Was war zuerst da? Die Henne oder das Ei? Diese recht komplizierte Frage mag beim Huhn zutreffen, nicht jedoch bei Impfstoffen und den damit zu bekämpfenden Viren: Erst war das Virus da und danach wurden die Impfstoffe entwickelt. Bald jedoch könnte es jedoch umgekehrt laufen.

Mutter aller Impfstoffe im Anmarsch

Forscher der Universität Cambridge haben eine neuartige Impfstofftechnologie entwickelt, die nicht nur gegen bekannte Viren schützen soll – sondern auch gegen zukünftige Varianten und sogar noch unbekannte Krankheitserreger. Dass da natürlich die künstliche Intelligenz mitarbeitet versteht sich von selbst.

Bekanntlich können Viren sich schnell verändern und es ist schwierig es ist, Impfstoffe kontinuierlich an neue Varianten anzupassen. Bisher folgt die Impfstoffentwicklung meist einem reaktiven Prinzip: Erst taucht ein Virus auf, dann wird ein Impfstoff entwickelt.

Das Team um Professor Jonathan Heeney von der University of Cambridge verfolgt nun einen anderen Ansatz. Mithilfe von künstlicher Intelligenz analysierten die Wissenschaftler große Mengen genetischer Daten aus weltweiten Virusüberwachungsprogrammen. Ziel war es, gemeinsame Merkmale ganzer Virusfamilien zu identifizieren und daraus einen sogenannten „Super-Antigen“-Impfstoff zu entwickeln.

Das klingt nach einem möglichen Durchbruch. Allerdings lohnt sich ein genauer Blick auf die bisherigen Ergebnisse, denn diese Technologie befindet sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium.

Erste Tests am Menschen „erfolgreich“

Erste Studien am Menschen dienten vor allem dazu, die Sicherheit des Impfstoffs zu prüfen. Ob tatsächlich ein breiter Schutz gegen zukünftige Virusausbrüche erreicht werden kann, ist bislang nicht nachgewiesen. Dabei handelte es sich um den ersten bekannten Fall, bei dem ein vollständig durch KI entwickeltes Antigen in einer Humanstudie eingesetzt wurde. Die Ergebnisse zeigen, dass der Impfstoff sicher und gut verträglich sein soll. Die ausgelöste Immunantwort fiel zwar bislang nur moderat aus, doch die Forscher sehen darin einen wichtigen Machbarkeitsnachweis. Eine größere Folgestudie mit mehr als 200 Teilnehmern ist bereits geplant, um Wirksamkeit und Schutzwirkung genauer zu untersuchen.

Kann so eine „Universal-Impfstoff“ überhaupt wirken?

Auch der Begriff „Universalimpfstoff“ sollte mit Vorsicht betrachtet werden. In der Vergangenheit wurden ähnliche Konzepte bereits für Grippeviren oder Coronaviren vorgestellt, ohne dass daraus bisher ein umfassender Schutz gegen alle Varianten entstanden ist. Viren entwickeln sich ständig weiter und finden oft Wege, dem Immunsystem auszuweichen.

Superimpfstoff könnte Milliardengeschäft werden

Experten betonen zudem, dass Universalimpfstoffe bestehende Impfstrategien ergänzen würden, aber klassische Impfstoffe in naher Zukunft nicht ersetzen könnten. Der „Vorteil” für die Pharmaindustrie wäre, dass ein solcher Impfstoff prophylaktisch von der Politik verordnet werden könnte, um Pandemien aller Art im Vorfeld zu bekämpfen, ohne dass man eine spezielle Pandemie lostreten müsste. Und noch ein Vorteil wäre gegeben: Wenn er nicht wirkt, müsste man sich, anders als bei den aktuellen Corona-Impfungen, nicht herausreden und sagen, dass man das damals nicht wissen konnte. Schuld wäre dieses Mal die künstliche Intelligenz, die sich eben vertan hat.




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