Von Jewgeni Krutikow
Russlands Verteidigungsministerium hat die Befreiung von Nowoandrejewka im Gebiet Saporoschje bekannt gegeben. In der entsprechenden Meldung heißt es dazu:
„Die Befreiung von Nowoandrejewka schafft Bedingungen für den weiteren Vormarsch russischer Einheiten am Frontabschnitt Orechow der Sonderoperation.“
Die Behörde merkte an, dass ukrainische Truppen aus den Häusern von Nowoandrejewka mithilfe von Granaten sowie punktuellen Drohnenangriffen vertrieben werden mussten. Die Gebäude wurden von russischen Stoßtrupps gestürmt.
Die Befreiung von Nowoandrejewka folgte praktisch unmittelbar auf die Meldung über die Einnahme des Dorfes Nowopawlowka, das etwas weiter nördlich liegt und faktisch die Einfahrt nach Orechow aus dem Norden deckt, unter anderem über die Straße N-08. Sollten sich russische Streitkräfte in den beiden Orten endgültig befestigen, könnte man davon sprechen, dass die Ukraine keine Chance mehr hat, Orechow zu halten. Dabei war diese Stadt jahrelang als wichtigster Verteidigungsknoten am Frontabschnitt Saporoschje befestigt worden.
Parallel dazu besetzten Russlands Streitkräfte das Dorf Tscherwonaja Kriniza östlich von Orechow. Die Stellungen rund um das Dorf wurden vom ukrainischen Militär als Drohnen- und Artillerieleitstände zur Deckung von Orechow und Malaja Tokmatschka genutzt. Der Vorstoß nach Tscherwonaja Kriniza führte dazu, dass die ukrainische Verteidigung am Perimeter von Orechow die Unterstützung von Drohnen und Artillerie verlor. Dadurch rückten die russischen Vorkräfte bereits ins Dorf Preobraschenka ein – faktisch einen östlichen Vorort von Orechow am anderen Ufer des Flusses Konka.
Ebenso wurde die Stellung der russischen Truppen rund um Malaja Tokmatschka und zwischen diesem Dorf und Orechow an der Stelle des ersten erfolgreichen Durchbruchs vor wenigen Wochen verbessert. Das ukrainische Militär versuchte, die Höhen zwischen Malaja Tokmatschka und Orechow zu halten, und errichtete dort eine große befestigte Stellung. Zuvor waren diese ukrainischen Positionen faktisch eingekesselt worden, hatten aber noch verteidigt werden können. Dies hatte die Schaffung eines vollwertigen Aufmarschgebiets für den Sturm der Stadt verhindert. Inzwischen wurden die letzten ukrainischen Einheiten von diesen Stellungen vertrieben.
Zuvor waren Meldungen erschienen, wonach russische Stoßtrupps durch einen Überraschungsangriff nach Orechow von Süden und Südosten eingerückt waren, also aus der Richtung Malaja Tokmatschka. Der Sinn des Vorstoßes bestand darin, bei einer Fortsetzung lokaler Kämpfe um einige ukrainische Befestigungen in Malaja Tokmatschka durch einen Flankenmanöver zwischen Malaja Tokmatschka und Orechow vorzustoßen und damit gleich zwei Halbkessel für die ukrainischen Verteidigungsstellungen zu schaffen.
Dank dieses Manövers gelang es Russland, innerhalb von zwei Tagen Malaja Tokmatschka von ukrainischen Truppen zu säubern, die wichtigsten ukrainischen Verteidigungsstellungen einzukesseln und den Stadtrand von Orechow zu erreichen.
Der ukrainische Widerstand nahm zunehmend ab, und bald wurde es klar, dass die Stoßtrupps der russischen 58. Armee bis zur Hälfte der Stadt kontrollieren. Stand Mitte September kontrollieren Russlands Streitkräfte bereits zwei Drittel Orechows, während das restliche Stadtgebiet in die graue Zone überging.
