Es war mit Sicherheit eine Kreuzfahrt der Luxusklasse – immerhin ist die MV Hondius eigentlich ein Expeditions- und Forschungsschiff, das diesmal zahlende Passagiere bis in die Antarktis gebracht hat. Die betreffende Fahrt dürfte mindestens 12.000 US-Dollar pro Passagier gekostet haben. Auf der Rückfahrt kam es nun zu einem Ausbruch von Hantaviren, die bisher unter den insgesamt 150 Menschen auf dem Schiff bereits drei Todesopfer forderte.

Laut Pressemeldungen soll eine Vertreterin der WHO von einer Übertragung von Mensch zu Mensch sprechen. Das ist für Hantaviren jedoch extrem ungewöhnlich. Generell werden sie durch Mäuse- oder Rattenkot übertragen, der eingeatmet wird. Bekannt wurden die Hantaviren durch den Koreakrieg – dort waren Hunderte von US-Soldaten betroffen. Aus dieser Zeit stammt auch die Benennung: Namensgeber war der Fluss Hantan-gang in Südkorea.

Allerdings gibt es eine Menge unterschiedlicher Stämme in Asien, Europa und Amerika, die sich auch durch die betroffenen Organe unterscheiden. Die zuerst bekannt gewordene koreanische Variante löst vor allem schwere Nierenprobleme aus. Die Sterblichkeit liegt bei den Erkrankten bei den asiatischen und europäischen Varianten bei bis zu 15 Prozent, bei den amerikanischen Varianten, die insbesondere die Lunge befallen, bei bis zu 40 Prozent.

Bei einer Großzahl der Infizierten kommt es jedoch nicht zu einer Erkrankung. Bei den europäischen Viren sind es 90 Prozent der Infizierten, die keine oder nur sehr leichte Symptome zeigen, in einer Studie in Panama gab es sogar nur einen Erkrankungsfall bei 14 Infizierten.

Bisher wird vermutet, dass es sich um das in Argentinien endemische Andes-Virus handelt; der einzige Stamm, von dem bisher überhaupt eine Mensch-Mensch-Übertragung bekannt ist; dort kam es 2018/19 zu einem Ausbruch mit insgesamt 34 Erkrankten und elf Toten. Dabei wurde auch beobachtet, dass diese Übertragung nur bei großer Nähe erfolgt. In Argentinien hatte die Reise begonnen.

Zwei Mitglieder der Besatzung der Hondius zeigen Symptome einer Atemwegserkrankung; drei Passagiere, ein niederländisches Ehepaar und ein Deutscher, sind verstorben, ein britischer Passagier liegt auf der Intensivstation in Johannesburg, Südafrika, und zwei weitere Passagiere, die mit ihm Kontakt hatten, sollen ausgeflogen werden.

Der erste Todesfall ereignete sich am 11. April. Die Inkubationszeit dieses Virus ist vergleichsweise lang und kann bis zu acht Wochen dauern. Deshalb ist die Tatsache, dass die Ehefrau dieses verstorbenen Passagiers, die den Toten nach Hause begleitete, über zwei Wochen danach ebenfalls verstarb, noch kein Beleg für eine Übertragung von Mensch zu Mensch. Bei ihr wurde am 4. April ein Hantavirus nachgewiesen, ebenso wie später bei dem Briten, der in Johannesburg im Krankenhaus liegt.

Nach wie vor besteht die Möglichkeit, dass sich nicht die Passagiere in Argentinien mit dem Hantavirus infiziert haben, sondern dass sich mit diesem Virus infizierte Mäuse auf dem Schiff angesiedelt haben. Nachdem die Zahl der Erkrankten relativ klein ist, würde eine hohe Zahl symptomfrei Infizierter eher auf Letzteres hinweisen.

Aktuell ist das Hauptproblem, dass die Kapverden, vor denen die Hondius liegt, das Schiff nicht anlegen lassen wollen, weshalb die Weiterfahrt nach Teneriffa oder Las Palmas geprüft wird. Spanien hat erklärt, eine Anlandung zuzulassen.

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