Hinter dem politischen Theater mit dem Narrativ der vermeintlichen „Spaltung zwischen USA und EU-Europa” versteckt sich die aggressive Politik der US-Kriegspartei mit Konsolidierung ihrer Kontrolle über ihre zahlreichen Domestiken, wozu neben EU-Europa auch noch andere zählen.

Der Artikel von Brian Berletic auf Deutsch, veröffentlicht
von NEO am 2. Februar 2026 in der englischer Erstfassung

Westliche Medien verbreiten das Narrativ, wonach die Vereinigten Staaten aufgrund ihres Anspruchs auf Grönland neben Dänemark auch noch Kanada herausfordern und bedrohen würden. Es wurden Artikel mit Geschichten verbreitet, die Europa und Kanada unterstellen, sie würden nach Instrumenten und Gegenmaßnahmen gegen Washington suchen, um Schutz zu finden, bis hin zu Vorbereitungen für einen „Guerillakrieg“ gegen potenziell einfallende US-Streitkräfte zur Wahrung ihrer Souveränität:

In Wirklichkeit wird nichts dergleichen geschehen!

Die Möglichkeit, tatsächlich gegen die Vereinigten Staaten vorzugehen, wurde eilfertig aufgegeben, indem die EU durch ihren jüngsten Entscheid, ein „vollständiges Verbot russischer Gasimporte bis 2027” verabschieden liess.

Besagtes Verbot bedeutet, dass die EU auf jede Alternative gegen die wachsende Abhängigkeit von US-LNG-Importen vollständig verzichtet, sodass die Vereinigten Staaten künftig einen überproportionalen Einfluss auf die EU-Mitgliedstaaten in Bezug auf praktisch alle Fragen der Aussen- und sogar Innenpolitik werden ausüben können. Im Falle einer tatsächlichen wachsenden Spaltung hätte die EU-Führung einen solche Option niemals leichtfertig aufgegeben, …

… es sei denn, eine solche Spaltung hätte nie existiert!

Eine Frage der Wahrnehmungs-Steuerung

Stattdessen geht es um die Frage der Wahrnehmungssteuerung, welche darauf abzielt, die gesamte westliche Öffentlichkeit auf das angekündigte Netzwerk zur sogenannten „Arbeits- & Lastenteilung“ einzustimmen. Das brauchte die Trump-Regierung nur fortzusetzen, nachdem dieses Konzept schon unter der Biden-Administration davor Gestalt annahm.

In der Amtsperiode von Biden wurde die erste „Nationale Verteidigungs-Industrie-Strategie“ herausgegeben. In diesem Papier wird eingestanden, dass die USA nicht in der Lage wären, mit der militärischen Industrieproduktion Russlands, geschweige mit der von China, mithalten zu können. Es wäre hingegen notwendig, durch Kontrolle über das riesige Netzwerk der „Verbündeten – und Partner“ die kollektiven Ressourcen, industrielle Kapazitäten und das militärische Potential zu bündeln, …

… um damit der wachsenden Macht Russlands und Chinas auf allen relevanten Bereichen entgegenzutreten!

Unter der Überschrift „Engagement von Verbündeten und Partnern zur Ausweitung der globalen Verteidigungsproduktion und Erhöhung der Widerstandsfähigkeit der Lieferkette“ heißt es in dem Papier aus der Biden-Ära:

„Die globalen Aktivitäten zur Bekämpfung von Bedrohungen erfordern zunehmend einen globalen Ansatz in Bezug auf Beziehungen, Erfordernisse und Wettbewerb der Verteidigungsindustrie. Internationale Verbündete und Partner, die jeweils über eine eigene robuste Verteidigungsindustrie verfügen, werden auch weiterhin Eckpfeiler im Konzept der integrierten Abschreckung des Verteidigungsministeriums bleiben. Tatsächlich ist das globale System von Allianzen und Partnerschaften von zentraler Bedeutung für die NDS [National Defense Strategy], welche die Einbeziehung von Verbündeten und Partnern in jede Phase der Verteidigungsplanung vorsieht. Solche Verbindungen und Beziehungen werden auch weiterhin Eckpfeiler der integrierten Abschreckung bleiben, um bekannten und neu auftretenden Bedrohungen zu widerstehen und sie gegebenenfalls zu bekämpfen.“

Im Papier heißt es weiter:

