Der renommierte Professor, ex-UN-Sonderbeauftragter, Autor und Polit-Analyst, Jeffrey Sachs, rekapituliert auf dem Podcast, Judging Freedom von Judge Andrew Napolitano zum Jahresende Herausforderungen und Schwachstellen der US-Aussenpolitik.

Jeffrey Sachs: „Aus technischer und operativer Sicht
befinden sich die USA inzwischen im Krieg mit Venezuela!“ – Teil 1

 Judge Napolitano: Hallo alle, hier ist Judge Andrew Napolitano mit „Judging Freedom“. Heute ist Dienstag, der 23. Dezember 2025 und Professor Jeffrey Sachs ist heute bei uns zum Thema „Das unterschätzte Russland!“ zu Gast. Professor Sachs, herzlich willkommen, mein lieber Freund. Vielen Dank, dass Sie sich Zeit für uns genommen haben. Auch wünsche ich Ihnen und Ihrer Familie schöne Feiertage!

Ich möchte mich etwas mit der europäischen Mentalität und deren notorischer Unterschätzung Russlands beschäftigen. Doch zuvor will ich noch ein paar andere Dinge ansprechen, nicht zuletzt solche bezüglich China.

Doch, zuerst einige aktuelle Nachrichten: Vor etwa einer Stunde wurde Greta Thunberg, die Klima- und Friedensaktivistin, in London verhaftet, weil sie ein Plakat mit der Aufschrift „Ich unterstütze Gefangene der palästinensischen Aktion und lehne Völkermord ab!“ hochhielt. Weil sie das auf einem Stück Papier in London, England, vertreten hat, wurde sie ins Gefängnis abtransportiert. Kann das denn wahr sein?

Jeffrey Sachs: Das passiert auf der gesamten westlichen Welt. Das entspricht westlichen Werten. In den Vereinigten Staaten wurden Studenten von mir kurzerhand verhaftet, vor den Augen ihrer Frauen aus ihren Wohnheimen gezerrt und mehrere Monate lang inhaftiert. In Europa werden Menschen wegen einfacher Meinungsäußerungen verhaftet. In Kontinentaleuropa – in der Europäischen Union – werden Menschen aufgrund wissenschaftlicher Berichte, …

 … welchen den Aussagen der Europäischen Kommission widersprechen, auf Sanktionslisten gesetzt!

Was wir zurzeit erleben, entspricht einer allgemeinen Einschränkung an Freiheit. Judge, in Ihrer Sendung geht es um Freiheit, doch wir erleben, wie Freiheit in der sogenannten westlichen Welt, die vorgibt, westliche Werte der Freiheit zu verteidigen, drastisch eingeschränkt wird, nachdem sich Menschen gegen die vorherrschende Meinung aussprachen.

Ich würde sagen, wir stossen bei den Machthabern in den Vereinigten Staaten, im Vereinigten Königreich und in der Europäischen Union auf eine Art von Paranoia samt Verzweiflungsakten. Das geschieht an verschiedenen Orten auf leicht unterschiedliche Weise, aber Einschränkungen in Bezug auf Meinungsfreiheit und ganz grundlegende politische Rede erfolgt auf absolut dramatische Weise!

Judge Napolitano: In den letzten zwei Wochen kam es zu drei Ereignissen in Bezug auf China:

  • Die Trump-Adminstration veröffentlichte ihre Nationale Sicherheitsstrategie, nach der China kein Feind mehr sei, sondern wirtschaftlicher Konkurrent – eine gute Einsicht.
  • Aber danach, eine Woche später, verabschiedete der Kongress das Nationale-Verteidigungs-Ermächtigungs-Gesetz [National Defense Autorisation Act], welches Präsident Trump unterzeichnete. Dieses Gesetz sieht vor, dass das Verteidigungsministerium, das sich jetzt Kriegsministerium nennt, im nächsten Jahr eine Billion Dollar erhält und für 11 Milliarden Dollar Offensiv-Waffen an Taiwan zur Verfügung stellt. Laut Scott Ritter könnten diese Waffen bis Peking reichen!

