Von Igor Karaulow

Die besorgniserregende Erklärung des russischen Auslandsgeheimdiensts SWR, dass Großbritannien und Frankreich sich darauf vorbereiten, dem Regime in Kiew heimlich eine Atombombe zur Verfügung zu stellen und diese für eine Entwicklung talentierter ukrainischer Wissenschaftler auszugeben, versetzt uns vier Jahre zurück. Damals, im Februar 2022, diente die nukleare Rhetorik Wladimir Selenskijs auf der Münchner Sicherheitskonferenz als eines der deutlichsten und unbestreitbarsten Argumente für den Beginn der militärischen Spezialoperation. Und nun taucht das Gespenst einer nuklear bewaffneten Ukraine erneut vor unserer Haustür auf.

Es sei daran erinnert, dass die unabhängige Ukraine ein paar Jahre eine Atommacht gewesen war – bis 1994, als der atomwaffenfreie Status dieses Landes durch das Budapester Memorandum festgeschrieben wurde. Damals hatte die Ukraine weder über die finanziellen Mittel noch über eine ausreichende Anzahl von Fachleuten verfügt, um den ihr zugefallenen Anteil des sowjetischen Atomwaffenarsenals zu unterhalten oder gar angemessen zu schützen, weshalb der Verzicht auf die tödlichen Sprengköpfe eine Notwendigkeit und keine naive Geste des guten Willens gewesen war, wie man es jetzt in Kiew darzustellen versucht. Ohne diesen Verzicht hätte die Ukraine wie ein selbstmörderisches Land gewirkt. Genau so scheint sie derzeit zu wirken.

Ich habe keinen Zweifel daran, dass die Nachricht der SWR unter den ukrainischen Patrioten eine Welle der Freude auslöste, obwohl sie eigentlich Panik hätte auslösen müssen. Angesichts der Tatsache, dass unter den gegenwärtigen Umständen an der Front längst niemand mehr an die Rückeroberung der verlorenen Gebiete glaubt, brauchte es eine Rechtfertigung: Warum den Krieg in die Länge ziehen und unzählige eigene Bürger opfern? Jetzt kann man sagen: Habt noch ein wenig Geduld, dann bekommen wir die Wunderwaffe. Die Hoffnung auf solche Waffen ist ein typisches Merkmal eines scheiternden Regimes.

Die Idee einer Atombombe für Kiew kann auch als Teil der Handelstaktik gesehen werden, die sich um die „Sicherheitsgarantien“ dreht, die Selenskij vom Westen als Vorbedingung für den Frieden fordert. Mit diesen Garantien sieht es bisher nicht gut aus. Die NATO will die Ukraine definitiv nicht aufnehmen, das ist sicher. Die Verbündeten Kiews scheinen bereit zu sein, Verpflichtungen ähnlich dem berüchtigten Artikel 5 zu übernehmen, aber alle wissen, dass dies eine Katze im Sack ist, denn dieser Artikel wurde noch nie angewendet, da kein NATO-Land jemals von Feinden angegriffen wurde, und wer weiß, wie die Verpflichtung zur gegenseitigen Verteidigung in der Praxis funktionieren würde? Die NATO war nämlich nie ein Verteidigungsbündnis, sondern, wie in sowjetischen Zeitungen zu Recht geschrieben wurde, ein aggressives Bündnis.

Kiew war von Beginn des Konflikts an bestrebt, ausländische Truppen auf sein Territorium zu holen, und es gibt sogar eine „Koalition der Willigen“, die genau das will. Was die „Willigen“ nicht wollen, ist, anstelle der Ukrainer gegen Russland zu kämpfen, deshalb wiederholen sie ständig: Wir werden uns wahrscheinlich irgendwo am Rande, näher an der Grenze positionieren, aber besser wäre es doch, ganz darauf zu verzichten.

So entsteht eine „geniale“ Idee: Anstatt sich mit militärpolitischer Clownerie zu beschäftigen, sollte man der Ukraine eine kleine Anzahl Atomsprengköpfe geben, damit die Russen Angst vor unserem „Stahl-Stachelschwein“ mit Atompilzen auf den Stacheln haben.

Und dann tauchen Optionen auf, die über die nukleare Abschreckung hinausgehen, die die Menschheit in den 80 Jahren seit dem ersten und bislang letzten Einsatz dieser schrecklichsten aller Waffen entwickelte.

