentin Ilse Aigner als denkbare Bundespräsidentin gehandelt. CSU-Chef Markus Söder plädierte auf dem Parteitag in München erneut für Aigner.

Bundeskanzler und CDU-Chef Friedrich Merz (CDU) sagte in seiner Rede auf dem CSU-Parteitag dagegen kein Wort dazu, wann und wie er, die Union und die Koalition die Kandidatur für das Bundespräsidentenamt klären wollen. Nur zum Auftakt seiner Rede hatte er direkt nach Söder auch Aigner namentlich begrüßt.

Auch die Grünen-Fraktionschefin Britta Haßelmann macht sich für eine Frau im höchsten Staatsamt stark. „Selbstverständlich kann und sollte eine Frau endlich auch das höchste Amt im Staat übernehmen. Die Zeit ist reif für eine Frau“, sagte Haßelmann dem Kölner Stadt-Anzeiger. Von Oktober 2008 bis September 2013 war Aigner Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Kabinett Merkel I und Merkel II). Dabei stand sie oft in der Kritik: In Krisen wie dem Dioxin-Skandal im Jahr 2011 wurde ihr von der Opposition (SPD, Grüne, Linke) und Umweltverbänden vorgeworfen, zwar lautstark Maßnahmen anzukündigen, aber zögerlich zu agieren oder folgenlose Scheinmaßnahmen zu betreiben.

Von 2013 bis 2018 war Aigner Staatsministerin für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie sowie stellvertretende Bayerische Ministerpräsidentin im Kabinett Seehofer II. Beobachter und Medien kritisierten, dass sie ihr Ministerium nicht eigenständig genug führte, sondern wesentliche Leitlinien und Personalentscheidungen (etwa durch den Amtschef Bernhard Schwab) stark von der bayerischen Staatskanzlei unter Horst Seehofer gesteuert wurden. Es gab dazu wiederholt Unmut bei der Opposition und die Kritik, dass sie versucht habe, politische Weggefährten auf einflussreiche Posten zu hieven.

Seit Jahresbeginn steht allerdings noch ein anderer Name auf der möglichen Nachfolgeliste von Steinmeier. Im Jahr 2026 kam das Gerücht auf, politische Lager wie das der Grünen könnten Ex-Kanzlerin Angela Merkel vorschlagen. Ihr Büro dementierte dies allerdings. Laut einer Forsa-Umfrage aus dem August würden zwar rund 47 Prozent der Befragten Merkel das Amt zutrauen, konkrete politische Planungen gibt es von ihrer Seite jedoch nicht – bisher.

Die Altkanzlerin wurde zuletzt mit mehreren nationalen und internationalen Auszeichnungen geehrt. Im Mai 2026 erhielt sie in Straßburg als eine der ersten Preisträger die höchste Stufe des neu ins Leben gerufenen sogenannten „Europäischen Verdienstordens für ihre Verdienste um die europäische Integration“. Zudem wurden ihr im selben Jahr für ihren Einsatz um „gesellschaftlichen Zusammenhalt und die demokratische Kultur“ der Elisabeth-Preis der Caritas Augsburg sowie der Hermann-Ehlers-Preis verliehen. 

Kritiker werfen ihr mit dem Öffnen der deutschen Grenzen 2015 für Millionen von Flüchtlingen dagegen einen der größten Nachkriegsskandale der Bundesrepublik vor, deren Folgen von täglichen Messerangriffen bis zu enormen Kosten die Bundesbürger bis heute ausbaden müssen.

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