Das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung in Halle (Saale), Sachsen-Anhalt hat seine jüngste Analyse zum Thema Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland veröffentlicht. Die Gesamtzahl gemeldeter Firmenschließungen lag demnach im ersten Quartal 2026 so hoch wie seit über zwanzig Jahren nicht mehr. Die Pleitewelle sei dabei im März „überraschend deutlich angestiegen.“
Die veröffentlichten Daten des Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) belegen, dass in Deutschland „mehr als 4.500 Firmen im ersten Quartal Insolvenz angemeldet“ haben. Diese Größenordnung sei seit dem Jahr 2005 nicht mehr statistisch erhoben worden. Besonders betroffen seien das Baugewerbe und der Handel. Zu den Details der Auswertungen heißt es:
„Die Zahl der Insolvenzen von Personen- und Kapitalgesellschaften in Deutschland liegt laut IWH-Insolvenztrend im März bei 1.716. Das sind 17 Prozent mehr als im Februar, 18 Prozent mehr als im März 2025 und 71 Prozent mehr als in einem durchschnittlichen März der Jahre 2016 bis 2019, also vor der Corona-Pandemie.“


Im März 2026 wurden dabei seitens des Instituts die „höchsten jemals gemessenen Werte im Baugewerbe, im Handel und in den sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen“ dokumentiert. Laut der Mitteilung seien im März dieses Jahres regionale Höchstwerte (seit 2020) in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen ermittelt worden.
Dazu heißt es weiter ausführend:
„Schließungen großer Arbeitgeber führen häufig zu erheblichen und dauerhaften Einkommens- und Lohnverlusten bei den betroffenen Beschäftigten. Die Zahl der von Großinsolvenzen betroffenen Jobs liefert zudem eine gute Annäherung an die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitsplätze.“
Von der Pleitewelle waren den Angaben zufolge aktuell aber weniger Beschäftigte betroffen als im Februar und im März des vergangenen Jahres. Der starke Zuwachs kann somit „auf eine Häufung von Pleiten kleinerer Unternehmen“ zurückgeführt werden. Die Insolvenzzahlen lägen damit höher als im Zuge der Finanzkrise 2009, teilte das IWH mit. Detaillierter dargestellt lautet die Analyse:
„Laut IWH-Insolvenztrend waren im März in den größten 10 Prozent der insolventen Unternehmen etwa 14.000 Arbeitsplätze betroffen. Damit liegt die Zahl der betroffenen Beschäftigten 40 Prozent unter dem Vormonatswert und 15 Prozent unter dem Niveau von März 2025, aber 77 Prozent über dem Durchschnitt eines typischen März der Vor-Corona-Jahre 2016 bis 2019.“
Weitere Zahlen lauten, dass insgesamt rund 54.000 Arbeitsplätze von Insolvenzen betroffen waren – der höchste Wert seit dem dritten Quartal 2020. Verantwortlich zu diesem Zeitpunkt „unter anderem große Unternehmen wie Esprit, Vapiano und Wirecard“, so die IWH-Information.
Laut eigenen Angaben weist das IWH mit seinem „Insolvenztrend“ regelmäßig auf Insolvenzen größerer Personen- und Kapitalgesellschaften hin, „erfasst aber die Angaben gesamtwirtschaftlich wenig relevanter Kleinunternehmen nicht.“
Abschließend heißt es in der Pressemitteilung, dass wie in den Vorquartalen auch im ersten Quartal 2026 „der größte Anteil der betroffenen Arbeitsplätze auf das Verarbeitende Gewerbe mit rund 16.000 Jobs“ entfiel.
Bereits für das vergangene Jahr hatte das IWH die höchsten Insolvenzzahlen eines Jahres seit 2005 festgestellt.
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