Gleichzeitig gab es keine Meldungen über einen massenhaften Rückzug ukrainischer Truppen aus Orechow, mit Ausnahme des Übergangs einiger versprengter Verbände ans andere Flussufer. In der Stadt selbst gibt es keine geeigneten Verteidigungsstellungen. Bis zu 80 Prozent des Stadtgebiets sind zerstört, Industriegebiete gibt es nicht.
Die einzige Position, an der sich ukrainische Verbände und Drohnenpiloten noch halten können, ist die Windung des Flusses Konka etwas nördlich der Stadt. Die wichtigsten Artillerie- und Drohnenleitstände zur Verteidigung Orechows waren indessen nördlich und nordwestlich der Stadt ausgelagert worden.
Nachdem diese durch die Einnahme Tscherwonaja Krinizas verloren gegangen waren, verlegte die Ukraine ihre Reserven weiter nördlich, ins Umland des Dorfes Tawritscheskoje. Gerade dieses Dorf wird nun möglicherweise zur neuen Verteidigungslinie für jene ukrainische Einheiten, die sich gegenwärtig auf der Reservelinie noch weiter nördlich befinden – im Flusstal der Konka bei Kamyschewacha.
Dabei wurde die Versorgung der in Orechow und nördlich davon verbliebenen ukrainischen Einheiten gänzlich eingestellt. Die Einnahme von Nowoandrejewka und Nowopawlowka führte zu einer Einkesselung der Stadt und einer Einstellung des Verkehrs über die Straße N-08 und die sogenannte Zauberstraße, die parallel dazu westlich der Eisenbahnlinie verläuft.
Für Orechow läuft der Countdown. Im Grunde wäre es für das ukrainische Militär vernünftig, die Stadt aufzugeben und nicht zu versuchen, sich an den schwachen Stellungen nördlich des bebauten Gebiets in Preobraschenka festzuhalten und dabei seine letzten Reserven aufzureiben.
Ursprünglich stützte sich die Verteidigung von Orechow auf ein festes äußeres Perimeter, zu dem sowohl Malaja Tokmatschka als auch die umliegenden Höhen als auch das monumentale Gebäude der lokalen Strafkolonie gehörten. Überhaupt sind Gefängnisse und Strafkolonien sowjetischer Bauart ideale Verteidigungspositionen, die gerade zu diesem Zweck gebaut wurden. Inzwischen erscheinen die Versuche, die Stadt nach dem Verlust des äußeren Verteidigungsperimeters zu halten, immer sinnloser.
Parallel zur erfolgreichen russischen Offensive bei Orechow kam die gesamte Front bis zum Ufer des Dnjepr im äußersten Westen des Gebiets in Bewegung. Einheiten des russischen Truppenverbands Dnjepr sind entlang ihres gesamten Frontabschnitts in der Offensive. So rücken russische Truppen in Richtung von Lukjanowka und Pawlowka vor, während die Ukraine widerwillig den Verlust von Malyje Schtscherbaki und Schtscherbaki eingeräumt hat. Ebenso erzielten Russlands Streitkräfte erhebliche Geländegewinne um Stepnogorsk.
Somit ist die Operation zur Befreiung Orechows, die ursprünglich wie ein lokaler Zug erschienen war, allmählich zu einer großen Offensive herangewachsen, die die gesamte ukrainische Front auf breiter Linie zum Einsturz bringen könnte. Nach jüngsten Angaben versuchen versprengte ukrainische Einheiten, aus dem nördlichen Teil Orechows über den Fluss Konka nach Preobraschenka abzurücken, wohin bereits russische Streitkräfte eingedrungen sind.
Das heißt, dass weiterer Widerstand in Preobraschenka selbstmörderisch ist. Nach dem endgültigen Aufreiben des gesamten ukrainischen Truppenverbands um Orechow können beträchtliche Kräfte zweier russischer Armeen ins freie Manövriergelände sowohl im Flusstal der Konka als auch nach Nordwesten bis zum Dnjepr vordringen.
Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen bei der Zeitung Wsgljad am 17. September.
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