Von Wiktor Schdanow
Deutschland hat eines der wichtigsten Geheimnisse seiner Waffenlieferungen an die Ukraine offengelegt. Vor wenigen Tagen wurde bekannt, dass in Berlin ein spezieller „Sonderstab Ukraine“ für Geschäfte mit Kiew eingerichtet wurde, um bürokratische Hürden zu umgehen. Der Erfolg dieser Initiative ist allerdings aus mehreren Gründen fraglich. Warum eine solche Politik für Bundeskanzler Friedrich Merz gefährlich ist, beleuchtet dieser Beitrag von RIA Nowosti.
Militärgeheimnis
Wie die Financial Times berichtet, ist eine spezielle Ukraine-Gruppe im deutschen Verteidigungsministerium seit 2022 tätig. Der „hohe geheime Trupp“ versorgt die Regierung in Kiew mit Waffen im Wert von mehreren Milliarden Euro. Einer der Gründer des Sonderstabs Ukraine war General Christian Freuding, der inzwischen die Landstreitkräfte befehligt.


Waffenbeschaffungen werden innerhalb von nur zwei Wochen abgewickelt. Die Verträge mit den Auftragnehmern unterzeichnet die ukrainische Seite direkt. Die Deutschen begleichen lediglich die Rechnung.
In dem Stab arbeiten nur rund 20 Personen. Innerhalb von vier Jahren entwickelte sich der Stab von einem Lagezentrum zu einer Schlüsselstruktur, die Berlin den Status des größten Unterstützers des Kiewer Regimes sichert.
Insgesamt beliefen sich die Ausgaben für Waffenlieferungen an die Ukraine seit 2022 auf fast 67 Milliarden US-Dollar. Die deutsche Unterstützung umfasst eine breite Palette an Lieferungen: Leopard-Panzer, Flugabwehrsysteme der Typen Patriot, IRIS-T und Skynex, verschiedene Selbstfahrlafetten, Drohnen, hunderttausende Munitionsteile sowie Helme und Schutzwesten.
Längst nicht alle Lieferungen werden öffentlich gemacht. Manche werden erst Jahre später bekannt. Im August erklärte Verteidigungsminister Boris Pistorius, dass Berlin Kiew bereits mit dem Radhaubitzersystem RCH-155 beliefert hat.


„Da, wo Sie jetzt stehen, meine Damen und Herren, stand, ich glaube, zwei Jahre ist es her, die erste Radhaubitze, die in die Ukraine gegangen ist“, sagte er bei einem Besuch im Werk des deutsch-französischen Rüstungskonzerns KNDS in Kassel. Er fügte hinzu, dass die RCH-155 bei den ukrainischen Streitkräften sehr beliebt sei.
Kanzler der Ukraine
Bemerkenswert ist, dass Berlin die Bürokratie bei der militärischen Unterstützung des Kiewer Regimes relativ schnell überwinden konnte, bei zivilen Vorhaben im eigenen Land jedoch nicht. So waren laut dem Wall Street Journal aufgrund bürokratischer Beschränkungen bis Mitte 2026 rund 584 Milliarden US-Dollar, die zur Ankurbelung der Wirtschaft bereitgestellt worden waren, noch nicht abgerufen worden.


Die Modernisierung der Infrastruktur – darunter Schulen, Eisenbahnstrecken, Autobahnen und digitale Netze – wurde durch langsame Genehmigungsverfahren und komplizierte Vorschriften ausgebremst. Der Bundeskanzler macht allerdings keinen Hehl daraus, dass seine Aufmerksamkeit stärker der Außenpolitik als der innenpolitischen Krise gilt. Er betonte:
„Ich verstehe die innenpolitische Debatte. Aber andererseits ist Deutschland so eng mit dem Schicksal des europäischen Kontinents verbunden, dass wir die Außen- und Sicherheitspolitik nicht von dem trennen können, was wir zu Hause diskutieren. Das ist der Grund, warum ich versuche, meine Kollegen, meine Freunde, meine Partei und die Fraktion davon zu überzeugen, dass dies wichtig ist – viel wichtiger als manche der innenpolitischen Debatten, die wir derzeit führen.“
Seine Politik steht im Widerspruch zur Haltung eines erheblichen Teils der Deutschen. Laut einer Umfrage des ARD-Deutschlandtrends halten in Westdeutschland 39 Prozent der Befragten die Waffenlieferungen an Kiew für übermäßig. Im Osten, in der ehemaligen DDR, sind 54 Prozent dieser Ansicht. Offen gegen die Unterstützung der Ukraine stellt sich zudem ein großer Teil der Wirtschaft, der nicht mit der Rüstungsindustrie verbunden ist.


