Die russische Botschaft in Seoul hat an ihrer Fassade ein Banner mit der Parole „Der Sieg wird unser sein“ angebracht. Die südkoreanische Regierung wertete dies als unfreundliche Geste und forderte die Entfernung des großen Schriftzugs. Darüber berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Yonhap am Sonntag.
Die Beteiligung Nordkoreas an der militärischen Sonderoperation aufseiten Russlands macht die Kontroverse besonders heikel – ein Friedensvertrag zwischen Nord- und Südkorea wurde bis heute nicht unterzeichnet. Am Montagnachmittag (Ortszeit) hing das Banner weiterhin gut sichtbar an der Außenwand der Botschaft.
Der für Russland bedeutsame Slogan wurde am 22. Juni 1941 in Moskau ausgerufen, zu Beginn des Großen Vaterländischen Krieges, als Nazideutschland die Sowjetunion überfiel. Heute wird die Losung in Russland unter anderem zum arbeitsfreien Tag des Vaterlandsverteidigers am 23. Februar verwendet. Populär ist sie auch im Zusammenhang mit dem Stellvertreterkrieg gegen die NATO in der Ukraine.
Die südkoreanischen Behörden verurteilten das Anbringen des Banners an dem Gebäude. Das zuständige Ministerium erklärte, die Regierung vertrete den Standpunkt, dass die russische Sonderoperation in der Ukraine illegal sei. In Seoul äußerte man sich zudem zur verteidigungspolitischen Zusammenarbeit zwischen Moskau und Nordkorea und bezeichnete diese als „eindeutigen Verstoß gegen die Charta der Vereinten Nationen und die Resolutionen des Sicherheitsrates“. Das Außenministerium forderte ein Ende der militärischen Kooperation und erklärte, sie stelle eine Bedrohung für die Sicherheit Südkoreas dar.
Die russische Botschaft in Seoul erklärte hingegen, das Banner „Der Sieg wird unser sein“ habe historischen und feierlichen Charakter und richte sich gegen niemanden. Der Slogan stehe im Zusammenhang mit Gedenk- und Feiertagen im Februar und solle Landsleute einen. Bereits im vergangenen Jahr sei anlässlich des 80. Jahrestags des Sieges im Großen Vaterländischen Krieg ein Banner am Gebäude angebracht worden. Das aktuelle Transparent beziehe sich auf den Tag des Diplomaten (10. Februar) und den Tag des Verteidigers des Vaterlandes (23. Februar).
Wie die diplomatische Vertretung erklärte, wurde auf dem Banner ein in Russland geläufiger Ausdruck verwendet, der mit der Geschichte des Landes verbunden ist – etwa mit der Mobilisierung des sowjetischen Volkes in den Kriegsjahren und anderen prägenden Ereignissen. „Wir gehen davon aus, dass die Anbringung dieses Banners zur patriotischen Konsolidierung der Russen beiträgt und aufgrund der genannten historischen Konnotation niemanden beleidigen sollte“, erklärte die Botschaft. Sie fügte hinzu, das Anbringen von Bannern und Transparenten auf dem Gelände diplomatischer Vertretungen sei gängige Praxis. Journalisten wurde mitgeteilt, dass das Banner nur vorübergehend angebracht sei und nach Abschluss der Feierlichkeiten wieder entfernt werde.
PURL-Initiative: Russland warnt vor „irreparablem Schaden“
Die Republik Südkorea leistet – wie andere westliche Staaten – der Ukraine im aktuellen Konflikt mit Russland Unterstützung. Von Waffenlieferungen sah sie bislang ab und beschränkte sich auf den zivilen Bereich. Wie Yonhap am Freitag berichtete, prüft die Regierung jedoch eine Beteiligung Südkoreas am NATO-geführten Programm zur Waffenbeschaffung für die Ukraine, der sogenannten „Prioritized Ukraine Requirements List“ (PURL).
Das russische Außenministerium reagierte mit Verwunderung auf diese Nachricht. „Wir haben diese Meldung mit Überraschung aufgenommen, da solche Schritte […] im Widerspruch zur offiziellen Linie Seouls stehen, sich nicht an den Bemühungen des ‚Kollektiven Westens‘ zu beteiligen, die ukrainischen Streitkräfte mit Waffen und Munition zu versorgen“, erklärte die Pressesprecherin der Behörde, Maria Sacharowa, in einem Kommentar dazu.
Sie betonte, die russischen Behörden „schätzten diesen Ansatz“ und sähen darin eine Grundlage, um die bilateralen Beziehungen „vor einem weiteren Zusammenbruch“ zu bewahren. Eine Beteiligung Südkoreas an westlichen Initiativen zur Unterstützung der Ukraine werde den Beziehungen zwischen Moskau und Seoul „irreparablen Schaden zufügen“ und „die Aussichten auf eine Wiederaufnahme des konstruktiven Dialogs über die Probleme der koreanischen Halbinsel zerstören“, fügte Sacharowa hinzu.
Sollte sich die Republik Korea der NATO-Initiative PURL zur Bereitstellung von Mitteln für den Kauf von Waffen anschließen, werde Russland gezwungen sein, „von seinem Recht auf Gegenmaßnahmen, einschließlich asymmetrischer Maßnahmen, Gebrauch zu machen“, so Sacharowa.
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