Saudi-Arabien stellte öffentliche Warnungen vor drohenden Militärangriffen wenige Tage vor einer Serie tödlicher Angriffe auf den Flughafen von Riad ein. Das berichtet Reuters am Dienstag. Bei vier Attacken in der vergangenen Woche wurden mindestens 18 Menschen getötet und mehr als 300 verletzt. Die Regierung erklärte bislang nicht, warum sie die Bevölkerung nicht warnte.

Das Ausbleiben der Warnmeldungen wirft Fragen über die Verwundbarkeit des Königreichs und seine Fähigkeit auf, Einwohner und Besucher zu schützen. Zugleich wollten die Behörden offenbar den Eindruck von Normalität aufrechterhalten, während Saudi-Arabien Krieg gegen die mit Iran verbündeten Huthi führt, berichteten Vertreter und Analysten gegenüber Reuters.

Am Montag gab der saudische Zivilschutz erstmals seit dem 29. September wieder Warnmeldungen für Riad und Städte im Süden des Landes heraus. Ob dies eine Reaktion auf die Flughafenangriffe war, blieb unklar.

Alle Golfstaaten sind seit Beginn des US-israelischen Krieges gegen Iran im Februar von iranischen Drohnen und Raketen angegriffen worden. Bei öffentlichen Warnungen verfolgen sie jedoch unterschiedliche Strategien: Katar warnt seine Bevölkerung per Handy, während Bahrain und Kuwait wiederholt Sirenen auslösen. Saudi-Arabien führte im Mai ein Frühwarnsystem ein, stellte die Warnmeldungen aber trotz zunehmender Huthi-Angriffe ein. Der frühere US-Botschafter in Saudi-Arabien, Michael Ratney, sieht darin einen schwierigen Balanceakt: Riad wolle auf die Huthi-Angriffe reagieren, ohne das öffentliche Leben zu beeinträchtigen.

Die saudi-arabische Hauptstadt Riad ist am Montagabend erneut von mehreren heftigen Explosionen erschüttert worden. Kurz zuvor waren die Bewohner per SMS vor einer „feindlichen Bedrohung aus der Luft“ gewarnt worden. Sie wurden aufgefordert, Ruhe zu bewahren und sich in Innenräumen oder an sicheren Orten fern von Fenstern und Türen aufzuhalten. Die Sperrung des internationalen Flughafens King Khalid wurde aus Sicherheitsgründen bis Samstag verlängert.

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition teilte mit, sie habe eine von den jemenitischen Huthi auf Riad abgefeuerte ballistische Rakete abgefangen und zerstört. Das erklärte Koalitionssprecher Turki al-Maliki auf der Plattform X.

Ein Sprecher der Huthi widersprach dieser Darstellung und erklärte, die Rakete habe den Flughafen präzise getroffen. Zudem sei ein Luftwaffenstützpunkt in der südlichen Stadt Chamis Muschait mit einer Drohne angegriffen worden.

Wegen ‌der zunehmenden Angriffe der jemenitischen Huthi auf Saudi-Arabien haben mehrere Fluggesellschaften aus der ‌Golfregion ‌ihre Verbindungen in das Land gestrichen. Qatar Airways setzte ihre Flüge von ​und nach Riad ⁠sowie Dammam nach eigenen Angaben vorübergehend aus. Das Unternehmen begründete ​den Schritt mit der aktuellen ⁠Lage.

Nach Angaben westlicher Vertreter wurde Riad in diesem Monat bereits rund zwölfmal angegriffen, bevor die Behörden am Montag wieder öffentliche Warnungen herausgaben. Westliche Botschaften verschickten währenddessen eigene interne Warnmeldungen zu Raketen- und Drohnenangriffen an ihre Mitarbeiter. Diese stützten sich auf Erkenntnisse westlicher Geheimdienste sowie Informationen saudischer Behörden.

Trotz der Angriffe hielt Saudi-Arabien am Montag einen internationalen Energiekongress in Riad ab, auch wenn mehrere führende Ölmanager ihre Teilnahme absagten. Energieminister Prinz Abdulaziz bin Salman betonte, das Land werde an seinen wirtschaftlichen Plänen festhalten. Zugleich räumte er ein, dass weiterhin Gefahren bestünden: Die Veranstaltung bedeute nicht, dass das Risiko verschwunden sei.

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