„Wenn es nach mir ginge, würde Deutschland die Ukraine nicht unterstützen. Es ist nicht unser Krieg“, sagte der deutsche Milliardär und Eigentümer mehrerer Molkereiunternehmen, Theo Müller, in einem Interview mit der Bild.
Das Kanzleramt bleibt der Meinung der Bürger allerdings taub. Laut dem vom Bundestag beratenen Haushaltsentwurf für 2027 will Berlin 11,6 Milliarden Euro für die Unterstützung Kiews bereitstellen.
Es ist daher nicht überraschend, dass der deutsche Bundeskanzler in der Ukraine deutlich beliebter ist als in seiner Heimat. Laut der ukrainischen soziologischen Gruppe „Rating“ vertrauen ihm 64 Prozent der Ukrainer, aber nur 16 Prozent der Deutschen.
Sahra Wagenknecht, Vertreterin der linken Opposition in Deutschland, erklärte:
„Unbegrenzte Milliardengeschenke für Kiew, Kürzungen und Steuererhöhungen bei den eigenen Bürgern – Friedrich Merz ist wirklich der beste Kanzler, den die Ukraine je hatte.“


Gegenseitige Unzufriedenheit
Berlin ist als wichtigster militärischer Lieferant mit dem Verlauf der Zusammenarbeit unzufrieden und gibt dafür vor allem Kiew die Schuld. Wie das Magazin Der Spiegel unter Berufung auf hochrangige Quellen berichtet, kauft die Ukraine offenbar „zu wenig“ Waffen in Deutschland, was zu zunehmender Unzufriedenheit in der Bundesregierung führt.
„Es gibt einen Trend, dass Kiew von unserem Geld fast nur noch Systeme aus der eigenen Produktion finanzieren will“, beklagte ein deutscher Beamter.
Auf den Wunschlisten für Waffenlieferungen stehen inzwischen nicht einmal mehr Drohnen aus der gemeinsamen deutsch-ukrainischen Produktion. Die einzige Ausnahme bilden Raketen für die Systeme Patriot und IRIS-T, die die Ukraine weiterhin dringend benötigt.


Damit droht den wichtigsten Profiteuren des Konflikts aufseiten der deutschen Rüstungsindustrie – etwa Rheinmetall – ein Verlust von Einnahmen.
Auch Kiew hat Anlass für Gegenforderungen. So fand das Portal Clash Report unter Berufung auf ein Dokument des US-Außenministeriums heraus, dass Berlin von den von der Ukraine angeforderten Patriot-Raketen lediglich zehn veraltete Exemplare liefern könne. Anstelle der geforderten PAC-3-Varianten seien die Deutschen bereit, MIM-104E GEM-T-Raketen zu übergeben, die zur PAC-2-Serie gehören.
Dennoch berichten ukrainische Medien von einer jüngsten Entscheidung Deutschlands, die Lieferungen für die Luftverteidigung aufzustocken. Dazu gehören demnach Munition für IRIS-T sowie mehrere Tausend Angriffsdrohnen. Ob die Generäle des „Sonderstabs“ diese Aufgabe bewältigen können oder ebenso wie im Fall der Patriot-Raketen machtlos bleiben, ist weiterhin offen.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 20. September 2026 zuerst auf der Website der Nachrichtenagentur „RIA Nowosti“ erschienen.
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