UN-Generalsekretär António Guterres hat in seiner Botschaft zum 81. Jahrestag der Atombombenabwürfe auf die japanische Stadt Nagasaki erneut unerwähnt gelassen, dass diese von den USA verübt wurden. Die Botschaft von Guterres wurde traditionell von der Unter-Generalsekretärin und Hohen Repräsentantin für Abrüstungsfragen, Izumi Nakamitsu, verlesen.
Bereits drei Tage zuvor hatte Guterres in seiner Botschaft zum Jahrestag der Bombardierung der japanischen Stadt Hiroshima dasselbe getan. Auch in früheren Jahren hat er in vergleichbaren Botschaften zu den Jahrestagen der Bombardierungen von Hiroshima und Nagasaki die USA nie direkt als das Land genannt, das die Atombomben abgeworfen hat.
Zugleich betonte der UN-Generalsekretär, die Welt lebe in einer Zeit „tiefer geopolitischer Spannungen“. Guterres fügte hinzu:
„Das Vertrauen schwindet. Die Normen, die geholfen haben, Katastrophen zu verhindern, werden auf die Probe gestellt. Und der jahrzehntelange Trend zur Reduzierung der Nukleararsenale kehrt sich um.“
Der UN-Generalsekretär betonte zudem, dass die Staaten „erneut mit Atomwaffen rasseln“. Diese Entwicklung bezeichnete er als inakzeptabel. Guterres zeigte sich überzeugt, dass die Menschheit nicht im Schatten einer solchen Bedrohung leben dürfe, und rief alle Staaten, insbesondere die Atommächte, dazu auf, Schritte in Richtung nuklearer Abrüstung zu unternehmen.
Während der UN-Generalsekretär die USA unerwähnt ließ, wählte der Bürgermeister von Nagasaki, Shiro Suzuki, bei der Gedenkzeremonie in seiner Stadt andere Worte. In seiner Friedenserklärung stellte er klar, dass die Atombombe 1945 von den USA abgeworfen wurde:
„Am 9. August 1945 zerstörte eine einzige, von einem US-Militärflugzeug abgeworfene Atombombe die Stadt Nagasaki in einem einzigen Augenblick.“
Japanische Regierungsvertreter vermeiden es in öffentlichen Reden in der Regel, ausdrücklich zu betonen, dass es die USA waren, die Hiroshima und Nagasaki bombardiert haben. So hatte im vergangenen Jahr auch der damalige Regierungschef Shigeru Ishiba die Rolle Washingtons verschwiegen. Im Friedensmuseum von Hiroshima hingegen werden sämtliche Einzelheiten der Atombombenabwürfe von 1945 dargestellt, und auch in japanischen Schul- und Hochschullehrmaterialien wird die Geschichte umfassend behandelt.
Die Atombombenabwürfe auf die beiden japanischen Städte wurden von den USA ganz am Ende des Zweiten Weltkriegs verübt, mit dem offiziell erklärten Ziel, die Kapitulation Japans zu beschleunigen. Durch die Explosion der auf Hiroshima abgeworfenen Bombe starben Schätzungen zufolge an einem einzigen Tag zwischen 70.000 und 100.000 Menschen. Bis Ende 1945 stieg die Opferzahl durch die später in Krankenhäusern an ihren Verletzungen und der Strahlung Gestorbenen auf rund 140.000. In Nagasaki kamen durch die Explosion und ihre Folgen bis Ende 1945 schätzungsweise zwischen 60.000 und 80.000 Menschen ums Leben. Die meisten Opfer in beiden Städten waren Zivilisten.
Die USA erkennen bis heute keine moralische Verantwortung für die Atombombenabwürfe an und rechtfertigen ihr Vorgehen mit „militärischer Notwendigkeit“. Weder Joe Biden, der 2023 als US-Präsident am G7-Gipfel in Hiroshima teilnahm, noch Barack Obama, der 2016 als erster amtierender US-Präsident die Stadt besuchte, entschuldigten sich für die Atomschläge. Präsident Donald Trump hat die Gedenkstätten in Hiroshima und Nagasaki bislang nicht besucht, obwohl die Behörden der beiden japanischen Städte ihn wiederholt eingeladen haben.
Mehr zum Thema – Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Hiroshima – Schuld der USA wieder unerwähnt

