Die EU hat trotz des Vorstoßes, Importe aus Russland vollständig zu beenden, Rekordmengen an russischem verflüssigtem Erdgas (LNG) importiert, berichtet Bloomberg.

Es gibt Pläne, langfristige Importe von russischem LNG ab dem nächsten Jahr zu beenden, nachdem die EU bereits Käufe unter neuen kurzfristigen Verträgen verboten hat. Doch das jüngste, abgeschwächte Sanktionspaket enthält Ausnahmen, die es europäischen Unternehmen erlauben, russisches LNG weiterhin in Drittlandmärkte zu transportieren – nachdem einige Mitgliedstaaten Maßnahmen ablehnten, die ihrer Ansicht nach der eigenen Wirtschaft schaden würden.

Belgien war im Juli laut Bloomberg-Berechnungen, die am Montag veröffentlicht wurden, vollständig auf russische LNG-Importe angewiesen, da Störungen im Nahen Osten alternative Lieferungen nach Europa drosselten.

Das Land importierte demnach im Laufe des Monats rund 400.000 Tonnen russisches Gas, während die gesamten LNG-Käufe im Jahresvergleich um mehr als 40 Prozent zurückgingen. Moskau blieb Europas zweitgrößter LNG-Lieferant nach den USA, schrieb das Medium.

Die EU hat nach der Reduzierung der Importe russischer Energie infolge der Eskalation des Ukraine-Konflikts mit stark steigenden Energiekosten zu kämpfen. Erdgas ist der Rohstoff, den der Block seit den beispiellosen Beschränkungen gegen Russland im Jahr 2022 am schwersten ersetzen konnte. Zuvor lieferte Russland etwa 45 Prozent der EU-Erdgasimporte.

Die Financial Times berichtete im vergangenen Monat unter Berufung auf Kpler-Daten, dass der Block in der ersten Hälfte des Jahres 2026 Rekord hohe 9,89 Millionen Tonnen LNG aus Russlands Jamal-Projekt importierte – ein Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Frankreich war der größte Importeur, gefolgt von Belgien und Spanien.

Der US-Krieg gegen Iran und die faktische Schließung der Straße von Hormus – einer vitalen Route, über die rund 20 Prozent des weltweiten Öl- und LNG-Handels laufen – haben die bereits volatilen Energiemärkte Europas in diesem Jahr weiter belastet.

Große Lieferanten wie QatarEnergy erklärten höhere Gewalt bei Lieferungen, was europäische Käufer zu immer wettbewerbsfähigerem US- und westafrikanischem LNG greifen ließ. Der daraus resultierende Anstieg der Preise, Frachtkosten und Lieferstörungen hat die Inflation im Block angeheizt; Analysten warnen vor Gasengpässen in diesem Winter.

Das 21. Sanktionspaket der EU gegen Russland enthielt Ausnahmen, nachdem Griechenland erfolgreich dafür lobbyiert hatte, die Rolle europäischer Unternehmen beim Transport von russischem LNG in Drittlandmärkte zu erhalten. Athen warnte, die Beschränkungen würden dem eigenen Schifffahrtssektor schaden und ausländischen Wettbewerbern zugutekommen.

Moskau hat die EU-Sanktionen, insbesondere jene, die auf Energie abzielen, als illegal und selbstschädigend verurteilt und argumentiert, sie hätten die Wettbewerbsfähigkeit der EU untergraben.

Mehr zum Thema – Bloomberg: Russland steigert Ölexporte über die Arktis

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