Selbstkritik ist nicht ihre Stärke, stattdessen werden die politischen Mitbewerber attackiert. So haben führende Unionspolitiker aus Mecklenburg-Vorpommern Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vorgeworfen, mit einem stark auf sie selbst zugeschnittenen Wahlkampf die sogenannte „politische Mitte“ insgesamt zu schwächen.

„Manuela Schwesig stellt ihre parteipolitischen Interessen über die Interessen Mecklenburg-Vorpommerns“, sagte CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann, wie der Spiegel am Sonntag berichtete. Ihr Versuch, mit einem personalisierten Wahlkampf die CDU kleinzuhalten, schwäche die politische Mitte und helfe am Ende der AfD. Das sei „verantwortungslos“. Gegenüber wem, bleibt unklar. SPD-Politikerin Schwesig hofft, dass ihre Partei bei der Landtagswahl am 20. September stärker als die AfD abschneiden wird. Die CDU dagegen muss davon ausgehen, durch den auf zwei Parteien zugespitzten Wahlkampf ins Hintertreffen zu geraten. Unter einigen Christdemokraten herrscht bereits die Sorge, an der Fünfprozenthürde zu scheitern und damit den Wiedereinzug in den Landtag zu verpassen. In Umfragen liegt die ehemalige Volkspartei derzeit bei nur noch sieben Prozent.

CDU-Spitzenkandidat Daniel Peters sprach gegenüber dem NDR von einer „ernsten Lage“. Schwesigs Polarisierungskurs gehe nicht nur zulasten der CDU, so Peters, sondern die AfD werde dadurch indirekt gestärkt.

Generalsekretärin Hoppermann ergänzte, Mecklenburg-Vorpommern brauche „keine SPD, die um ihre eigene Mehrheit kämpft, sondern eine starke CDU, die für klare Verhältnisse sorgt. Wer eine linke Mehrheit verhindern will, muss CDU wählen.“ Peters ergänzte: „Schwesig führt einen Wahlkampf gegen die CDU und übrigens auch gegen die Grünen.“

Auch die Grünen, die im Nordosten um den Einzug in den Landtag bangen, zeigten sich empört über Schwesigs Wahlkampf ‒ dieser sei angeblich „rücksichtslos“. Parteichef Felix Banaszak meinte: „Die Mehrheit für Rot-Rot-Grün ist zum Greifen nah, aber Manuela Schwesig setzt darauf, dass alle, die die AfD verhindern wollen, zu ihr kommen – und riskiert damit bewusst, dass CDU oder Grüne aus dem Landtag fallen.“ „Ohne klare demokratische Mehrheiten gibt es Chaos“, warnte Banaszak und sagte: „In Sachsen-Anhalt haben wir jetzt den Salat.“ Auch in Mecklenburg-Vorpommern drohten angeblich unklare Verhältnisse. „Bei allem Verständnis für persönliche Ambitionen: Es geht nicht um einen schönen Wahlabend für die SPD, es geht um fünf gute Jahre für Mecklenburg-Vorpommern.“ Ähnlich realitätsvergessen und noch überheblicher äußerte sich auch Banaszaks Kollegin an der Parteispitze der Grünen, Franziska Brantner: „Ein Wahlsieg von Manuela Schwesig ist wertlos, wenn die Grünen nicht in den Landtag einziehen“, betonte sie gegenüber der Augsburger Allgemeinen.

Der Generalsekretär der SPD in Mecklenburg-Vorpommern, Julian Barlen, reagierte auf die Kritik von CDU und Grünen in einer Mitteilung: „Wir setzen im Wahlkampf auf Landesthemen: auf Wirtschaft und Arbeitsplätze, auf Kitas und Schulen und auf einen starken sozialen Zusammenhalt in Mecklenburg-Vorpommern. Und wir kämpfen dafür, dass Manuela Schwesig unsere Ministerpräsidentin bleibt.“ All das sei seit vielen Wochen überall im Land sichtbar. Barlen warf der CDU vor, überall nach Gründen für ihre schlechten Umfragewerte zu suchen, nur nicht bei sich selbst.

Bei der AfD setzt man dagegen auch auf die aktuelle bundesweite Dynamik der Partei: So verspürt Spitzenkandidat Leif-Erik Holm Rückenwind für die „Blaue Wende“: „Wir sehen, dass die Zahlen sich noch bewegen und wir legen jetzt einen Endspurt hin.“ Im aktuellen ZDF-Politbarometer führt die AfD mit 37 Prozent vor der SPD mit 34 Prozent.

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