Der stellvertretende Außenminister Alexander Gruschko hat die Verschärfung der Schengen-Visabestimmungen durch die EU für Russen als Diskriminierung bezeichnet. Dies erklärte der Diplomat am Dienstag in einem Gespräch mit RIA Nowosti. Gruschko wörtlich:

„Die Verschärfung […] ist ein weiterer Ausdruck von Diskriminierung aufgrund der nationalen Herkunft, ein Element der von Brüssel vorangetriebenen Kultur der Ablehnung alles Russischen sowie ein Beweis für die Heuchelei und den Doppelstandard der EU.“

Der Diplomat fügte hinzu, dass einfache russische Bürger von diesen Maßnahmen betroffen seien. Er ist der Ansicht, dass die Äußerungen der Europäer über die Fortschrittlichkeit ihrer Zivilisation in der Praxis im Widerspruch zur tatsächlichen Lage stünden. Gruschko fügte hinzu: 

„Die Europäische Union hat sich als Verteidigerin der Menschenrechte und Freiheiten völlig diskreditiert.“

Am vergangenen Samstag sagte der Diplomat, dass Russland nicht die Absicht habe, seine Grenzen für Europäer als Antwort auf die Verschärfung der Schengen-Visabestimmungen zu schließen. „Unsererseites planen wir nicht, die Grenzen für europäische Staatsbürger zu schließen oder ihre Einsreise in Russland einzuschränken“, betonte der Diplomat. Ihm zufolge sollen die Kontakte zwischen den Menschen, der Tourismus, Geschäftsbeziehungen und humanitäre Verbindungen aufrechterhalten werden. Moskau sei daran interessiert, „Brücken zwischen Menschen zu bauen“, trotz aller Anstrengungen der EU, „diese Brücken zu zerstören“, so Gruschko.

Im November 2025 hatte die EU-Kommission die Erteilung von Schengen-Mehrfachvisa für Russen eingeschränkt. 

Russische Reiseunternehmen verzeichnen einen deutlichen Rückgang bei der Anzahl der an russische Touristen ausgestellten Schengen-Mehrfachvisa. Dies berichtete der Verband der Reiseveranstalter Russlands (ATOR) am 18. März. Seinen Angaben zufolge sei die Zahl der ausgestellten Mehrfachvisa vom Januar bis März 2026 im Vergleich zum ersten Quartal 2025 um mindestens 90 Prozent zurückgegangen.

Russische Staatsbürger müssen nun jedes Mal ein neues Visum beantragen, wenn sie in ein EU-Land einreisen möchten. Das Verbot war am 8. November in Kraft getreten. In der Erklärung der EU-Kommission vom 6. November 2025 hieß es, dass das Verbot mit dem Krieg in der Ukraine zusammenhänge. Der Konflikt habe „die mit russischen Visumantragstellern verbundenen Migrations- und Sicherheitsrisiken grundlegend verändert.“ In der Stellungnahme wird weiter festgestellt, dass Russland die Migration instrumentalisiert habe. Zu weiteren Bedrohungen gehörten „Cyber- und Industriespionage sowie der potenzielle Missbrauch von Visa zur Verbreitung von Propaganda“ gegen die Ukraine. Mehrfache Einreisevisa können an Menschen, die enge Verwandte in der EU haben, und Transportarbeiter indes weiterhin erteilt werden.

Moskau hatte auf die Visa-Einschränkungen damals sofort reagiert. Russland werde es nicht zulassen, dass die Europäische Union Moskau zu Vergeltungsmaßnahmen im Visabereich provoziere. Dies erklärte Maria Sacharowa, die Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, am 9. November 2025. Sie betonte, dass Russland bereit sei, Gegenmaßnahmen zu ergreifen, aber erst wenn dies sinnvoll sei. Sacharowa zufolge könnten solche EU-Entscheidungen Europa in den Selbstmord treiben, indem die europäischen Staaten sich selbst der legalen Touristen aus Russland beraubten. „Ich glaube, das treibt Europa freilich in den Selbstmord“, sagte die Diplomatin.

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