„Die Vereinigten Staaten verfügen über ein komplexes Netz an Allianzen und Partnerschaften auf der ganzen Welt, das sich für Friend-Shoring [Abstützung bei Domestiken] eignet; eine unvollständige Liste umfasst Australien, Kanada, die Europäische Union, Indien, Israel, Japan, Mexiko, Südkorea, Taiwan und das Vereinigte Königreich.“

Das Papier definiert „Friend-Shoring“ als „einen Prozess, bei dem Verbündete und Partner in die Produktion und Verarbeitung kritischer und strategischer Materialien und Güter einbezogen werden.“

Dieses Konzept der USA, um ihr Netz an „Friend-Shoring“-Partner auszuschlachten, um damit die Limitierungen ihrer eigenen Rüstungsproduktion zu kompensieren und in den Ausbau ihrer eigenen militärischen Kapazitäten einbeziehen zu lassen, wurde unter der nachfolgenden Trump-Regierung weitergeführt – wenn nicht sogar beschleunigt.

In der Direktive vom Februar 2025, welche US-Kriegsminister Pete Hegseth in Brüssel an EU-Europa ausgab, machte man deutlich, dass insbesondere jeder EU-Mitgliedstaat seine Verteidigungsausgaben von 2% auf 5% des BIP zu erhöhen hätte, worauf sich im Anschluss alle europäischen Nationen schnell einigen konnten.

US-Kriegsminister Hegseth forderte von Europa weiters:

  • Truppen für den Ukraine-Einsatz vorbereiten zu lassen, um sicherzustellen, dass jedes Einfrieren der Kämpfe dauerhaft bliebe.
  • mehr für Munition und Ausrüstung“ zu spenden und seine industrielle Verteidigungsbasis ausbauen zu lassen –

Seither hat Europa diese Schritte umgesetzt, …

… entgegen allen Behauptungen zur vermeintlich wachsenden „US-Europa-Spaltung“!

Schließlich stellte US-Kriegsminister Hegseth noch klar, dass die USA EU-Europa inmitten ihres eigenen Stellvertreterkrieges gegen Russland nicht im Stich lassen würden, sondern vielmehr eine „Arbeitsteilung etablieren werden, die unsere komparativen Vorteile in Europa und im Pazifikraum jeweils maximiert”. Er räumte ein, dass die USA China im Raum des „Indo-Pazifik“ Vorrang einräumen müssten und „die Realität des Mangels“ anzuerkennen hätten, was die gleichzeitige Konfrontation der USA gegen Russland und China anginge.

Gegen Ende desselben Jahres veröffentlichte die Trump-Administration ihre „Nationale Sicherheitsstrategie“, die einen ganzen Abschnitt dem Titel „Lastenteilung und Lastverlagerung»“widmete. Darin wird die Notwendigkeit herausgestrichen, die „Verbündeten und Partner“ der USA zu nutzen, um die eigenen begrenzten US-Kräfte ergänzen zu lassen.

In dem Dokument heißt es weiter:

„… die Vereinigten Staaten werden ein Netzwerk zur Lastenteilung organisieren, wobei unsere Regierung als Aufsichtsorgan und Unterstützer fungiert.

Dieser Ansatz stellt sicher, dass die Lasten geteilt werden und dass alle derartigen Bemühungen von einer breiteren Legitimität profitieren. Das Modell wird auf gezielte Partnerschaften ausgerichtet sein, die wirtschaftliche Instrumente einsetzen, um Anreize aufeinander abzustimmen, Lasten mit gleichgesinnten Verbündeten zu teilen und auf Reformen zu bestehen, die langfristige Stabilität gewährleisten. Diese strategische Klarheit wird es den Vereinigten Staaten ermöglichen, feindlichen und subversiven Einflüssen effizient entgegenzuwirken und gleichzeitig eine Überdehnung und diffusen Fokus zu vermeiden, welche frühere Bemühungen untergraben haben.”

Dieses „Netzwerk zur Lastenteilung“ zur Nutzung untergeordneter Nationen und Regionen durch die USA dient zur Erweiterung ihres eigenen militärischen, wirtschaftlichen und industriellen Potentials, um außenpolitische Ziele auf Kosten besagter [untergeordneter] Nationen und Regionen erreichen zu können.