Jeffrey Sachs: Ja, das wurde bekannt!

Judge Napolitano: Richtig! Doch, dann entsandte der Präsident die US-Marine, um einen aus Venezuela kommenden Öltanker beschlagnahmen zu lassen, dessen Inhalt von einem chinesischen Unternehmen gekauft und bezahlt worden war. Und Trump sagte: „Wir werden das Öl und das Schiff behalten!“…

Jeffrey Sachs: … und neue Strafmaßnahmen gegen den chinesischen Handel, die ebenfalls erst vor wenigen Stunden verhängt wurden, betreffen Halbleiter für China. Es handelt sich also um eine US-Administration, die sehr chaotisch und missverständlich vorgeht. Sie zeigt eine sehr gewalttätige Seite. Manchmal gibt es auch eine Rhetorik, die nicht gewalttätig ist. Aber es gibt keine einheitliche Linie! Washington ist voll von Kriegstreibern, was auch immer man davon halten mag. Besagte Kriegstreiber sind schnell für Anti-China Massnahmen zu haben und so werden solche Aktionen gegen China zwangsläufig weitergehen:

Die Beschlagnahmung des Tankers unter panamaischer Flagge, der nicht sanktioniert war, entspricht einer Kriegshandlung!

Denn die Vereinigten Staaten – Präsident Trump, der dazu verfassungsrechtlich nicht befugt ist – haben eine Blockade über Venezuela verhängen lassen. Eine Blockade ist eine Kriegshandlung. Auch das ist verfassungswidrig: Doch, Sie und ich wissen, dass wir eigentlich keinen Kongress mehr haben. Man hört nichts von diesem und er spielt keine Rolle mehr. Die Kongressabgeordneten nehmen ihre Vorrechte nicht mehr wahr. Versuche, die Macht des Präsidenten gegenüber Venezuela einzuschränken, indem jeder sehen konnte, dass er eigenmächtig den Krieg erklären liess, waren im US-Kongress gescheitert. Die meisten Kongressabgeordneten und natürlich Mitglieder seiner eigenen Partei haben sich dem Präsidenten angeschlossen:

Aus technischer Sicht und tatsächlich auch aus operativer Sicht befinden wir uns inzwischen im Krieg mit Venezuela!

Das erfolgte aufgrund der Blockade und der Beschlagnahmung von Schiffen. Die Ziele dahinter sind:

  • Die venezolanische Regierung zu stürzen!
  • Venezuelas Ölreserven zu erbeuten bzw. zu stehlen!
  • Den Handel mit China zu hemmen!

Es handelt sich also um Mehrfach-Motive, welche auf verschiedene Dinge abzielen, doch allesamt rücksichtslos und unverantwortlich sind und die Welt an diesem Vorabend der Weihnachtsfeiertage – die an sich Tage des Friedens darstellen – zu einem gefährlicheren Ort machen. So wurde die Welt zu einem sehr gefährlichen Ort und die USA tragen ihren Anteil daran!

Judge Napolitano: Ich werde zwei Clips einspielen: In einem sagt Präsident Trump ganz unverhohlen, was er mit dem Öl und dem Schiff vorhabe. Und in dem anderen äußert sich auf brillante Art einer seiner Vorgänger[-Präsidenten], nachdem amerikanische Schiffe getroffen worden waren:

Einspielung 1:

Donald Trump betont überdeutlich, dass die USA über dem Völkerrecht stünden | Quelle: Screenshot YouTube Judging Freedom

Frage an Trump: Was wird mit dem Öl, das wir nun haben, geschehen?

Donald Trump: Was meinen Sie?

Frage: Das beschlagnahmte Öl: Die Vereinigten Staaten haben am 10. Dezember 1,9 Millionen Barrel Öl beschlagnahmen lassen!

Donald Trump: Wir werden es behalten – wir behalten es!

Frage: Wo ist es? Werden wir es entweder verkaufen oder als strategische Reserven einlagern lassen?

