Zum Ende des Artikels „Die Zeit der Metropolen ist vorbei“, skizziert Dmitri Medwedew eine neue Weltordnung im neuen Jahrtausend nach 500 Jahren atlantischer Kolonialgeschichte.

Medwedew: Teilnehmern des Moskauer Forums wurde von
denUSA die Nutzung die US-Luftraumes zur Anreise verboten

Artikel – „Die Zeit der Metropolen ist vorbei“ – von Dmitri Medwedew in deutscher Übersetzung – Teil 5

Von Dmitri Medwedew | Heute ist klar, dass die Zukunft starken, ihre Lebensfähigkeit unter Beweis stellenden, ideologisch übereinstimmenden und konfliktfreien regionalen Strukturen gehört. Innerhalb dieser Verhältnisse wird gegenseitiges Verständnis und Vertrauen der Teilnehmer um ein Vielfaches höher als zwischen den Großmächten auf globaler Ebene liegen. Genau solche Organisationen und Bündnisse werden zu Wachstumsmotoren und zu eigenständigen Zentren der weltweiten Entwicklung mit einer eigenen globalen Agenda werden. Sie werden eine Führungsrolle bei der endgültigen Überwindung neokolonialer Herrschaftsstrukturen übernehmen und …

… Hunderten von Millionen Menschen auf der Erde Hoffnung auf eine bessere Zukunft machen!

Ein Weg zur Lösung von Aufgaben im Zuge der Beseitigung sozioökonomischer Erscheinungsformen des Neo-Kolonialismus könnte eine verstärkte Koordinierung der Ansätze der Länder der Weltmehrheit zur Schaffung eines völlig neuen Systems internationaler Beziehungen bedeuten. Sie werden auf den Prinzipien des Respekts und der wohlwollenden Nichteinmischung beruhen. Die Lösung solcher Fragen wird die Aufgabe in der aller nächsten Zukunft sein.

Die multipolare Globalisierung, welche dabei ist, den vollends ungerechten monozentrischen westlichen Universalismus im rasanten Tempo abzulösen, setzt die Schaffung eines völlig neuen Paradigmas für Dialoge voraus. Dazu wurden die Grundlagen bereits gelegt. Im Jahr des russischen BRICS-Vorsitzes ist es besonders erfreulich festzustellen, dass unser Land dazu fest entschlossen ist, die Umsetzung der Bestimmungen der Johannesburger Erklärung II „BRICS und Afrika: Partnerschaft im Interesse gemeinsamen beschleunigten Wachstums, nachhaltiger Entwicklung und inklusiver Multilateralität“, welche auf dem Gipfel in Südafrika im August 2023 verabschiedet worden war, voranzutreiben. Wir hoffen, dass durch gemeinsame Anstrengungen mit unseren Partnern die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Zusammenarbeit im Rahmen des BRICS-Afrikanische UnionFormats auf eine neue qualitative Ebene zu heben. Das wird gestützt auf die Stärkung der Rolle der BRICS zur friedlichen Beilegung von Konflikten und zur Gewährleistung der Einhaltung des Völkerrechts. Vielversprechend erscheint auch die Entwicklung der Zusammenarbeit zwischen der Afrikanischen Freihandelszone und der EAWU sowie anderer ähnlicher Formate im Handels- und Wirtschaftsbereich.

Im Mittelpunkt des Interesses wird der schrittweise Übergang von traditionellen Modellen der Auslandshilfe auf zwischenstaatlicher Ebene bis hin zu neuen Formen internationaler Zusammenarbeit zur Förderung der Entwicklung auf multilateraler Basis stehen. Dies wird unter Nutzung von Mitteln, die von den Ländern über UNO, IWF und IBRD [International Bank for Reconstruction and Development] bereitgestellt würden, geschehen. Natürlich unter einer stärkeren Nutzung privater Kapitalmittel und Einbeziehung von Fonds nichtkonfrontativer Strukturen, wie von der Neuen Entwicklungsbank, welche auch das Vertrauen der Länder des Globalen Südens besitzt.

Die dynamische Entwicklung solcher geopolitischer Prozesse wird besonders deutlich vor dem Hintergrund der ins Stocken geratenen Versuche von Euro-Atlantikern, ein neues System der Beziehungen zum Globalen Süden zu schaffen. Die überwiegende Mehrheit unserer strategischen Gegner hat …

 … das ihnen seit Jahrhunderten angestammte Talent, ein positives Zukunftsbild zu entwerfen, inzwischen verloren!

Die Versuche einzelner kluger westlicher Politiker, die Ansätze der sich derzeit bildenden einflussreichen Machtzentren zu verstehen, sind auf die traditionelle Arroganz der schwerfälligen Bürokratie in Washington und Brüssel gestoßen. Denn sogenannte „kleine“ Akteure gibt es auf der Weltkarte inzwischen schlichtweg nicht mehr, so sehr man auch weiterhin versuchen will, Länder nach ihrer Bedeutung einzustufen:

So werden deren Wege hinterfragt. Doch Hochmut, ideologischer Dogmatismus und Selbstgefälligkeit hindern den Westen daran, mit den laufenden Veränderungen in hoher Geschwindigkeit Schritt zu halten, um die neue Rolle und Stellung von nicht mehr aufstrebenden, sondern bereits entwickelten und starken Länder in einer sich wandelnden Welt richtig zu erfassen:

Das Ergebnis ist ein tiefer Schock, wie beispielsweise die „unerwartete“ Weigerung des Globalen Südens, der „Formel von Selenskyj“ gefolgt zu sein, um:

– die langjährigen Beziehungen zu Russland abbrechen zu lassen!

– sich dem Sanktionswahnsinn, angeheizt vom Weißen Haus und seinen Satelliten anzuschließen!

