Sogar Michel Friedman war unter ihnen. Er hielt eine Festrede, die einer Form von Ablasshandel glich. Seine Gemeinde erhielt eine temporäre Linderung der Nazi-Schuld, während Friedman seinen grenzenlosen Narzissmus befriedigen konnte. Parallelen zu Wagners Werk drängen sich auf. Da wäre zum einen die Wunde des Amfortas aus dem „Parsifal“, die sich nie schließen wird. Die Vertreter „unserer Demokratie“ lassen sich ohne Weiteres mit den Göttern aus dem „Ring des Nibelungen“ identifizieren. Sie wissen, dass ihre Macht zu Ende geht. Da hilft auch keine Brandmauer mehr, denn die Realität in unserem Land lässt sich nicht ewig verdrängen. Ein Symbol dafür ist der Grüne Hügel in Bayreuth, auf dem jährlich die Festspiele stattfinden. In den letzten Jahren wurde er förmlich zu einer Festung ausgebaut. Selbst die kleinsten Eingänge des Parks sind mit Merkelpollern oder anderen Sicherheitsapparaturen ausgestattet. Beim Betreten des Bereichs beschleicht einen das Gefühl, einen Hochsicherheitsbereich für westliche Kultur zu betreten. Hinzu kommt, dass der dortige Geldautomat, der stets verfügbar war, im letzten Jahr gesprengt wurde und nicht wieder installiert werden soll. Über die Friedmann-Rede wurde bereits ausführlich berichtet Michel Friedman und die große Bayreuther Moralinszenierung). Im Folgenden soll es um die diesjährigen Neuinszenierungen gehen.
Der Beitrag Bayreuth und „unsere“ Demokratie erschien zuerst auf Tichys Einblick.
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