Donald Trump: Vielleicht verkaufen wir es – vielleicht behalten wir es. Vielleicht verwenden wir es für die strategischen Reserven. Wir behalten es – zusammen mit den Schiffen!

Einspielung 2:

Franklin Roosevelt beim Kamingespräch 18 in Bezug auf den «Greer-Vorfall» |Quelle: Screenshot YouTube Judging Freedom

Franklin Roosevelt: Wir suchten keinen bewaffneten Konflikt mit Hitler. Wir suchen ihn auch jetzt nicht. Aber wir brauchen den Frieden aber nicht so sehr, indem wir bereit wären, es hinzunehmen bzw. zuzulassen, unsere Kriegs- und Handelsschiffe, die ihren legitimen Aufträgen nachkommen, angreifen zu lassen…

Anmerkung der Redaktion: Im Kamingespräch 18 von Franklin Roosevelt am 11. September 1941, ging es um die Versenkung mehrerer US-Frachtschiffe durch deutsche U-Boote und Franklin Roosevelt scharf kritisierte.

Ende der Anmerkung

[…]

Franklin Roosevelt:Wenn man eine Klapperschlange sieht, die zum Schlag ausholt, wartet man nicht, bis sie zugeschlagen hat, bevor man sie zertritt. Diese Nazi-U-Boote und Plünderer sind die Klapperschlangen des Atlantiks. Sie sind eine Bedrohung für freie Frachtstrassen auf hoher See. Sie stellen eine Herausforderung für unsere Souveränität dar. Sie greifen unsere edelsten Rechte an, sowie sie Schiffe unter amerikanischer Flagge angreifen, Symbole unserer Unabhängigkeit, unserer Freiheit und unseres Lebens.

[…]

Judge Napolitano: Hat Donald Trump Klapperschlangen in die Karibik entsandt?

Jeffrey Sachs äussert Kritik zu Themen, über die viele seiner Kollegen meist schweigen | Quelle: Screenshot YouTube Judging Freedom

Jeffrey Sachs: Der springende Punkt der amerikanischen Politik derzeit ist, alle wissen zu lassen, dass man tun könne, was immer man wolle: Als gebe es keine Regeln und kein Völkerrecht bzw. niemanden, der die USA noch aufhalten könnte.

Präsident Trump schwelgt dabei, um so unverschämt wie möglich zu wirken und versucht zu kommunizieren, dass …

… rohe Gewalt eingesetzt und jeder, der sich zu widersetzen wagte, von den USA vernichtet werden würde!

Das entspricht dem Gegenteil von Rechtsstaatlichkeit. Es ist das Gegenteil von dem, was der Welt Sicherheit verschaffte. Es verschärft vielmehr die bereits angeheizte Kriegsstimmung in Europa und in den Vereinigten Staaten. Das ist außerordentlich leichtsinnig und gefährlich. Viele Länder sind zu eingeschüchtert, um sich derzeit gegen Trump auszusprechen, weil sie ihn fürchten. Doch, das ist genau das, was Trump erreichen wollte. Es entspricht einer dramatischen Macht-Demonstration!

Es trifft sich gut, dass Sie Franklin Roosevelt einspielten. Meiner Meinung nach war er zweifellos der größte Präsident des 20. Jahrhunderts und ist es bis heute geblieben, Er verfolgte zwei großartige Ideen, an die sich die Amerikaner erinnern sollten:

  • Zum einen konzipierte er mitten im Zweiten Weltkrieg die Vereinten Nationen, weil er der Meinung war, dass man internationales Recht benötigte, welches auf globaler Zusammenarbeit und nicht auf roher Gewalt basiere. Die USA kämpften gegen die rohe Gewalt des Nationalsozialismus. Franklin Roosevelt wollte, dass die Welt gemäss Völkerrecht und globaler Zusammenarbeit operiere.
  • Die andere herausragende Idee von Franklin Roosevelt, die auch heute noch absolut aktuell ist, war seine Erklärung zu Beginn seiner ersten Amtszeit:

Die „US-Politik guter Nachbarschaft“ gegenüber den Ländern Amerikas!

