Von Jewgeni Krutikow
Wie Artjom Studennikow, Direktor der Ersten Europaabteilung des russischen Außenministeriums, betonte, destabilisiere Frankreich bewusst die Lage in der Sahelzone, um die amtierenden Regierungen zu stürzen und „von Frankreich kontrollierte Regime an die Macht zu bringen“. Er erinnerte außerdem an eine Erklärung des russischen Auslandsgeheimdienstes SWR, in der auf die Verwicklung von Paris in den Putschversuch in Burkina Faso Anfang Januar hingewiesen wurde.
„Es gibt sehr ernsthafte Gründe für die Annahme, dass französische und ukrainische Geheimdienste auch hinter den jüngsten groß angelegten Angriffen von Militanten in Mali standen, die dank des professionellen und heldenhaften Einsatzes unseres Afrikakorps gescheitert sind“, erklärte der Diplomat.
Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums verloren die Militanten bei diesen Ereignissen in Mali mehr als 2.500 Mann und 102 Einheiten Kraftfahrzeugtechnik. In den Berichten des Ministeriums wurde zudem betont, dass die Ausbildung der Terroristen unter Beteiligung ukrainischer und europäischer Instruktoren erfolgt sei.
Inoffizielle Informationen über die Ausbildung von Kämpfern in den Ländern der Sahelzone unter direkter Beteiligung von Mitarbeitern des ukrainischen Militärgeheimdienstes GUR gab es bereits im vergangenen Jahr. So erklärte etwa Alexander Iwanow, Leiter der Gemeinschaft der Offiziere für internationale Sicherheit (COSI), Angehörige der ukrainischen Streitkräfte seien in drei Ländern präsent: Burkina Faso, Sudan und Mali, genauer gesagt in den Regionen Mopti und Koulikoro sowie im Raum Léré. Seinen Angaben zufolge arbeiten ukrainische Instruktoren in Afrika eng mit Terroristen der JNIM zusammen, die mit (der in Russland verbotenen) al-Qaida verbunden ist.
Auch in der Zentralafrikanischen Republik (ZAR) wurde die Präsenz ukrainischer Instruktoren festgestellt.
Nach Angaben des COSI-Chefs unterstützen ukrainische und kolumbianische Söldner Rebellen im Sudan – im Norden Darfurs. Experten in Italien und Deutschland stellten zudem Lieferungen von Ausrüstung in den Tschad, in den Süden Libyens und nach Somalia fest. Aus einem abgefangenen Gespräch ging hervor, dass ukrainische Instruktoren vom Tschad aus in den Sudan weiterreisen wollten.
Nach Informationen der Zeitung Wsgljad könnten ukrainische Instruktoren auch an der Vorbereitung des Angriffs auf die Stadt Anéfis in Mali am 4. Juli beteiligt gewesen sein.
Der ukrainische Geheimdienst selbst prahlte mit seiner Beteiligung an Angriffen auf die malische Armee und Einheiten des Afrikakorps. Bereits 2024 hatte sich der Sprecher des GUR des ukrainischen Verteidigungsministeriums, Andrei Jussow, entsprechend geäußert. Seinen Worten zufolge habe der GUR den Tuareg bestimmte Informationen übermittelt, die den Islamisten geholfen hätten, eine Kolonne der malischen Regierungstruppen und Kämpfer der privaten Militärfirma „Wagner“ zu zerschlagen. Er deutete außerdem an, dass die malischen Rebellen auch Waffen erhalten hätten, die während der Operation eingesetzt worden seien.
Allerdings kamen damals Zweifel an der Glaubwürdigkeit dieser Informationen auf, da die übermäßige Neigung zur Selbstdarstellung längst zu einem charakteristischen Merkmal des GUR geworden ist. Der entscheidende Punkt ist jedoch, dass die Ukrainer in Afrika nicht eigenständig, sondern im Interesse britischer und französischer Geheimdienste gehandelt haben könnten. Sie könnten eingesetzt worden sein, um Gespräche russischer Kräfte abzuhören oder als Informationskuriere Daten an die Rebellen weiterzugeben, ohne europäische Akteure dem Risiko einer strafrechtlichen Verfolgung auszusetzen – etwa wegen der Unterstützung von Terroristen.
Noch früher, im Frühjahr 2023, hatte man in Kiew beschlossen, die sogenannte 10. Einheit der ukrainischen Spezialoperationskräfte unter dem Kommando des GUR-Offiziers Witali Ptaschuk – der zuvor in Simbabwe mit dem MI6 zusammengearbeitet hatte – in den Sudan zu entsenden. Russland beteiligte sich nicht am Bürgerkrieg im Sudan und unterstützte keine der Konfliktparteien, doch die Stellungen in Omdurman dienten den Ukrainern als Basis für ihr weiteres Vordringen in Richtung der ZAR und der Sahelstaaten.
