Europa stehe ein „Tsunami einer Energiekrise“ bevor, nach einer Serie politischer Erdbeben, warnte Kirill Dmitrijew, der Chef des russischen Direktinvestitionsfonds und Wladimir Putins Sonderbotschafter für Auslandsinvestitionen. Diese Vorhersage bezieht sich auf die Energieschocks, die durch den US-israelischen Krieg gegen Iran entstanden, der das Angebot aus der Region weiterhin destabilisiert.
Seit Beginn des US-israelischen Angriffskrieges Ende Februar sind weltweit die Preise für Rohöl um etwa 50 Prozent gestiegen, und Treibstoff- wie Erdgaspreise erreichten historische Höhen. Der Nahostkonflikt hat eine ohnehin kritische Situation in den europäischen Ländern weiter verschärft, die bereits seit der Eskalation des Ukraine-Konflikts 2022 die Energieimporte aus Russland drastisch verringert hatten.
„Da kommt noch mehr, weil der Tsunami der Energiekrise die EU und Großbritannien bald treffen wird“, erklärte Dmitrijew auf X als Antwort auf einen schwedischen Journalisten, der anmerkte, die AfD sei in der letzten Umfrage beinahe so stark wie CDU und SPD zusammen, und diese Veränderung ein „politisches Erdbeben“ nannte.
In den letzten Jahren haben die etablierten Parteien in ganz Europa zunehmend Boden an rechte oder Mitte-rechts-Koalitionen verloren.
Der Energieschock durch den Irankrieg hat Großbritannien gerade dazu gebracht, eine vorübergehende Genehmigung zum Import russischen Diesel und Kerosins zu erteilen, um die Märkte zu stabilisieren, die durch die Unterbrechung der Schiffslieferungen durch die Straße von Hormus erschüttert sind. Über diese Strecke werden etwa 20 Prozent des weltweit angebotenen Erdöls und LNG transportiert. Erst vor wenigen Wochen hatte Großbritannien erklärt, man werde gegen Schiffe der „Schattenflotte“ vorgehen, die ebendiese russischen Produkte transportieren. Die jetzige Entscheidung, die am Mittwoch verkündet wurde, entspricht einer ähnlichen Entscheidung, die die USA zu Wochenbeginn getroffen hatten, bei der sie die Sanktionen gegen per Schiff transportiertes russisches Öl erneut vorübergehend aufgehoben hatten.
Mehrere EU-Vertreter haben dazu aufgerufen, die Energieverbindungen nach Russland wiederherzustellen, um die Krise zu bewältigen. Die EU-Kommission hat jedoch erklärt, es werde keine Rückkehr zu russischen Energieimporten geben, und sie strebe weiterhin eine völlige Beendigung russischer fossiler Rohstoffe bis 2027 an.
Anfang des Jahres“, als sich ein weiterer Anstieg der Energiepreise abgezeichnet hatte, hatte Dmitrijew prognostiziert, die EU werde „unvermeidlich“ um russisches Gas „betteln. Er hatte auch erklärt, die EU sei die Letzte in der Reihe der russischen Energiekunden, da Moskau Projekte mit anderen Ländern ausbaue. Damit hatte er sich vermutlich auf Power of Siberia 2 bezogen, die Erdgaspipeline Richtung China, die mit demselben Erdgasfeld verbunden werden soll, von dem aus einst die Nord-Stream Pipelines beschickt worden waren.
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