44,8 Prozent der Häftlinge in BRD-Gefängnissen sind Ausländer. Die fast 45 Prozent nichtdeutscher Inhaftierter übersteigen den Ausländeranteil von rund 17 Prozent der in Deutschland wohnenden Bevölkerung bei Weitem. Allerdings gehören zu den in den JVAs einsitzenden nichtdeutschen Häftlingen auch Ausländer, die nicht in Deutschland ansässig sind, sondern lediglich zur Begehung von Straftaten einreisten.

Der Anstieg ist durchaus dramatisch. Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge betrug der Ausländeranteil in deutschen Gefängnissen im Jahr 2024 37,4 Prozent, während es 2014 24,4 Prozent gewesen waren. Herausgefunden hat die neuen Zahlen die Neue Osnabrücker Zeitung (NOZ), die die Daten aller 16 Landesjustizministerien ausgewertet hat.

Strafgefangene und Untersuchungshäftlinge mit doppelter Staatsbürgerschaft (also mit einem deutschen und einem weiteren Pass) fallen dabei nicht unter die Ausländerstatistik. Die Zahlen der NOZ unterscheiden auch nicht zwischen ausländischen Untersuchungshäftlingen und rechtskräftig Verurteilten.

Der Stichtag für die NOZ-Erhebung lag im März 2026. Zu diesem Zeitpunkt befanden sich nach Angaben der Bundesländer 60.408 Menschen in Haft, davon waren mehr als 27.000 Ausländer. Die meisten davon sind Araber oder Osteuropäer. Die Verteilung der ausländischen Häftlinge unterliegt dabei starken Unterschieden je nach Bundesland.

In den südlichen Bundesländern Bayern, Baden-Württemberg und Hessen machen sie jeweils über 50 Prozent der JVA-Insassen aus. Spitzenreiter bei den ausländischen Gefangenen sind Hamburg mit 57,95 Prozent und Berlin mit 58,9 Prozent. In den ostdeutschen Flächenländern Thüringen, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern gibt es dagegen viel weniger Häftlinge ohne deutschen Pass: Ihr Anteil beträgt dort nur rund 25 Prozent.

Nicht alle ausländischen Inhaftierten sprechen gut genug Deutsch, um eine ausreichende Kommunikation sicherzustellen. Gegenüber der NOZ warnte René Müller, der Bundesvorsitzende des Bundes der Strafvollzugsbediensteten (BSBD), dass die Tendenz zu immer mehr ausländischen Häftlingen die Justizvollanstalten überfordere.

Gerade die Sprachbarrieren seien ein großes Problem und schadeten dem Ziel der Resozialisierung. Dolmetscher seien nicht immer vorhanden, und auch Übersetzungstools ermöglichten nicht die Kommunikation in dem Umfang, in dem sie benötigt wird.

Durch die Verständigungsprobleme steigerten sich auch die Gewaltbereitschaft und die Abschottung einzelner Gruppen. Um die Situation unter Kontrolle halten zu können, sei mehr Personal in den bundesdeutschen Haftanstalten vonnöten. Ansonsten sieht Müller bei etlichen Häftlingen das Risiko einer Fortentwicklung ihrer kriminellen Karriere. Auch eine Radikalisierung muslimischer Häftlinge könne die Folge sein.

Der baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Chris Hegel schrieb angesichts eines Ausländeranteils von 53,3 Prozent in den Gefängnissen des südwestlichen Bundeslandes bereits Mitte Juli auf Facebook ironisch von „gelebter Vielfalt“, die dort herrsche.

Angesichts der hohen Kosten für einen Haftaufenthalt forderte er die Remigration als Lösung für diese konflikträchtige Tendenz. Auch der schleswig-holsteinische CDU-Politiker Kai Nielsen warnte auf X vor dem drohenden Konfliktpotenzial bei einer Haftentlassung ohne Resozialisierung.

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