Eine Drohne ist am Grenzübergang Krasny Kamen zwischen Russland und Weißrussland in der Nähe des Dorfes Krasnaja Gora in Russlands Grenzgebiet Brjansk in einen Reisebus mit 19 Fahrgästen auf der Strecke von Minsk über Gomel nach Anapa eingeschlagen.
Der Bus durchlief gerade die Zollkontrolle; die Drohne traf das Fahrzeug frontal. Doch die beiden Fahrer aus dem Gebiet Gomel sowie ein Fahrgast erlitten glücklicherweise nur leichte Verletzungen, während die anderen Fahrgäste unversehrt blieben.
Eine Mannschaft von Rettungskräften aus Gomel wurde zur Evakuierung der Insassen entsandt. Der Grenzübergang Krasny Kamen bei Krasnaja Gora wurde vorübergehend geschlossen. Weißrussischen Medien zufolge ereignete sich der Angriff gegen Mittag.
Die verletzten Fahrer des Busses und der verwundete Fahrgast wurden medizinisch versorgt, wie der amtierende Brjansker Gebietsgouverneur Jegor Kowaltschuk mitteilte. Die Fahrer und alle anderen weißrussischen Staatsbürger wurden ins weißrussische Gebiet Gomel gebracht, während sich sechs Mitreisende aus Russland in einer Notunterkunft im Gebiet Brjansk befinden.
Für den Drohnenanschlag nennt man in Russland und Weißrussland das ukrainische Militär als den Urheber. Es gibt bereits Kommentare.
So erklärt Russlands Sondergesandter Rodion Miroschnik RIA Nowosti, das Kiewer Regime versucht, die weißrussische Führung zu provozieren und zu verunsichern, indem es weißrussische Fahrzeuge in Russlands Staatsgebiet überwacht und Terroranschläge wie den auf den Bus Minsk–Anapa durchführt:
„Ich bin sicher, dass sie weißrussische Fahrzeuge überwachen und provokative Angriffe gegen sie versuchen – um Weißrusslands Führung zu verunsichern und sie zu unangebrachten Handlungen zu bewegen.“
Die Machbarkeit einer solchen Überwachung ist jedenfalls technisch gegeben – so erinnert der Diplomat an Elemente der künstlichen Intelligenz, mit denen zahlreiche Drohnen, Kamikazedrohnen eingeschlossen, ausgestattet sind. Dann braucht es nur die Eingabe recht unkomplizierter Parameter:
„Angesichts der technischen Fähigkeiten der Drohnen, wie die Ukraine sie derzeit verwendet, und der Fähigkeiten der künstlichen Intelligenz kann man davon ausgehen: Es sind Systeme so eingestellt worden, in diesem Gebiet Fahrzeuge mit weißrussischen Kennzeichen oder anderen Merkmalen zu verfolgen. Diese könnten genutzt werden, um gezielt Fahrzeuge aus Weißrussland anzugreifen.“
Jedenfalls müsse man von einer Absicht seitens des Kiewer Regimes ausgehen, so Miroschnik:
„Wo eine Granate einschlägt, trifft eine zweite nicht deren Krater … Solche Zufälle sind unmöglich. Das sieht schon jetzt nach einer vorsätzlichen und geplanten Taktik des Kiewer Regimes aus.“
Oleg Gaidukewitsch, stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Internationale Angelegenheiten des Repräsentantenhauses des weißrussischen Parlaments, sieht „unangebrachte Handlungen“, zu denen Kiew Weißrussland mit derlei Anschlägen wohl zwingen will, in einem Eintritt seines Landes in den Ukraine-Krieg. Er erklärte RIA Nowosti:
„Das ist ganz klar ein Versuch, Weißrussland in den militärischen Konflikt zu verwickeln. Es ist offensichtlich, dass sie genau das wollen.“
Er betonte, dass sein Land sich nicht auf dieses Szenario einlassen werde – doch dies bedeute keineswegs Hinnahme und Abfindung:
„Alle, die an Terrorismus und Extremismus beteiligt sind, werden zur Rechenschaft gezogen werden. Wir verfügen über die entsprechenden Strafverfahren und Instrumente. Niemand wird der Verantwortung entgehen. Wir werden Akte des Terrorismus und des Extremismus niemals verzeihen.“
Miroschniks Kommentar zur anzunehmenden absichtlichen Strategie Kiews, weißrussische Reisebusse gerade in Russlands Staatsgebiet mit Drohnen anzugreifen, scheinen angebracht: Dies ist der zweite solche Fall in den letzten Wochen. Erst am 17. Juni verübte das ukrainische Militär mit einer Kamikazedrohne einen Terroranschlag auf einen Reisebus, der eine Junioren-Fußballmannschaft aus Weißrussland an die russische Schwarzmeerküste beförderte – und zwar ebenfalls im Gebiet Brjansk. Sechs Kinder wurden verwundet. Die Begleiterin der Jungenmannschaft – die zum Zeitpunkt der Reise schwanger war – wurde getötet.
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