– die Augen vor der erneuten Verschärfung der Lage in Nahost zu verschließen!

Die anti-neokoloniale Rhetorik wächst immer stärker an, während dem westlichen liberalen Modell selbst seine Attraktivität verloren geht.

Eine polyzentrische Weltordnung, welche ihre Stärke aus Vielfalt, doch nicht aus neokolonialen Dogmen zu schöpfen vermag, wird sich pragmatisch geben. Der Schlüssel zur wirtschaftlichen Stabilität wird liegen in:

– der Diversifizierung der Beziehungen!

– der Wahrung von Handlungsspielräumen in Kontakten zwischen Makroregionen!

– dem Geiste der Philosophie gemäß der Bewegung der Blockfreien Staaten!

 Ich bin überzeugt, dass dieses Format, welches im 20. Jahrhundert von herausragenden Staatsmännern, wie von Jawaharlal Nehru, Gamal A. Nasser, Sukarno und Josip Broz Tito „auf den Weg gebracht“ wurde, in der einen oder anderen Form im laufenden Jahrhundert zu neuem Leben erweckt werden kann. Zu den vielversprechenden Perspektiven zählen nicht nur die weite Verbreitung von Prinzipien friedlichen Zusammenlebens und Ablehnung militärisch-blockorientierter Konfrontation in der neuen post-neokolonialen Ära, sondern auch die mögliche Durchdringung der Bewegung selbst mit neuen konkreten Inhalten, unter anderem durch Etablierung ihrer überparteilichen Dimension.

Für die Freiheit der Nationen!

Zweifellos bringen die genannten Prozesse die Entstehung einer neuen Weltordnung, in der es keinen Platz für Sanktionen, Ausbeutung und Lügen mehr gibt, immer näher. Der bekannte Grundsatz der Einheit in Vielfalt, der in vielen Bereichen unseres Lebens Anwendung findet, soll dank der anti-neokolonialen Bewegung eine neue Bedeutung erhalten und endlich im gesamten System der internationalen Beziehungen Anwendung finden.

Genau aus diesem Grund ist die von „Einiges Russland“ initiierte Bewegung „Für die Freiheit der Nationen!“, die sich auf die langjährigen Traditionen der UdSSR im Kampf gegen den Kolonialismus und dessen Folgen stützt, ein entscheidender Schritt zur Konsolidierung der Völker der Welt im Kampf gegen Neo-Kolonialisten.

Von der Aktualität der neuen Bewegung zeugt auch die Tatsache, mit welcher erbitterten Ablehnung ihr Entstehen im Westen aufgenommen wird. Lange vor der Gründungssitzung wurden heftige Aktivitäten entfaltet, um das bevorstehende Treffen zu vereiteln. Neo-Kolonialisten setzten praktisch ihr gesamtes Arsenal an Druckmitteln gegen unsere Partner ein, …

 

… um sie dazu zu bewegen, ihre Teilnahme am Forum „Für die Freiheit der Nationen!“, absagen zu lassen!

 

 

 

Dabei kamen sowohl großzügige Versprechungen finanzieller und wirtschaftlicher Hilfe als auch unverhüllte Drohungen mit verschiedenen restriktiven Maßnahmen zum Einsatz. Die USA schreckten nicht einmal vor direkten Verboten zurück, um …

… den Teilnehmern der Veranstaltung zu untersagen, den amerikanischen Luftraum für die Reise nach Moskau zu nutzen!

 

 

 

All diese Versuche verfehlten jedoch ihr Ziel und das Treffen in der russischen Hauptstadt konnte erfolgreich abgehalten werden.

 

Als Ergebnis des Forums wurde einstimmig ein Dokument verabschiedet, das aktuelle und wichtige Aspekte der Bekämpfung neokolonialer Praktiken auf globaler Ebene widerspiegelt. Wir haben uns zudem darauf geeinigt, politische, wirtschaftliche und kulturelle Beziehungen zwischen den Ländern der Globalen Mehrheit aufzubauen und gemeinsam gegen Praktiken der Einmischung in die Angelegenheiten souveräner Staaten, der Geschichtsfälschung und Fremdenfeindlichkeit sowie des Rassismus und Neonazismus vorzugehen.

 

Im Juni werden wir in Wladiwostok einen weiteren Schritt in Richtung einer neuen gerechten Welt setzen und die Gründungssitzung des Ständigen Ausschusses der anti-neokolonialen Bewegung „Für die Freiheit der Nationen!“ abhalten. Dieser wird praktische Wege zur Umsetzung gemeinsamer Initiativen erörtern, um unserer Welt eine gerechte Zukunft zu sichern!

 

ÞÞÞ

 

Ende der Serie zum Medwedew-Artikel: “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”.

 

Fortsetzung Teil 6 mit der Rede von Sergey Lawrow am Forum gegen Neo-Kolonialismus in Moskau folgt.

 

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

 

ÞÞÞ

 

Teil 1 mit Andrey Klimow zu “Europa” ohne Kolonialismus: Auf keinen Fall!: HIER

https://www.unser-mitteleuropa.com/199068

 

Teil 2 zum Medwedew-Artikel, “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”: HIER

https://www.unser-mitteleuropa.com/199290

 

Teil 3 zum Medwedew-Artikel, “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”: HIER

https://www.unser-mitteleuropa.com/199330

 

Teil 4 zum Medwedew-Artikel, “Die Zeit der Metropolen ist vorbei”: HIER

https://www.unser-mitteleuropa.com/199427

 

 

 

The post Dmitri Medwedew über eine Welt frei von neokolonialer Unterjochung – Teil 5 appeared first on UNSER MITTELEUROPA .

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