Dies hat sich bereits in Form gemeinsamer Waffenproduktionen oder durch Ausweitung gemeinsamer Waffenproduktionsprogramme manifestiert, bei denen Länder wie Deutschland oder Japan US-konstruierte Waffen wie das Patriot-Raketenabwehrsystem oder Munition für US-amerikanische Mehrfachraketenwerfer in Serie produzieren lassen bzw. dies in Kürze tun wollen, …

… um die Unfähigkeit der USA zu kompensieren, die militärische Industrieproduktion im eigenen Land ausreichend auszuweiten!

Japan, das seit 2008 in relativ geringem Umfang Patriot-Raketen herstellt, hat kürzlich seine Produktion verdoppeln lassen und sogar damit begonnen, diese Raketen ab 2024 zurück in die Vereinigten Staaten zu exportieren, als direkte Reaktion auf die Limitierungen der militärischen Industrieproduktion der USA, wie es im laufenden Stellvertreterkrieg in der Ukraine offenkundig wurde.

Seit der Amtsaufnahme der Trump-Administration wird versucht diesen Konsolidierungsprozess zu beschleunigen mit …

  • … Vorschlägen zur radikalen Neufassung von US-Gesetzen wie auch denen ihrer „Verbündeten.“
  • … offener Bekundung des Wunsches, Gebiete (Grönland, Venezuela) und Einrichtungen (Häfen in der Nähe des Panamakanals), die als notwendig erachtet werden, um China und Russland offen zu konfrontieren, unverblümt einzuverleiben.

In einem CNN Artikel vom April 2025 wurde das Interesse der USA erwähnt, südkoreanische Werften für den Bau und die Reparatur von US-Kriegsschiffen zu nutzen, zumal die Kapazitäten der USA im Bereich Schiffbau und Schiffsreparatur über Jahrzehnte hinweg drastisch zurückgefahren wurden und es ihnen nicht mehr möglich sei, den Rückstand gegenüber China aus eigener Kraft aufzuholen – wie im Strategiepapier zur nationalen Verteidigungsindustrie der Biden-Ära eingestanden.

Der CNN-Artikel wies darauf hin, dass südkoreanische Werften bereits US-Kriegsschiffe „im Einsatzgebiet” reparierten, d. h. im asiatisch-pazifischen Raum, wo die USA versuchten, China einzukreisen und einzudämmen. Derselbe Artikel erwähnt die Notwendigkeit, die aktuellen US-Gesetze zu ändern, die es ausländischen Nationen (wie Südkorea) verbieten sollen, US-Kriegsschiffe zu bauen, welche die USA selbst nicht bauen können und auch in Zukunft nicht bauen würden.

Länder wie Japan und die Philippinen umgehen ihre nationalen Gesetze, um sowohl eine stärkere Präsenz des US-Militärs auf ihrem Territorium zu ermöglichen als auch ihren eigenen Streitkräften eine partizipativere und aktivere Rolle zum Voranbringen der US-Außenpolitik im Hinblick auf die Konfrontation und Eindämmung Chinas in der Region zu verschaffen.

Damit untergraben beide Länder zwar die regionale Stabilität, welche für ihren eigenen Frieden und Wohlstand sowie ihre jeweiligen Beziehungen zu China selbst erforderlich wäre, denn für beide Länder zählt China zum größten und wichtigsten Handelspartner.

Inzwischen bereitet sich Europa darauf vor, sich einem ähnlichen …

… Zwangsregime zu unterwerfen, um die außenpolitischen Ziele der USA auf europäische Kosten vorantreiben zu lassen!

Im Hinblick auf den laufenden Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland in der Ukraine seit 2014 sollen diese Verpflichtungen [von Europa gegenüber der USA] in Zukunft in einem noch wesentlich höheren Mass erbracht werden.

Europa hat bereits eine Rolle im Stellvertreterkrieg der USA gegen Russland sowie zur laufenden Politik der USA gespielt, um China einzukreisen und einzudämmen – sowohl durch direkte Maßnahmen gegen Russland und China als auch durch die Unterstützung der USA bei politischer Einmischung, Stellvertreterkriegen und der politischen Vereinnahmung und Zerstückelung von Nationen, die mit Russland und China zusammenarbeiten.

EU-Europas Teilnahme an dieser US-Politik hat die Region selbst in ihren eigenen unaufhaltsamen Niedergang geführt:

  • mit Zusammenbruch der gesamten Industrie aufgrund steigender Energiekosten,
  •  mit Zusammenbruch sozialer Programme, da immer größere Summen öffentlicher Gelder zur Finanzierung des Stellvertreterkriegs Washingtons gegen Russland in der Ukraine abgezweigt werden müssen,
  • mit dem möglichen Zusammenbruch Europas selbst, zumal die Aussicht auf eine direkte Konfrontation zwischen Europa und Russland gegenüber der europäischen Öffentlichkeit zunehmend als Notwendigkeit und Unvermeidbarkeit dargestellt wird.

