Im Gebiet Dnjepropetrowsk im Osten der Ukraine, wo ein Abschnitt der Front des Ukraine-Krieges verläuft, legen ukrainische Kämpfer Gefangenen Halsbänder mit Bomben an. Dies berichtet die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti mit Verweis auf Andrei Weinberg, Kommandeur einer Stoßkompanie des Bataillons Kedr (zu Deutsch: „Zeder“) des russischen Truppenverbands Mitte. Dem Leutnant zufolge setzen die ukrainischen Streitkräfte häufig technische Neuerungen und Methoden ein, gegen die es rasch Gegenmaßnahmen zu entwickeln gelte. Eine solche neue Taktik ist eben rund um Bomben-Halsbänder aufgebaut, die ukrainische Kämpfer russischen Kriegsgefangenen anlegen:
„Der Gegner ist derzeit darauf aus, alles durch fremde Hände erledigen zu lassen – nennen wir es mal so. In welcher Hinsicht? Sie rekrutieren einen russischen Kämpfer: ‚Bei uns wirst du es in jeder Hinsicht gut haben. Ergib dich einfach, es wird alles gut.‘ Wozu tun sie das? Sie legen ihm dann ein ‚Todeshalsband‘ an – eben eine Bombe am Halsband. Und sagen ihm: ‚So, geh los und locke deine Leute herbei‘.“
Leutnant Weinberg merkte an, dass er nicht alle Einzelheiten dieses Vorgangs preisgeben könne – so fehlen denn im Bericht von RIA Nowosti etwaige Daten zu Einheiten des ukrainischen Militärs, die derartige Taktiken verwenden, sowie eine genauere Ortsangabe. Er betonte jedoch, dass die Soldaten des Bataillons Kedr darauf vorbereitet und motiviert seien, den Gegner niederzustrecken, anstatt auf dessen Provokationen hereinzufallen. Zu besagten Provokationen zählt er auch die Taktik, mit Gift getränkte Geldscheine und Flugblätter über dem Kampfgebiet auszustreuen (wie in diesem Krieg mittlerweile üblich, sehr wahrscheinlich von unbemannten Fluggeräten aus):
„Sie werfen Flugblätter und Geld ab, also Geldscheine aus verschiedenen Ländern. All das ist mit irgendwelchem üblen Zeug und Giftstoffen präpariert.“
Der Offizier fügte hinzu, dass jeder Soldat der Einheit die wichtigste Sicherheitsregel für den Umgang mit besitzerlosen Gegenständen an der Frontlinie bestens kenne: Hast du es nicht selbst dort hingelegt, dann hebe es gefälligst auch nicht auf.
Informationen über den Einsatz der Taktik des Einsatzes russischer Kriegsgefangener mit angelegtem Bombenhalsband sind jüngst aus einer weiteren Quelle gekommen: Ein solcher Gefangener, dergestalt vermint zu Stellungen seiner Kameraden losgeschickt, habe sich wie durch ein Wunder befreien und den Weg zurück zu den russischen Truppen finden können. Den Vorfall schilderte er gegenüber Journalisten der russischen Nachrichtenagentur TASS. Die Halsbänder – so sei es zumindest in seinem Fall gewesen – würden neben Sprengstoff auch mit einer elektronischen Platine mit Kommunikationsausstattung und einem GPS-Modul versehen: Weiche ein Gefangener vom zuvor festgelegten Kurs zu sehr ab, werde der Auslöser für die Sprengstoffladung aus der Ferne mittels Funksignal betätigt, worüber er explizit unterrichtet worden sei. Ein Funkgerät, dem Gefangenen mitgegeben, erlaubte dem ukrainischen „Operateur“ auch, die Umgebung des Gefangenen akustisch abzuhören – um mitzuverfolgen, was er gegebenenfalls seinen Kameraden sagt, und ihm Anweisungen zu geben. Zudem habe eine kleine Aufklärungsdrohne der ukrainischen Seite ein klares Bild von der jeweiligen Umgebung des Gefangenen und über seine Handlungen geliefert.
Als der Gefangene zurück zur Frontlinie losgeschickt wurde, sei ihm die Aufgabe gestellt worden, mittels der Bombe im Halsband weitere russische Soldaten gefangenzunehmen – doch seiner Einschätzung nach sollte er in Wirklichkeit Stellungen russischer Truppen für den Gegner aufdecken, damit dieser sie mittels Drohnen und anderweitig beschießen könne:
„Ich hätte für sie ein Einwegschlüssel zu unseren eigenen Stellungen werden sollen.“
Er selbst habe, an einer Stellung angekommen, die russische Soldaten in einem dichten Gebüsch bezogen hatten, diesen zwar das gesagt, was der ukrainische „Operateur“ habe hören wollen. Doch gleichzeitig habe er seine Kameraden durch deutliches Gestikulieren über das wahre Wesen der Sache aufgeklärt – nicht zuletzt habe er ihnen sehr transparent angedeutet, sie sollen schnellstens das Weite suchen. Dann sei über Funk die Anweisung von der ukrainischen Seite gekommen, er solle sich von dieser Stellung der russischen Soldaten wieder entfernen – weil sie ihn zum Aufdecken weiterer Stellungen hätten benutzen wollen. Seinen weiteren Weg habe er über ein Gelände mit dichtem Bewuchs planen können – und zudem sei die Aufklärungsdrohne, von der aus er überwacht wurde, just in diesem Moment zu anderen Aufgaben abgezogen worden.
Er nimmt an, sie hätte die Soldaten an der von ihm zuvor aufgedeckten Stellung überwachen oder bereits Wirkungsaufklärung für die Artillerie und Kampfdrohnen der ukrainischen Seite bei deren Arbeit gegen diese Soldaten betreiben sollen – jedenfalls aber habe man ihn selbst damit aus dem Blickfeld verloren. Dank seiner Grundausbildung im Umgang mit Sprengstoff, die Teil eines Fortbildungskurses über den Umgang mit Kampfdrohnen gewesen sei, habe er sich des Halsbandes mit der Bombe jedoch schließlich entledigen und sich letztendlich wieder den russischen Truppen anschließen können.
Allem Anschein nach hat der Soldat die Auslösung des Sprengstoffes nicht vermeiden, sondern es lediglich so einrichten können, dass die Explosion statt seines Halses lediglich seine Hand traf – die hierbei davongetragenen Wunden an seiner Handfläche und den Fingern zeigte der ehemalige Kriegsgefangene vor laufender Kamera.
Grausamer Umgang mit Kriegsgefangenen, wie er oben umrissen wurde, aber auch in anderen, etwa von den Vereinten Nationen begutachteten Fällen, stellt ein schweres Kriegsverbrechen dar.
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