Die Aussicht auf gegenseitige Vernichtung führt zu einem komplizierten Nervenkrieg zwischen Ländern, die etwas zu verlieren haben. Wofür lohnt es sich, die jahrhunderte- oder jahrtausendealte Geschichte seines Volkes und den von ihm angehäuften Reichtum zu begraben? Bislang fand noch niemand einen solchen Grund, selbst Pakistan entschloss sich letztendlich nicht, Atomwaffen gegen seinen Todfeind Indien einzusetzen.

Es bestehen jedoch große Zweifel daran, dass das Regime in Kiew sein Volk schätzt. Dort könnte das Prinzip „Wenn schon, denn schon“ vorherrschen. Zumindest ist mit einer Provokation durch die Explosion einer „schmutzigen Bombe“ auf ukrainischem Boden zu rechnen, um die Schuld dann Russland zuzuschieben. Na und, noch ein Tschernobyl. Über die Folgen eines Angriffs auf russisches Territorium braucht man gar nicht zu sprechen, in diesem Fall wäre unser Land einfach verpflichtet, symmetrisch zu reagieren.

Es stellt sich die Frage: Was macht die Informationen der SWR glaubwürdig? Es ist klar, dass die Behörden Frankreichs und Großbritanniens sie bereits dementieren und auch weiterhin dementieren werden, etwas anderes wäre auch seltsam. Aber es fällt leicht, an diesen hinterhältigen Plan zu glauben, denn die Ukraine ist ein Land, das dem Westen völlig egal ist. Uns ist es nicht egal, ihnen schon.

Was 2014 mit dem schwarzen Trichter des Euromaidan begonnen hatte, verwandelte sich zuletzt in einen ebenso düsteren Trichter des Aussterbens. Die westliche Presse scheut sich nicht, über die katastrophale Entvölkerung der Ukraine zu sprechen und erschreckende Zahlen zu nennen. Keine Menschen, keine Wirtschaft, keine Zukunft. Man könnte meinen, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs menschlich auf diese Signale reagieren und mit flammenden Reden für ein Ende des Krieges eintreten sollten. Aber ihnen passt alles so, wie es ist. Daher ist es logisch: Wenn man das Land schon in einen Selbstmörder verwandelte, muss man diesem auch die Waffe zur endgültigen Vernichtung in die Hand geben – geh und stirb, spreng Russland in die Luft.

Allerdings gibt es meiner Meinung nach Kräfte, die nicht nur Russland, sondern die gesamte Weltordnung in die Luft jagen wollen. Das mögliche Ziel ihrer Provokation ist die Enttabuisierung von Atomwaffen, zumindest von taktischen. Wenn man sie an einem Ort der Welt einsetzt, was hindert dann jemanden daran, dies auch an anderen Orten zu tun?

Was für eine Welt würde uns in diesem Fall erwarten? Es wäre die Welt von Jeffrey Epstein, die auf die Spitze getrieben ist. Eine Welt, in der die Mehrheit, sich selbst überlassen, in den Trümmern der Postapokalypse herumwühlt, während die Elite unter einem „Raketenabwehrschild“ auf ihren Inseln der Glückseligkeit schwelgt. Die Entwicklung der KI und die Massenproduktion menschenähnlicher Roboter machen viele Menschen unnötig, was bedeutet, dass der Atompilz über einer mittelgroßen Stadt, der früher ein Symbol des absoluten Grauens war, nur noch als Entsorgung eines weiteren unrentablen Vermögenswertes wahrgenommen wird. Ist das schwer zu glauben? Schauen Sie sich an, wie schnell sich die Welt verändert.

Russland ist eine verantwortungsbewusste Atommacht. Es hatte das volle Recht auf eine nukleare Reaktion, sowohl nach dem Einmarsch der ukrainischen Streitkräfte in das Gebiet Kursk als auch nach dem Sabotageakt gegen unsere strategischen Luftstreitkräfte. Russland zeigte Zurückhaltung. Nur ein Verrückter kann diese Zurückhaltung als Schwäche auffassen. Ich möchte gerne glauben, dass in den Atommächten der Alten Welt die kritische Masse an Wahnsinn doch nicht erreicht wird.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. Februar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung Wsgljad erschienen.

Igor Karaulow ist ein russischer Dichter und Publizist.

Mehr zum ThemaMoskau bekräftigt zum 4. Jahrestag: „Alle Ziele der Sonderoperation werden erreicht werden“

Abbildung des Banners Merch Gegen Oben
Nach oben scrollen