Die Anzahl von Schifffahrten über die Nordostpassage nimmt in den jüngsten Jahren ständig zu und hat im September die Rekordzahl von 133 erreicht. Dies berichtet die Zeitung Financial Times (FT) am 3. Oktober unter Verweis auf Angaben von Lloyd’s List Intelligence. Damit habe der Schiffsverkehr im September im Vergleich zum Vormonat um 46 Prozent und im Vergleich zu den Werten von 2022 um mehr als das Vierfache zugenommen.
Knapp die Hälfte der Fahrten entfällt laut FT auf Schiffe unter russischer Flagge. Auch chinesische Reedereien nutzen zunehmend stärker den Nördlichen Seeweg, um den europäischen Markt wegen der Konflikte im Nahen Osten und im Roten Meer auf alternativen Routen zu erreichen.
Das Blatt führt die Zunahme des Schiffsverkehrs in der Arktis auf das Abtauen der Eisdecke und Risiken auf traditionellen Seerouten zurück. So sei die Schifffahrt über die Straße von Bab al-Mandab durch Aktionen der Huthi in Jemen bedroht, weswegen Regierungen und Reedereien nach geopolitisch stabileren Routen suchen.
Ein weiterer Vorteil der Nordostpassage ist der Zeitgewinn. So hat nach Angaben der FT der chinesische Frachter Dubai Tower für eine Überfahrt von Qingdao ins britische Felixstowe über die Nordostpassage 24 Tage benötigt. Dagegen würde eine Fahrt über den Suezkanal oder eine Umsegelung des Kaps der Guten Hoffnung mindestens 40 Tage in Anspruch nehmen.
Für die Organisation der Schifffahrt und die infrastrukturelle Entwicklung der Nordostpassage ist der russische Staatskonzern Rosatom zuständig. Im August hatte der Leiter des Konzerns Alexei Lichatschow bekannt gegeben, dass Rosatom der chinesischen Reederei Sealegend Shipping die Erlaubnis für die Passage von sieben Schiffen über die Route erteilte.
Auch Südkorea zeigte Interesse am Nördlichen Seeweg. Im August begab sich das südkoreanische Frachtschiff PanStar Acro erstmals über die Arktis nach Europa. Koreanische Behörden rechnen dabei mit einer Verkürzung der Reisezeit um rund 35 Prozent.
Zuvor hatte Lichatschow angegeben, dass Rosatom im laufenden Jahr bei den über den Nördlichen Seeweg transportierten Lastgütern die Marke von 40 Millionen Tonnen zu übersteigen plane. In den beiden vergangenen Jahren hatte dieser Wert bei über 37 Millionen Tonnen gelegen.
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