Robert Habeck und der Spiegel können sich auf die Grünen-Fangemeinde in Berlin (18,3 Prozent bei der Wahl zum Abgeordnetenhaus im Jahr 2023) verlassen. Medienberichten zufolge war der Admiralspalast im Regierungsbezirk Mitte für das „Spitzengespräch“ komplett ausverkauft. Habeck erlebte dort anstelle kritischer Fragen erneut einen entspannten Wohlfühltermin. Exemplarisch lautet ein Spiegel-Zitat im Artikel (Bezahlschranke): „Vieles kann ich jetzt besser sehen und verstehen, wo ich nicht mehr im Tunnel des täglichen Regierungsgeschäftes bin.“ Das Publikum dankte dem gescheiterten „Bündniskanzler“ mit „sehr viel Applaus“.

„Ist die Welt aus den Fugen?“, lautete die Ankündigung des Veranstalters für das gestrige „SPIEGEL-Spitzengespräch Live mit Robert Habeck und Markus Feldenkirchen“. Geplant war demnach, dass „der frühere Vizekanzler Robert Habeck auf die großen Fragen der Gegenwart und Deutschlands Rolle in einer Welt im Umbruch“ Rede und Antwort steht. Außerdem sollte es um „Robert Habecks Leben gehen und das, was ihn geprägt hat“.

Der Spiegel resümiert am Tag danach, dass sich der Ex-Wirtschaftsminister „fast zwei Stunden lang“ der versammelten Fangemeinde „nachdenklich – und bissig“ präsentiert habe. Zu seiner aktuellen Lebenssituation verriet die ARD bereits in der Vorwoche, in der sich Habeck den GEZ-Zahlern im Rahmen der Talksendung „3 nach 9“ präsentieren konnte:

„Derzeit lebt er mit seiner Frau, der Schriftstellerin Andrea Paluch, in Kopenhagen und arbeitet am Dänischen Institut für Internationale Studien. Im Januar ist er zudem Gastprofessor in Jerusalem und unterrichtet auch an der University of California, Berkeley.“

Aus der gestrigen Abendveranstaltung wurden vom Spiegel unter anderem folgende Zitate ausgewählt:

  • „Ich hatte keinen Plan für danach“, erzählt Habeck. Er habe die Bundestagswahl natürlich gewinnen wollen. Es ist bekanntlich anders gekommen für den Kanzlerkandidaten der Grünen, er habe „da keinen Schmerz damit“.
  • Über das, was war, im Wahlkampf 2021, als er Annalena Baerbock bei der Grünen-Spitzenkandidatur den Vortritt lassen musste, und über seinen eigenen Wahlkampf 2025 will er am liebsten nicht reden. „Die interessantesten Fragen gehen um die Zukunft, nicht um die Vergangenheit“, sagt er.
  • Habeck, der als Lieblingsfach seines Studiums an diesem Abend die Philosophie nennt, schlägt andere Formen des politischen Betriebs vor. „Was wäre, wenn es im Bundestag keine Sitzordnung gäbe?“, fragt er. Dann würden etwa diejenigen, die vorne reden, nicht wissen, wer ihre „Peergroup“ ist. Heute sei es doch oft so, dass im Bundestag Reden gehalten würden, damit die eigene „Peergroup aktiviert wird“.
  • Am Ende dieses Abends geht es auch um die aktuelle Regierung. Er habe sie nicht gewählt, es sei nicht seine Regierung, so Habeck, aber er wünsche sich, „dass sie die Dinge gefixt bekommen“. Der Ex-Minister sieht die vielen Herausforderungen des Kabinetts Merz: „Jetzt müssen sie sich halt mit der Wirklichkeit auseinandersetzen.“

Mit Blick auf den internationalen gesellschaftspolitischen Status quo führte Habeck aus:

„Vieles kann ich jetzt besser sehen und verstehen, wo ich nicht mehr im Tunnel des täglichen Regierungsgeschäftes bin … Der Raum in der Politik, um zusammenzukommen, wird immer enger. Wir befinden uns weiterhin in einer zugespitzten und konfrontativen Lage.“

Zum Ende des Abends hin, sollte der Grünen-Star Kurzfragen des Moderators beantworten, etwa über Markus Söder und darüber, was er an diesem Politiker „am meisten bewundere“. Eine demnach provokante „Spitze“, da Söder Habeck „einst den schlechtesten Wirtschaftsminister nannte, den die Bundesrepublik je gehabt“ habe. Der Spiegel schreibt:

„Habeck, 56 Jahre alt, überlegt einen kurzen Moment. Dann sagt er einen knappen, schnörkellosen Satz: ‚Markus Söder gehört wirklich zu den Menschen, an denen ich nichts bewundere.‘ Im Admiralspalast in Berlin brandet Gelächter und Applaus auf. Und auch Habeck kann sich an diesem Freitagabend in Berlin ein Grinsen nicht verkneifen.“

Laut dem Spiegel musste noch die Frage „geklärt werden, die seit Monaten in der Luft liegt und die darum kreist, ob es eines Tages doch noch einen Habeck in der aktiven Politik geben könnte“. Dazu erklärte der unbekümmert wirkende Politiker:

„Ich habe heute Abend ja deutlich gemacht, dass ich der Meinung bin, dass mein politischer Ansatz im Moment wenig Raum hat. Und deswegen mache ich jetzt andere Sachen.“

Der Kinderbuchautor darf nach seinem Scheitern im Regierungsviertel seit Oktober 2025 in Berlin in unregelmäßigen Abständen ein eigenes Talkformat am Berliner Ensemble betreiben und wird im Oktober dieses Jahres „ein neues Buch des Schriftstellers“ präsentieren, wie die ARD-Redaktion ankündigte.

Mehr zum Thema – „Ken & Barbie“ – Satire-Gedicht über Duo Habeck-Baerbock sorgt für Ärger im Auswärtigen Amt

Abbildung des Banners Meinung ist keine Straftat
Nach oben scrollen