Französische Ermittler suchten am Dienstag nach den Hackern, die bei einem Cyberangriff die Kontrolle über Kühlanlagen in Hunderten Supermärkten übernommen hatten. Der Angriff verdeutlichte die Schwachstellen vernetzter Systeme. Bislang bekannte sich keine Gruppe öffentlich zu der Attacke.
Dass weder Hacktivisten die Verantwortung übernommen noch Cyberkriminelle eine Lösegeldforderung gestellt hätten, gebe den Ermittlern Rätsel auf, sagte eine mit den Ermittlungen vertraute Quelle. Solche Gruppen versuchten normalerweise, ihre Angriffe rasch zu Geld zu machen oder aus politischen Motiven die Verantwortung dafür zu übernehmen.
Den Hackern war es gelungen, Kühl- und Gefrierschränke in der Nacht zu Montag in den Auftaumodus umzustellen, sagte ein Sprecher der Handelsgruppe Les Mousquetaires, zu der die Supermärkte Intermarché und Netto gehören.
Bis zu 200 Filialen der Supermarktkette Intermarché und knapp 100 Geschäfte der Coopérative U sind betroffen. Medienberichten zufolge sollen weitere Ketten betroffen sein. Die betroffenen Läden mussten sämtliche Kühl- und Tiefkühllebensmittel wegwerfen.
Die Cyberkriminalitätsabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen zu dem Vorfall übernommen. Sie sprach von einem „groß angelegten Cyberangriff auf die vernetzten Kühlsysteme mehrerer großer Lebensmittelhändler im ganzen Land“. In einigen betroffenen Supermärkten seien infolge des Angriffs Brände ausgebrochen, hieß es den Ermittlern zufolge.
Am Montag erklärte der Technologiekonzern Danfoss, viele der betroffenen Geräte hätten das Ende ihrer Lebensdauer erreicht und erhielten keine Software- oder Sicherheitsupdates mehr oder liefen mit veralteter Firmware – einer gerätenahen Steuerungssoftware, die die grundlegenden Funktionen der Kühlanlagen regelt. Danfoss ist ein dänischer Technologiekonzern, der unter anderem Steuerungs- und Kühlsysteme für Supermärkte, Lebensmittelindustrie und Gewerbegebäude herstellt.
Wie genau die Angreifer die Kontrolle über die Kühlanlagen erlangten, wurde bislang nicht öffentlich bekannt gegeben. Cybersicherheitsexperten zufolge deuteten jedoch alle Anzeichen auf einen vergleichsweise simplen Angriff hin, der durch versäumte Software-Updates und über das Internet zugängliche Geräteschnittstellen ermöglicht worden sei.
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