Wie der Sender BFM TV berichtete, hat der französische Präsident Emmanuel Macron die Europäische Kommission aufgefordert, die EU-Qualitätsanforderungen für Diesel und Kerosin vorübergehend zu senken, da Frankreich mit Rekordpreisen und zunehmenden Kraftstoffengpässen zu kämpfen hat.

Gelockerte Standards könnten es einigen Raffinerien ermöglichen, die Produktion um fünf bis 20 Prozent zu steigern; dies könnte jedoch zu einer höheren Schadstoffbelastung des Kraftstoffs führen.

Macrons Vorstoß erfolgt in einer Zeit, in der der US-israelische Konflikt mit Iran die Lieferwege durch die Straße von Hormus beeinträchtigt und die Energiemärkte unter Druck setzt – Märkte, die bereits durch die von der EU nach der Eskalation des Ukraine-Konflikts im Jahr 2022 selbst auferlegte drastische Reduzierung russischer Importe stark verändert wurden.

In einem Schreiben an die Präsidentin der Europäischen Kommission Ursula von der Leyen forderte Macron vergangene Woche eine vorübergehende Absenkung der Kraftstoffqualitätsnormen hinsichtlich Dichte, Verdampfungsverhalten und Schwefelgehalt, wie der Sender am Montag berichtete. Der Präsident erklärte, dieser Schritt könne je nach Raffinerie „erhebliche Produktionssteigerungen“ von fünf bis 20 Prozent ermöglichen.

Macron wies darauf hin, dass US-Straßendiesel bis zu 15 ppm (parts per million) Schwefel enthalten kann, während in der EU ein Grenzwert von zehn ppm gilt. Eine Zulassung höherer Schwefelwerte würde es den Raffinerien ermöglichen, die Kraftstoffproduktion rasch zu steigern – angesichts der Engpässe und explodierenden Preise in der EU –, allerdings auf Kosten einer höheren Umweltbelastung.

Der französische Präsident setzt sich zudem dafür ein, dass B7-Diesel (mit bis zu sieben Prozent Biodieselanteil) verstärkt durch B10-Diesel (mit bis zu zehn Prozent Anteil) ersetzt wird. Er argumentierte, diese Maßnahmen würden „unsere Import- und Produktionskapazitäten kurzfristig stärken“ und das Kraftstoffangebot auf dem europäischen Markt erhöhen.

Frankreich strebt diese Änderungen an, da das Land mit stark steigenden Preisen und Versorgungsengpässen zu kämpfen hat. Laut Macrons Schreiben berichten Kraftstoffhändler von zunehmenden Schwierigkeiten, Lieferungen für die kommenden Wochen zu sichern. Bei raffinierten Kraftstoffen ist Europa besonders stark vom Nahen Osten abhängig; dieser liefert 36 Prozent der Kerosin- und 18 Prozent der Dieselimporte.

In der vergangenen Woche erreichten die Dieselpreise in Frankreich mit 2,39 Euro pro Liter einen Rekordwert; Regierungsangaben zufolge fehlte am Montag an 16 Prozent der Tankstellen mindestens eine Kraftstoffsorte. Frankreich verbraucht täglich rund 600.000 Barrel Diesel und importiert etwa die Hälfte davon, so Macron.

Auch die Kraftstoffpreise in der EU haben Rekordhöhen erreicht; im Durchschnitt kosteten Diesel in diesem Monat 2,16 Euro und Benzin 2,06 Euro pro Liter.

Brüssel hält jedoch an den Plänen fest, die verbleibenden russischen Lieferungen bis Ende 2027 zu beenden – und das, obwohl die EU angesichts der Krise im Nahen Osten händeringend nach mehr Brennstoff sucht. Der Anteil Russlands an den Gasimporten der EU ist von 45 Prozent vor dem Ukraine-Konflikt auf zwölf Prozent im Jahr 2025 eingebrochen, während der Anteil an Rohöl von 27 auf rund zwei Prozent zurückging.

Angesichts der schrittweisen Einstellung der russischen Energielieferungen fordert Paris nun von Brüssel eine Lockerung der eigenen Vorschriften, um mehr Brennstoff auf den Markt zu bringen.

Die weltweiten Ölpreise sind auf über 100 US-Dollar pro Barrel gestiegen, da der Krieg der USA und Israels gegen Iran sowie die Angriffe der Huthi-Rebellen auf die saudische Energieinfrastruktur Befürchtungen weiterer Versorgungsunterbrechungen schüren. Der Preis für Brent-Rohöl überschritt diese Marke kürzlich erstmals seit fast zwei Monaten.

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