Die zweiwöchige Waffenruhe zwischen den USA und Iran hat den Weg für eine Wiederaufnahme der Ukraine-Verhandlungen geebnet, teilte die russische Zeitung Iswestija mit. Zuvor sei das trilaterale Format zwischen Moskau, Kiew und Washington aufgrund der Eskalation der Lage im Nahen Osten auf Eis gelegt worden.

„Für Verhandlungen in diesem Format ist die Zustimmung aller drei Seiten erforderlich. Vieles hängt derzeit von der Entscheidung der Vereinigten Staaten ab, wer sie in den Verhandlungen mit Iran vertreten wird“, sagte Rodion Miroschnik, der für die Verbrechen des Kiewer Regimes zuständige Sonderbotschafter des russischen Außenministeriums, gegenüber dem Blatt. Sollten es dieselben Unterhändler sein, könnte die Wiederaufnahme des trilateralen Dialogs zur Ukraine für eine Weile verzögert werden, so Miroschnik.  

„Ich glaube jedenfalls nicht, dass es von russischer Seite Hindernisse oder Verzögerungen bei der Wiederaufnahme des Verhandlungsprozesses geben wird.“

Im Gespräch mit dem Blatt merkte er zudem an, dass Moskau sich nicht aus dem Verhandlungsformat zurückgezogen habe.

Zuvor war bekannt geworden, dass US-Vizepräsident J.D. Vance, der US-Sondergesandte Steve Witkoff und der Geschäftsmann Jared Kushner die USA bei den Verhandlungen mit Iran vertreten werden. 

Am Mittwoch erklärte Dmitri Peskow, der Pressesprecher des russischen Präsidenten, dass Moskau auf eine Wiederaufnahme der trilateralen Gespräche zur Ukraine-Krise hoffe. Das Blatt zitierte den Kremlsprecher mit den Worten: 

„Wir hoffen, dass sie in absehbarer Zukunft mehr Zeit und Möglichkeiten haben werden, sich im trilateralen Format zu treffen. Wir warten darauf.“

Peskow betonte weiter, dass Russland die Friedensbemühungen der US-Unterhändler und des US-Präsidenten Donald Trump persönlich bei den ukrainischen Verhandlungen sehr hoch schätze. 

Die Zeitung Iswestija hat Experten zu den möglichen Perspektiven der Wiederaufnahme des trilateralen Dialogs befragt. Sie gehen davon aus, dass die Chancen dafür dank der Waffenruhe im Nahen Osten gestiegen seien. 

„Die Entspannung im Nahen Osten schafft tatsächlich einen begrenzten Spielraum für die Wiederaufnahme diplomatischer Gespräche über die Ukraine, aber es gibt keinen direkten Ursache-Wirkungs-Zusammenhang“, sagte Nikolai Nowik, stellvertretender Leiter des Instituts für Weltmilitärökonomie und Strategie an der Nationalen Forschungsuniversität „Hochschule für Wirtschaft“ (HSE), gegenüber der Zeitung. Moskau betone, dass diese Prozesse „nur indirekt miteinander in Verbindung stehen“, so Nowik. 

Sollte die Waffenruhe im Nahen Osten nicht gestört werden, könnte die nächste Runde der trilateralen Gespräche zur Ukraine bereits im Mai stattfinden. Diese Meinung vertritt Andrei Kortunow, der Experte des Waldai-Clubs. Im Gespräch mit dem Blatt sagte er: 

„Trumps Aufmerksamkeit könnte sich wieder dem Ukraine-Konflikt zuwenden, und die Unterhändler, die voraussichtlich in den kommenden Tagen in Islamabad sein werden, könnten, falls sie erfolgreich sind, zum russisch-ukrainischen Thema zurückkehren“. 

Dies sei möglich, wenn die Verhandlungen mit Teheran erfolgreich verlaufen und die Parteien sich nicht zerstreiten sollten, merkte der Experte an. 

In dem Iswestija-Beitrag wird angemerkt, dass Moskau und Kiew trotz der Pause den Dialog mit Washington über eigene Kanäle aufrechterhalten hätten. US-Vizepräsident Vance erklärte am Mittwoch, dass sich die Positionen Russlands und der Ukraine allmählich annäherten. 

„Die Amerikaner sind der Ansicht, dass die nächsten Schritte auf ukrainischer Seite im Konflikt stattfinden sollten – der Truppenabzug aus dem Donbass und möglicherweise weitere Bedingungen“, betonte Kortunow und fügte hinzu, dass es für sie derzeit wichtig sei, Druck auf die ukrainische Seite auszuüben. „Sollte dies gelingen, können wir mit einem Besuch in Moskau rechnen, damit auch die russische Seite mehr Flexibilität zeigt, als wir jetzt beobachten“, so der Experte.

Der in den USA immer noch bestehende Konsens zwischen den beiden Parteien über die Unterstützung der Ukraine behindere den Fortschritt, meinte Iwan Loschkarjow, Dozent am Lehrstuhl für politische Theorie der Moskauer Staatlichen Universität für Internationale Beziehungen. Im Gespäch mit Iswestija betonte der Experte: 

„Selbst wenn es die Voraussetzungen dafür gäbe, dass Washington mehr Druck auf Kiew ausübt, wird dies nicht erfolgen, da es als Herausforderung für diesen parteiübergreifenden Konsens wahrgenommen würde“.

In dem Beitrag wird weiter angemerkt, dass mehrere europäische Staaten gegen einen Friedensvertrag aufträten, der Russlands Interessen berücksichtige. Auch Kiew leiste Widerstand. Wladimir Selenskij lehne die Bedingung eines Abzugs ukrainischer Truppen aus dem Donbass ab.

Nach Ansicht von Tigran Melojan, einem Analysten am Zentrum für Mittelmeerstudien an der Nationalen Forschungsuniversität „Hochschule für Wirtschaft“ (HSE), seien die Gespräche wegen der Weigerung des Kiewer Regimes, Territorien abzutreten, ins Stocken gekommen. Gegenüber dem Blatt sagte Melojan: 

„Die trilateralen Gespräche zwischen den USA, Russland und der Ukraine sind schon Ende Februar ins Stocken gekommen. Dies erfolgte weniger wegen der Eskalation im Nahen Osten als vielmehr aufgrund fehlender territorialer Zugeständnisse seitens der Ukraine, insbesondere in der Frage des Abzugs der ukrainischen Streitkräfte aus dem Donbass.“

Die ungekürzte Fassung des Artikels ist auf Russisch am 9. April 2026 auf der Webseite der Zeitung „Iswestija“ erschienen.

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