Sein entfernter Cousin sechsten Grades, Teddy Roosevelt, hatte zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wie wir bereits besprochen hatten, als echter Imperialist den Roosevelt-Zusatz [Roosevelt Corollary] zur Monroe-Doktrin verkündet. Besagter Roosevelt-Zusatz, der von Theodore Roosevelt als Präsident in den ersten Jahren des 20. Jahrhunderts verkündet wurde, besagte:

Die USA werden der Polizist Amerikas sein und nach eigenem Ermessen intervenieren!

So, landeten die Marines unzählige Male in der Karibik und in Mittelamerika unter dem sogenannten Roosevelt-Zusatz.

Nun, dieser [andere] Roosevelt, den wir gerade gesehen haben, [nämlich] Franklin Roosevelt, sagte: Das ist nicht richtig! Es funktioniert nicht! Es führt zu Unruhen! Es erhöht die Unsicherheit in der gesamten westlichen Hemisphäre!“ Er versprach die „Politik der guten Nachbarschaft“, nach der die Vereinigten Staaten nicht gewaltsam oder militärisch in die Angelegenheiten anderer Länder Amerikas eingreifen würden!

Er hielt sein Wort und 1948 unterzeichneten die Länder der westlichen Hemisphäre eine Charta zur Gründung der Organisation Amerikanischer Staaten:

In dieser Charta ist die Nichteinmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder festgeschrieben!

Donald Trump kehrt nicht nur zum [Theodore-]Roosevelt-Zusatz [Roosevelt-Corollary] zurück. Er geht noch viel weiter. Er hat eine Art brutales Corollary verkündet: „Wir werden tun, was wir wollen, wo immer wir wollen – gegen alle Prinzipien, alle Regeln, …

… jedes Völkerrecht, alle regionalen Abkommen, alle Chartas – wir behalten das Öl – es ist uns egal und es gehört einfach uns!

Genau das verkündet er mit großer Inbrunst: Er versucht, den Rest der Welt Angst und Schrecken einzujagen. Falls man glaubte, dass dies Ihnen, mir und dem amerikanischen Volk Sicherheit brächte, müsste ich Ihnen widersprechen. Dies erhöhte vielmehr unsere Unsicherheit in einer Zeit, in der wir die sichersten Menschen der Welt sein könnten, falls wir nur aufhören würden, mit all diesen Drohungen die Temperatur auf dem Planeten anzuheizen – mit diesem Unilateralismus und Tun, was immer wir wollen, weil wir die härtesten, schäbigsten und schlimmsten Typen im „Revier“ wären.

Was tun wir? Wir verkaufen Waffen an Taiwan. Fänden wir es gut, falls China Waffen an den Bundesstaat Pennsylvania verkaufen wollte? Ich glaube nicht, dass uns das gefallen würde – ganz und gar nicht! Und doch mischen wir uns in die inneren Angelegenheiten anderer Länder ein und zwar an den intensivsten und gefährlichsten Brennpunkten:

Ob es nun der Versuch war, die NATO in die Ukraine zu drängen oder die Beschlagnahmung von Tankern und gegen das Völkerrecht verstößt oder der Verkauf von Waffen an Taiwan gegen den vehementen Widerstand Chinas und dessen klarste roten Linien.

Doch wir meinen, das sei klug und gut und entspreche der amerikanischen Art. Dabei gefährdet es uns nur noch mehr. Genau das passiert gerade. Es ist unglaublich! Es ist, als gäbe es einfach keine Erwachsenen, welche die Grundidee verstanden hätten, dass man nach Prinzipien zu handeln hätte, falls man sicher gehen wollte und dass man, wenn man wie ein Tyrann handelte, eine Katastrophe heraufbeschwören würde.

Fortsetzung mit Teil 2 folgt

***

  • Mehr zum Thema „Roosevelt-Zusatz“ und der „NSS 2025“ HIER
  • Mehr zu den US-Kriegszielen gegen Venezuela: HIER
  • Das Video von Judging Freedom mit Jeffrey Sachs im englischen Original: HIER



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