Der Junge, der in Hamburg bereits vor drei Monaten festgenommen wurde, stammt aus den Niederlanden. Seine Mutter hatte ihn im Juni dort als vermisst gemeldet. Aufgegriffen wurde er in der Balduinstraße in St. Pauli – allerdings im Besitz einer Pistole samt 50 Patronen.

Der Junge, so wurde mittlerweile bekannt, war nicht einfach ausgerissen. Er war wohl über Snapchat von einer 26-Jährigen angeworben worden, um einen Mordanschlag auf ein Mitglied der Hells Angels zu verüben.

Eigentlicher Auftraggeber soll der Al-Zein-Clan gewesen sein, der auch in Berlin und im Ruhrgebiet aktiv ist. Es handelt sich, wie bei der Familie Remmo, um eine türkisch-kurdische Familie aus dem Libanon. Das Familienoberhaupt, Mahmoud Al-Zein, reiste nach mehreren Haftstrafen 2021 freiwillig in die Türkei aus.

Da ein 13-Jähriger in Deutschland nicht strafmündig ist, wurden keine Ermittlungen gegen ihn aufgenommen, sondern er wurde den niederländischen Behörden übergeben (in den Niederlanden liegt das Alter der Strafmündigkeit bei zwölf).

„Auf Basis bisheriger Ermittlungen gehen wir davon aus, “ so eine Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, „dass das Kind zuvor den Auftrag erhalten hatte, eine Person in Hamburg zu töten.“ Zum mutmaßlichen Opfer machte die Staatsanwaltschaft keine Angaben.

Die Festnahme des 13-Jährigen steht nach Angaben mehrerer Medien in Verbindung mit dem Mord an zwei Männern, die Anfang des Monats auf St. Pauli erschossen wurden. Diese beiden Männer werden wohl den Hells Angels zugerechnet. Auch auf dem Handy des Jungen fand sich die Privatadresse eines Mitglieds der Hells Angels; dieser befand sich jedoch zu diesem Zeitpunkt gerade in Haft. Allerdings hat eine weitere Person am 15. August dann tatsächlich einen Mordanschlag auf ihn verübt. Bekannten in den Niederlanden hatte der Junge vor seinem Verschwinden erklärt, er solle einem Mann ins Bein schießen.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt wegen des Verdachts der versuchten Anstiftung zu einem Tötungsdelikt gegen Unbekannt.

Eine derartige Anwerbung über das Internet scheint sich gerade in kriminellen Strukturen durchzusetzen – in Berlin stehen derzeit drei türkische Männer vor Gericht, die ebenfalls auf diese Weise angeworben wurden, um für die „türkischen Daltons“ einen Anschlag zu verüben. Der Einsatz von Kindern für Mordanschläge ist bei lateinamerikanischen Kartellen verbreitet und wurde in den letzten Jahren von schwedischen Gangs übernommen.

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