Die Ukraine selbst ist ein Mikrokosmos dieses umfassenderen „Lasten-Umverteilungs-Netzwerkes“, in dem die Stellvertreter der USA gezwungen werden, ihre eigenen objektiven Interessen aufzugeben, um auf eigene Kosten den Interessen der USA zu dienen. Das politische System der Ukraine wurde 2014 von den USA unter Gewaltanwendung gestürzt und durch ein US-freundliches Regime ersetzt, …

… mit dem einzigen Ziel, die Ukraine seither in einen Rammbock gegen das benachbarte Russland verwandeln zu lassen!

Was das erweiterte Europa betrifft, so haben die USA in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg den Kontinent politisch vereinnahmt und die nationalen Zentren der politischen und wirtschaftlichen Macht durch die zentrale Bürokratie der Europäischen Union ersetzen lassen, wobei …

… ureigene Interessen der europäischen Bevölkerung regional und gesamt durch US-Sonderinteressen ausgeschaltet wurden!

Dies umfasst alles – von der Führung von Angriffskriegen an der Seite der USA innerhalb Europas (Serbien und jetzt die Ukraine) und weit darüber hinaus (Afghanistan, Irak, Libyen und Syrien) bis hin zur Unterordnung und sogar Aufopferung seines wirtschaftlichen Reichtums, um die Volkswirtschaften der Zielstaaten, von Irak und Iran bis hin zu Russland und China, zu isolieren und kaputt zu kriegen.

Während Erklärungen für das Verhalten der EU-Führung sich in ideologischen oder politischen Obsessionen oder in der vermeintlich jüngsten Kluft zwischen einer „konservativen“ US-Regierung und einer „liberalen“ politischen Ordnung der EU erschöpfen, ist die Antwort viel einfacher: Genau wie im Fall der Ukraine, wo ein von den USA eingesetztes Marionettenregime an die Macht gebracht wurde – zu welchem Preis auch immer – um ausschließlich den Interessen der USA zu dienen, wurde Europa aus genau demselben Grund unter die EU gebracht. Die EU-Führung wurde von derselben US-amerikanischen Interessensvertretungen an die Macht gebracht, geprägt, gelenkt und vorangetrieben, gleich der amerikanischen Außen- und Innenpolitik, unabhängig vom Preis, für den dann nur der durchschnittliche amerikanische Bürger aufzukommen hat.

Auch wenn die EU-Führung das Narrativ einer sich vertiefenden «Spaltung zwischen den USA und Europa» nach aussen verkauft, um die Übertragung eines größeren Anteils öffentlicher Mittel für Washingtons Stellvertreterkrieg gegen Russland zu rechtfertigen, konsolidiert sie weiterhin ihre Macht auf Kosten der einzelnen Mitgliedstaaten mit dem alleinigen Ziel, diese Macht an die USA weiter zu verschieben und in deren Dienste zu stellen –

… das Verbot russischer Gasimporte ist nur eines von vielen aktuellen dazu passenden Beispielen!

Solange nicht mehr Journalisten, Analysten sowie Vertreter der Öffentlichkeit das politische Theater zur Kontinuität der Agenda entlarven und ihre Analysen auf deren materielle Realitäten reduzieren – wodurch die simple Struktur des modernen amerikanischen Imperiums offengelegt würde – wird dieser destruktive Prozess sowohl die Länder der multipolaren Welt als auch den Westen selbst weiter untergraben und zerstören.

Die Zeit wird zeigen, ob die multipolare Welt diesen Prozess als das entlarven kann, was dieser darstellt und in der Lage sein wird, eine überzeugendere Vision für eine gemeinsame Zukunft der Welt zu präsentieren. In der Zwischenzeit muss gelten sich selbst und aufstrebende Mitstreiter zu verteidigen im globalen Krieg, den Wall Street und Washington gegen die multipolare Welt führen und eskalieren lassen!

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

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Zum Autor:
Brian Berletic ist ein in Bangkok ansässiger Autor und Analyst für Geopolitik und betreibt seinen eigenen Telegram Kanal „New Atlas“.

NEO, New Eastern Outlook, veröffentlichte den Artikel im englischen Original: HIER



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