Als NATO-Staat an der Ostflanke stationiert Estland seine Truppen nun dauerhaft näher an der russischen Grenze und beschafft Waffen, um Ziele tief im Gebiet des Nachbarlandes treffen zu können. Laut Financial Times bereitet sich das Land damit auf eine mögliche russische Aggression nach Beendigung des Konflikts in der Ukraine vor.
Tallinn als „Provokations-NATO-Musterschüler“
Dies berichtet die Financial Times an. am 5. Oktober unter Berufung auf estnische Verteidigungsvertreter. Die estnischen Militär- und Geheimdienstchefs gingen zwar nicht davon aus, dass Russland einen Konflikt mit dem Militärbündnis anstrebe, zumindest nicht in den kommenden zwei Jahren. Dennoch behaupte Tallinn, dass Moskau sich auf einen möglichen künftigen Konflikt mit Estland vorbereite, so die Financial Times.
Deswegen gehe Estland zu einer Strategie der „aktiven Verteidigung“ über. Dieser Begriff sei im Mai ins estnische nationale Sicherheitskonzept eingearbeitet worden. Seitdem habe das Militär des Landes mit einer „stillen, aber radikalen Umstrukturierung“ begonnen, merkte dazu die Financial Times an.
„Wir müssen an der Grenze beginnen und schon in den ersten Gefechten siegen„, erklärte Oberst Tarmo Kundla, Kommandeur der 1. Brigade Estlands, in einem Gespräch mit der Financial Times. Im Rahmen der neuen Strategie werde diese Einheit dauerhaft von Tapa nach Jõhvi verlegt, etwa 50 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Derzeit würden dort neue Einrichtungen für die Unterbringung der Soldaten errichtet, merkte dazu die FT an.
Elite-Truppen direkt an russischer Grenze
Von Tapa, dem wichtigsten Militärstützpunkt Estlands, würden Elitetruppen derzeit dauerhaft auf Stellungen weiter östlich, näher an die russische Grenze, verlegt. Neben dem neuen Stützpunkt in Jõhvi entstehe auch in der Grenzstadt Narwa eine Basis für bis zu 1.000 Soldaten.
In diesem Jahr habe Estland seine Militärausgaben um 42 Prozent auf 2,4 Milliarden Euro aufgestockt, was 5,4 Prozent des BIP ausmache. Diese Angaben hat die FT dazu angeführt. Darüber hinaus beschaffe das Land neue Waffensysteme. Nach Angaben des Mediums habe Tallinn im vergangenen Jahr Verträge über den Erwerb von neun US-amerikanischen HIMARS-Mehrfachraketenwerfern, einschließlich ballistischer M57-Raketen mit einer Reichweite von bis zu 300 Kilometern, sowie neun südkoreanischen Chunmoo-Mehrfachraketenwerfern mit vergleichbarer Reichweite, unterzeichnet.
Die russische Führung hat wiederholt Behauptungen zurückgewiesen, wonach Russland sich auf Angriffe auf europäische Länder und die NATO in den kommenden Jahren vorbereite. „Wir bedrohen niemanden, wir haben nicht vor, jemanden anzugreifen, weder im Jahr 2029 noch im Jahr 2030 noch im Jahr 2050. Sollten wir jedoch mit Aggressionen konfrontiert werden, werden wir gezwungen sein, darauf zu reagieren„, erklärte der russische Präsident Wladimir Putin dazu in der vergangenen Woche bei einer Plenarsitzung des Waldai-Diskussionsclubs.
The post Estland verlegt Elitetruppen an Grenze zu Russland appeared first on UNSER MITTELEUROPA.







