Thüringens Ministerpräsident Mario Voigt hat am Mittwoch, dem 7. Oktober, seine Klage gegen die Aberkennung seines Doktortitels zurückgezogen. Der CDU-Politiker akzeptiert damit die Entscheidung der Technischen Universität Chemnitz, die ihm nach eingehender Prüfung seiner Dissertation bereits im Januar die Doktorwürde entzogen hatte. Wer angesichts einer solchen Vorgeschichte wenigstens ein Mindestmaß an Selbstkritik erwartet hätte, kennt offenbar den verlotterten Zustand der heutigen CDU-Vorderen immer noch nicht gut genug. Aber ganz ehrlich: Selbst hartgesottenen Pessimisten hat der gestrige Tag dahingehend noch einmal eine Lehre erteilt: es geht immer noch tiefer. Mario Voigt erklärte seinen Rückzug zu einem Akt politischer Verantwortung, seine Parteifreunde Michael Kretschmer und Hendrik Wüst applaudierten öffentlich und überboten sich mit Lobeshymnen. Was sich da innerhalb der CDU abspielt, lässt sich inzwischen kaum noch mit gewöhnlicher Parteisolidarität erklären. Es ist die fortschreitende Unfähigkeit einer politischen Führungsschicht, das eigene Verhalten überhaupt noch an den Maßstäben zu messen, die sie anderen unablässig predigt.
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