Nach Angaben von CENTCOM zielten die iranischen Raketen auf einen Flugzeugträger und einen Lenkwaffenzerstörer. Die Schiffe seien den Angriffen ausgewichen, US-Soldaten seien unverletzt geblieben. Als Reaktion seien drei Tanker getroffen worden, die Washington einem milliardenschweren „Schattennetzwerk“ der Revolutionsgarden (IRGC) zuschreibt. Dieses diene der Finanzierung der Garden und ihrer regionalen Verbündeten.

Ein unbeladener Tanker, die M/T Kylo, sei im Golf von Oman „vollständig zerstört“ worden, nachdem die Besatzung angewiesen worden sei, das Schiff zu verlassen. Zwei weitere Schiffe – eines vor der für den iranischen Ölexport zentralen Insel Charg (Kharg) und eines nahe Dschask – seien „dauerhaft außer Gefecht gesetzt“ worden. CENTCOM veröffentlichte Videoaufnahmen, die Feuer und Rauch über den getroffenen Schiffen zeigen. Admiral Brad Cooper, Kommandeur des Regionalkommandos, erklärte, dass die USA im Falle eines Angriffs der IRGC auf zwei US-Schiffe drei iranische Schiffe ausschalten würden.

Iranische Medien berichteten unabhängig von Explosionen vor Charg. Über das Terminal auf der Insel wird der Großteil der iranischen Rohölexporte abgewickelt. Die Revolutionsgarden übernahmen später die Verantwortung für eigene Angriffe: Sie hätten drei Öltanker in der Straße von Hormus getroffen, die eine „nicht autorisierte Route“ genutzt hätten, sowie drei weitere Schiffe, die sie als US-verbunden bezeichneten. Unabhängige Bestätigungen der iranischen Angaben liegen bislang nicht vor.

Die Vorfälle stehen im Kontext des seit Februar andauernden Krieges. Iran hält die Straße von Hormus, durch die in Friedenszeiten rund ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls fließt, weitgehend unter Kontrolle und hat den zivilen Schiffsverkehr stark eingeschränkt. Die USA antworten mit einer Gegenblockade iranischer Häfen und gezielten Schlägen gegen Schiffe, die sie der Umgehung von Sanktionen verdächtigen. Eine frühere Waffenruhe war brüchig geblieben. Beide Seiten werfen einander vor, die jeweils andere habe die jüngste Eskalation ausgelöst.

Die Lage in der Meerenge bleibt unübersichtlich. Weitere Angriffe auf Handelsschiffe können den Ölmarkt und die Versorgungslage rasch belasten. Ob die gegenseitigen Schläge eine neue Runde direkter Konfrontation einleiten oder wieder in eine Phase begrenzter Gefechte münden, ist offen.

Mehr zum Thema – IRGC kündigt Vergeltung für Angriff auf Hochzeit an – Iran warnt Israel vor Libanon-Offensive

Abbildung des Banners Denkanstoß statt Denkverbot
Nach oben scrollen