Von Wladimir Awatkow

Iran soll eine Einladung erhalten haben, sich dem Mekka-Verteidigungsabkommen anzuschließen, das am 7. August von Saudi-Arabien, der Türkei und Pakistan unterzeichnet wurde. Dies berichtete der Chef der Nachrichtenagentur des iranischen Parlaments, Mehdi Rahimi. Riad, Ankara und Islamabad haben diese Angaben bislang nicht bestätigt. Noch vor kurzem war die neue Vereinigung als „muslimische NATO“ bezeichnet und vor allem als potenzielles Instrument einer Eindämmung Irans diskutiert worden. Nun wird der wahrscheinliche Kontrahent hingegen an den Verhandlungstisch geladen.

Wieso ausgerechnet jetzt? Weil der Krieg der USA gegen Iran die Frage nach regionaler Sicherheit besonders dringend stellte. Saudi-Arabien, die Türkei und Pakistan gründen formell keinen antiamerikanischen Block – im Gegenteil, Islamabad bezeichnet das Abkommen direkt als Verteidigungspakt, der für andere Länder offen sei. Doch die Logik ist offensichtlich: Die Staaten wollen eine Absicherung haben, die nicht von Washington abhängig ist. Die saudische Presse präsentiert das Abkommen aktuell als eine Stärkung der nationalen und regionalen Sicherheit. Auch der türkische Staatschef Recep Tayyip Erdoğan behauptete, dass das Mekka-Abkommen die Sicherheit der Region stärken solle. Besonders bezeichnend ist vor diesem Hintergrund, dass Pakistan bereits als Vermittler zwischen Washington und Teheran fungiert und dass auch Syrien die Bereitschaft geäußert hat, sich dem Mekka-Pakt anzuschließen. Das heißt, hier ist nicht nur von drei Ländern die Rede, sondern von einer allmählichen Ausdehnung eines regionalen Systems und von einer Änderung des allgemeinen Sicherheitsmodells.

Die militärische Arithmetik lässt all das ernst erscheinen. Saudi-Arabien stellt Geldmittel und Energie bereit; die Türkei die zweitgrößte Armee der NATO, ihren eigenen militärisch-industriellen Komplex und fortschrittliche Drohnen, Raketen und Luftabwehrsysteme; Pakistan ein riesiges Heer, Kampferfahrung und Nuklearwaffen (auch wenn dieser letzte Punkt bislang in keiner Vereinbarung thematisiert wurde). Sollte sich dieser Kombination Iran mit seinen Raketen, Drohnen, Ressourcen und seiner strategischen Lage anschließen, wird sich das Kräfteverhältnis in der Region grundlegend ändern. Damit entsteht bereits eine potenzielle regionale Konstruktion, wobei ehemalige Gegner einen gemeinsamen Mechanismus für Konsultationen und kollektive Sicherheit erhalten.

Für Russland ist das ebenfalls von Bedeutung. Das Mekka-Format interessiert uns vor allem als Teil der Herausbildung einer multipolaren Welt. Allein die Verhandlungen über eine inklusive regionale Sicherheit sind etwas Positives: Wenn sich Saudi-Arabien, die Türkei, Pakistan und Iran in ein und demselben System wiederfinden, wird die Sicherheit der Region nicht mehr allein in den Händen der USA liegen. Russlands praktisches Interesse liegt in einem stabileren Persischen Golf, einer Minderung der Risiken eines großen regionalen Krieges, der Sicherheit von Energie- und Verkehrswegen und der Erweiterung des Raums für Zusammenarbeit mit Iran, der Türkei und den Golfmonarchien. Freilich gibt es auch Risiken: Es ist unbekannt, ob eine solche Konstruktion der ersten ernsthaften Krise – dem äußeren Druck der USA – standhalten würde und ob sie sich nicht in einem gegen jemand anderen gerichteten Block verwandeln wird.

Gerade deswegen sollte das Mekka-Abkommen in einem breiteren Kontext als nur dem eigentlichen Wortlaut der Vereinbarung betrachtet werden. Die USA werden nicht unbedingt aus dem Nahen Osten zurückgedrängt. Weder Riad noch Ankara noch Islamabad haben bislang auf die Beziehungen zu Washington verzichtet. Doch ihr Verhalten zeigt etwas anderes: Die US-amerikanischen Garantien hören auf, der einzige Sicherheitsfaktor zu sein. China hat bereits bewiesen, dass es Saudi-Arabien und Iran an einen Tisch bringen kann. Die Türkei baut ihre eigene Rüstungsindustrie auf. Iran sucht nach Auswegen aus der Isolation. Deswegen beschleunigt der gegenwärtige Krieg einen Prozess, der bereits früher im Gange war. Die Staaten der Region beginnen, Sicherheitsmechanismen zu schaffen, in denen Washington nicht der einzige Arbiter ist. Si vis pacem, para bellum sagt man – Wenn du Frieden willst, dann bereite dich auf den Krieg vor. Und es scheint, dass heute dieser Gedanke gleich in mehreren Hauptstädten im Nahen Osten verstanden wird.

Übersetzt aus dem Russischen. Verfasst speziell für RT am 24. August.

Wladimir Awatkow ist ein russischer Politikwissenschaftler, Turkologe und Leiter der Abteilung für den Mittleren und Post-Sowjetischen Osten am Institut für Nationale Forschung der Russischen Akademie der Wissenschaften.

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