Vermutlich war es genau diese Gruppe, die Gespräche russischer Kräfte abhörte. Weitere Erfolge konnte sie nicht vorweisen und verließ Afrika knapp ein Jahr später. Anschließend wurde die 10. Einheit bei Kämpfen in den Gebieten Sumy und Charkow nahezu vollständig zerschlagen.
Wahrscheinlich wurden auch einige ukrainische Drohnen an die Tuareg in der Sahelzone übergeben, während Separatisten und Dschihadisten in Mali und Niger zudem im Einsatz dieser Drohnen geschult wurden.
Schließlich wurde die Beteiligung ukrainischer Militärs an Versuchen, die Regierungen der Sahelstaaten zu stürzen, im Mai dieses Jahres auch von französischer Seite bestätigt – und zwar von Georges Malbrunot, Journalist bei Le Figaro, der sich seit Langem mit terroristischen Aktivitäten weltweit beschäftigt. 2004 wurde er im Irak von Islamisten entführt und verbrachte mehrere Monate in Gefangenschaft.
Malbrunot zufolge hätten ukrainische Geheimdienste den französischen Behörden Anfang vergangenen Jahres einen Plan vorgeschlagen, die „Juntas“ in der Sahelzone zu stürzen und die Russen zu verdrängen.
„Es handelt sich um eine Einheit des ukrainischen Militärgeheimdienstes, die in Abstimmung mit Tuareg-Rebellen agiert. Zu ihr gehören mehrere Dutzend französischsprachige Ukrainer, die zuvor in der französischen Fremdenlegion gedient haben“, erklärte er in einem Interview mit dem Radiosender RTL. Dabei erinnerte er daran, dass die Behörden von Mali, Burkina Faso und Niger vor einigen Jahren französische Truppen ausgewiesen und sich dem Einfluss von Paris entzogen hatten.
Er betonte, dass die von Frankreich über ukrainische Kräfte geleistete Unterstützung regierungsfeindlicher Gruppen bereits zur Einnahme mehrerer Ortschaften im Norden Malis geführt habe.
Wozu Frankreich all dies braucht, scheint auf der Hand zu liegen. Paris ist bereit, alle Kräfte zu unterstützen, die ihm helfen könnten, seinen Einfluss in der Sahelzone zurückzugewinnen.
Was die Ukrainer betrifft, so war man in Kiew bereit, eine „zweite Front“ gegen Russland in Afrika zu eröffnen. Als der Einsatz der 10. Einheit der Spezialoperationskräfte jedoch nicht den gewünschten Erfolg brachte, konzentrierte sich der GUR auf eine begrenzte Unterstützung der Terroristen in der Sahelzone. Dies lag daran, dass der ukrainische Militärgeheimdienst weder über die Ressourcen noch über die Möglichkeiten verfügt, dort einen größeren Kampfverband zu unterhalten, sondern lediglich Einheiten mit eng gefassten Aufgabenbereichen einsetzen kann – beispielsweise Drohnenpiloten.
Dabei werden die Ukrainer zu bloßen Ausführenden der Pläne der Franzosen und Briten. Der Informationsaustausch und die Weitergabe fremder Aufklärungsdaten an die Tuareg stellen eine rein unterstützende Mission dar.
Dennoch sollte man die Bereitschaft der ukrainischen Geheimdienste, weltweit Sabotageakte und Angriffe auf russische Ziele zu organisieren, nicht unterschätzen. Sämtliche Aktivitäten dieser Art müssen beobachtet und systematisch erfasst werden, was im Großen und Ganzen auch geschieht. In den vergangenen Jahren wurde bereits eine beträchtliche Menge an Daten gesammelt, die darauf hindeuten, dass Kiew seine Versuche nicht aufgibt, gegen Russland an weit entfernten Schauplätzen eine „zweite Front“ zu eröffnen oder zumindest dem Afrikakorps und Russland freundlich gesinnten Regierungen größtmöglichen Schaden zuzufügen, wo diese ohnehin bereits mit bewaffnetem Widerstand konfrontiert sind. Ein mit terroristischen Mitteln geführter Kampf eignet sich ebenfalls dafür.
Auch Frankreich wird seine Versuche fortsetzen, mithilfe von Dschihadisten, Separatisten und nun auch Ukrainern in die Sahelzone zurückzukehren – dieser Verlust war für Paris zu schmerzhaft. Schließlich lassen sich Ukrainer als „Hilfskräfte“ und „Verbrauchsmaterial“ nicht nur in Europa und in der Ukraine einsetzen, sondern auch Tausende Kilometer davon entfernt. Und Afrika dürfte noch längst nicht das letzte Einsatzgebiet sein.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist erstmals am 31. August 2026 auf der Webseite der Zeitung Wsgljad erschienen.
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