Europa steht an einem Wendepunkt. Während die USA und China ihren technologischen und wirtschaftlichen Vorsprung kontinuierlich ausbauen, droht der europäische Kontinent ins Hintertreffen zu geraten.
Europa droht zwischen USA und China aufgerieben zu werden
Mit drastischen Worten warnen der Wirtschaftshistoriker Niall Ferguson und der Präsident des Kieler Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick, vor einem Szenario, das die Zukunft Europas grundlegend verändern könnte.
„China und die USA werden Europa aufessen – Stück für Stück“, bringt Moritz Schularick die Lage auf den Punkt. Seine Warnung beschreibt nicht nur den zunehmenden Wettbewerb der beiden Supermächte, sondern auch die schwindende Bedeutung Europas in zentralen Zukunftstechnologien.
Rückstand bei KI und digitalen Platformen
Vor allem im Bereich der Künstlichen Intelligenz, moderner Cloud-Infrastrukturen und digitaler Plattformen dominieren heute amerikanische und chinesische Unternehmen. Europa hingegen verfügt bislang über kaum international wettbewerbsfähige Technologiekonzerne in diesen Schlüsselbereichen.
Für Ferguson ist klar: Europa kann sich nur dann als eigenständiger Machtblock behaupten, wenn es technologische Souveränität erreicht. Dazu gehören:
- eigene KI-Systeme,
- europäische Cloud-Lösungen,
- leistungsfähige Halbleiterproduktion,
- sowie eine stärkere Innovationskraft.
Deutschlands Industrie steht besonders unter Druck
Besonders kritisch sehen beide Experten die Lage der deutschen Industrie. Jahrzehntelang profitierte Deutschland von Exporten nach China. Doch inzwischen entwickelt sich China zunehmend vom Absatzmarkt zum stärksten Wettbewerber.
Ferguson wirft Deutschland vor, die Dynamik Chinas lange unterschätzt zu haben. Besonders in der Automobilindustrie könnten die Folgen gravierend sein. Er prognostiziert, dass chinesische Fahrzeuge schon bald den europäischen Markt dominieren könnten.
Noch weiter geht Schularick mit seiner Einschätzung: Volkswagen könnte langfristig sogar von einem chinesischen Hersteller wie BYD übernommen werden. Ob dieses Szenario tatsächlich eintritt, bleibt offen. Die Aussage verdeutlicht jedoch, wie groß die Sorgen um die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Industrie inzwischen geworden sind.
Europa braucht eine neue Industriestrategie
Beide Experten fordern einen grundlegenden Kurswechsel.
Schularick plädiert für eine gemeinsame europäische China-Strategie. Der Zugang zum europäischen Binnenmarkt solle gezielt als wirtschaftliches Druckmittel genutzt werden. Unternehmen aus China sollten demnach bevorzugt dann Zugang erhalten, wenn sie auch in Europa investieren und hier Arbeitsplätze schaffen.
Gleichzeitig müsse Europa deutlich stärker in Zukunftstechnologien investieren:
- Künstliche Intelligenz
- Robotik
- Raumfahrt
- Halbleiter
- Cloud-Infrastruktur
- Verteidigungstechnologien
Diese Bereiche seien nicht nur wirtschaftlich relevant, sondern zunehmend auch sicherheitspolitisch entscheidend.
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