Komplexe Wissenschaftsanlagen sind notwendig, um Russlands technologische Souveränität bei der beschleunigten Entwicklung der Grundlagenforschung und der angewandten Forschung zu gewährleisten. Michail Kowaltschuk, der Präsident des Nationalen Forschungszentrums Kurtschatow-Institut, äußerte sich zu diesem Thema in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur RIA Nowosti.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion und in den darauffolgenden Jahren habe die russische Wissenschaft schwierige Zeiten durchlebt, meint Kowaltschuk. Die wissenschaftlichen Schulen, das heißt nachhaltige Forschungsnetzwerke um einen prägenden Gelehrten, die die Grundlage der sowjetischen Wissenschaft bildeten, blieben ihm zufolge jedoch erhalten.

Und obwohl die Anzahl der Forscher abgenommen habe, seien die grundlegenden Kenntnisse und Kompetenzen an die Fachleute weitergegeben worden, betont Kowaltschuk

„Als der Staat dann wieder die Bedeutung der Forschung erkannte und begann, Mittel für vorrangige wissenschaftliche und technologische Projekte bereitzustellen, wurde alles schnell wiederhergestellt“, so der russische Wissenschaftler.

In diesem Zusammenhang führt er aus:

„Ich kann mit voller Verantwortung sagen, dass wir im Bereich der Megaanlagen heute wieder über alle erforderlichen Kompetenzen verfügen und die Produktion an unseren größten Standorten vollständig wiederaufgenommen haben. Wir fertigen alles selbst, bis auf wenige Einzelteile.“

Großanlagen ermöglichten es den Forschern, neue Erkenntnisse über die Struktur und die Eigenschaften von Materie im Mikro- und Nanobereich zu gewinnen. Dies dürfte dazu beitragen, eine Reihe wichtiger Aufgaben in den Bereichen Biologie, Medizin, Chemie und Energie zu lösen.

„Solche Anlagen sind nicht einfach nur Wissenschaft, sie sind Megawissenschaft, die Sublimierung von Kompetenzen in verschiedenen Bereichen“, fügt Kowaltschuk hinzu.

Für die Herstellung und den Betrieb eines Reaktors oder Beschleunigers würden Spezialisten für Kernphysik, Teilchenphysik, Beschleunigertechnik sowie Informatiker benötigt, erläutert der Wissenschaftler. Darüber hinaus würden Spezialisten für die Arbeit an den Versuchsstationen und deren Wartung benötigt.

„Das heißt, solche Projekte geben der Entwicklung des gesamten wissenschaftlichen und technologischen Bereichs auf nationaler Ebene einen starken Impuls“, so Kowaltschuk weiter.

Das Kurtschatow-Institut in Moskau ist die führende wissenschaftliche Organisation, die unter anderem das föderale wissenschaftlich-technische Programm zur Entwicklung der Synchrotron- und Neutronenforschung umsetzt.

Mehr zum Thema ‒ Kann Russland Weltraum-Atomkraftwerke bauen? – Kurtschatow-Institut hält es für möglich

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen