Da hat sich nun der sehr geehrte Herr Bundeskanzler nach einem Dreivierteljahr an der Regierung, wie wir alle sehen konnten, aber nicht mussten, mühsam durch seine erste und vielleicht letzte Neujahrsansprache gekämpft. Wie ein Schwungradauto, das immer wieder Schwung holen muss für den nächsten Satz. Festgehalten wie beim Schwungholen wirkte Merz, abgekämpft, erschöpft, hängend in seinem blauen Anzug, der, je länger man ihm zuhörte, viel zu groß für ihn wirkte, der Anzug des Bundeskanzlers, den Friedrich Merz nicht auszufüllen vermochte. Die Siege, die er mit teils irritierender Betonung hervorhob, als wisse er, dass es allesamt Pyrrhussiege waren. Es war in Gestik, Diktion und Inhalt die Rede eines Mannes, der kein neues Jahr begrüßen, sondern nur noch das alte Jahr beenden wollte. Es war, als hätte in einer Art visionärer Voraussicht Franz Kafka über ihn geschrieben, als er in seinen „Betrachtungen über Sünde, Hoffnung, Leid und den wahren Weg“ notierte: „Sein Ermatten ist das des Gladiators nach dem Kampf, seine Arbeit war das Weißtünchen eines Winkels in einer Beamtenstube.“
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