Die Bundesregierung will den Verkauf des deutschen Logistikunternehmens Zippel an den chinesischen Staatskonzern Cosco verhindern. Das geht aus einem als „Verschlusssache – nur für den Dienstgebrauch“ eingestuften Vermerk der Bundesregierung hervor, der dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

In dem Dokument ist von „erheblichen Sicherheitsbedenken“ die Rede. Demnach besteht die Gefahr strategischer Abhängigkeiten, die „im Zuge politischer Verwerfungen als Druckmittel genutzt werden könnten“.

Eine endgültige Entscheidung über die Untersagung steht noch aus. Nach Informationen aus Regierungskreisen deutet jedoch vieles darauf hin, dass Cosco Zippel nicht übernehmen wird. Das Bundeswirtschaftsministerium wollte sich bislang nicht äußern, Zippel ließ eine Anfrage unbeantwortet. Nach Informationen des Handelsblatts hatte bereits die EU-Kommission das Bundeswirtschaftsministerium vor der Übernahme gewarnt.

Bei Zippel will Cosco nun mit 80 Prozent die Mehrheit übernehmen. Anders als beim Einstieg in den Hamburger Hafen scheint sich die Bundesregierung diesmal weitgehend einig zu sein, die Übernahme zu verhindern, so das Handelsblatt. Neben dem federführenden Wirtschaftsministerium haben sich auch das Außen-, Verteidigungs-, Innen- und Finanzministerium für eine Untersagung ausgesprochen.

Chinesische Staatsunternehmen zeigen zunehmend Interesse an strategischen Unternehmen und Logistikfirmen in Europa. In Brüssel und Berlin wird daher geprüft, welche Auswirkungen solche Übernahmen auf die Sicherheit und die Lieferketten haben könnten. In den vergangenen Jahren wurden bereits mehrere chinesische Investitionen aus „Sicherheitsgründen“ untersagt. Der aktuelle Fall betrifft nach Angaben der Bundesregierung die deutsche Logistik und damit auch Bereiche, die für die Verteidigungsfähigkeit relevant sind.

Zippel ist ein Hamburger Logistikunternehmen mit rund 80 Millionen Euro Jahresumsatz und 210 Beschäftigten. Es transportiert Container von den Nordseehäfen zu Industrie- und Handelszentren. Insgesamt hat das Unternehmen einen geringen Marktanteil, ist jedoch an den Terminals in Berlin, Schkopau und Elsterwerda mit 35 bis 90 Prozent am Containerumschlag beteiligt. Zippel spiele auch für die logistische Unterstützung der Bundeswehr eine wichtige Rolle, hieß es vom Verteidigungsministerium.

Neben einem möglichen Verbot wird nun geprüft, ob Cosco den Kauf zurückziehen könnte. Offenbar konnte die Bundesregierung das Unternehmen bislang jedoch nicht dazu bewegen. Hintergrund ist auch der angespannte Handelskonflikt zwischen der EU und China. Brüssel will die heimische Industrie vor chinesischen Billigimporten schützen, fürchtet zugleich aber mögliche Gegenmaßnahmen Pekings, etwa bei wichtigen Rohstoffen. Ein Veto gegen Cosco könnte die Verhandlungen zusätzlich erschweren.

Der chinesische Staatskonzern Cosco zählt zu den größten Logistikunternehmen der Welt und baut seine internationale Präsenz seit Jahren aus. Im Jahr 2023 erwarb Cosco eine Beteiligung am Hamburger Containerterminal Tollerort. Der Einstieg sorgte innerhalb der damaligen Bundesregierung für Streit. Während Grüne und FDP den Deal ablehnten, befürwortete der damalige Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) die Beteiligung. Schließlich wurde Coscos Anteil auf 24,9 Prozent begrenzt.

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