Von Hans-Ueli Läppli

Über Russland wird in den Schweizer Medien täglich berichtet. Sanktionen, Wladimir Putin, die Ukraine, Energie, Wirtschaft und die Beziehungen zwischen Moskau und dem Westen. Kaum ein internationales Thema wird in den Redaktionen so intensiv und kontrovers behandelt.

Kritische Berichterstattung über Russland ist selbstverständlich legitim. Doch gerade bei einem derart polarisierten Thema lohnt sich der zweite Blick: Was steht tatsächlich im Artikel? Welche Quellen werden verwendet? Welche Fakten fehlen? Und wo wird aus Berichterstattung bereits Interpretation?

Genau hier setzt Anti-Tagi an. Die neue Medien-Watchdog-Kolumne von RT DE nimmt die Schweizer Berichterstattung über Russland unter die Lupe. Wir prüfen Schlagzeilen, hinterfragen Narrative, vergleichen Darstellungen und schauen genauer hin, wenn politische Sprachakrobatik oder ideologische Scheuklappen die Fakten zu überlagern drohen.

Anti-Tagi ist dabei kein „Gegen-Tagi“. Wir behaupten nicht automatisch das Gegenteil. Wir prüfen, vergleichen und widersprechen dort, wo es etwas zu widersprechen gibt.

Nicht einfach nachplappern. Nachprüfen!

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Blick: Heute die Entscheidung – oder vielleicht doch erst übermorgen?

Beim „sensationsgeilen“ Blick ist inzwischen kaum noch klar, welche Prognose eigentlich gelten soll: Mal steht die „russische Niederlage“ unmittelbar bevor, dann ist sie „sicher“ – wenige Tage später entscheidet plötzlich wieder die „finale Schlacht“, gefolgt von „finale Schlacht-2“ und „diesmal-ganz-sicher finale Endschlacht-3“. Das erinnert eher an „Fast & Furious“: Teil für Teil wird die Fortsetzung angekündigt, nur das Ende bleibt aus.

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Dazu die schrille „Eilmeldung“-Optik: roter Hintergrund, riesige Zahlenbalken und maximaler Alarmismus – irgendwo zwischen „Nachrichtenredaktion“ und Rotlichtmilieu an der Zürcher Langstrasse am Freitagabend. Statt einer seriösen Experten-Analyse gibt es vor allem „Wirtschaft kaputt“, „ausgeblutete Wirtschaft“ und „Niederlage“ – möglichst dramatisch, möglichst rot und möglichst klickstark.

NZZ lügt wieder: Gujer macht Russland zum Täter

Gujers Leipzig-Kommentar liest sich weniger wie eine nüchterne Analyse als wie eine publizistische Bewerbung für Deutschland: Aus einem bislang ungeklärten Vorfall macht der abgehende NZZ-Chef kurzerhand einen „militärischen Angriff“ Russlands und liefert damit genau jene Gewissheit, die auch in deutschen Leitmedien gut ankommt.

Statt abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben, steht der Schuldige für Gujer bereits fest. Wer künftig nördlich des Rheins Karriere machen will, muss schließlich schon vor dem Anpfiff zeigen, dass er die deutschen Spielregeln verstanden hat.

Dank Gujer ist die NZZ langsam, aber sicher zum woken Tages-Anzeiger 2.0 geschmolzen und hat dabei einen großen Teil ihrer einstigen journalistischen Seriosität verspielt. Was früher für Distanz, Skepsis und sorgfältige Einordnung stand, wirkt heute zunehmend wie ideologisch gefärbter Meinungsjournalismus: große Schlagzeilen, schnelle Urteile und wenig Interesse an der Frage, was tatsächlich belegt ist.

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SRF: Das Blaue vom Himmel – aber nur bei der AfD

Und dann kommt SRF. Unter dem harmlos klingenden Titel, im Wahlkampf werde „das Blaue vom Himmel versprochen“, wird kräftig zugespitzt. Denn gemeint ist am Ende hauptsächlich eine Partei: die AfD.

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SRF hat Ökonomen beauftragt, das Wahlprogramm der AfD durchzurechnen. Das Ergebnis wird nicht etwa nüchtern als ökonomische Modellrechnung präsentiert, sondern zur politischen Botschaft zugespitzt:

Die AfD verspreche den Wählern das Blaue vom Himmel.

Das ist die klassische SRF-Methode: Erst eine wissenschaftlich klingende Untersuchung, dann die passende politische Schlagzeile. Aus Annahmen, Modellrechnungen und politischen Programmpunkten wird ein vermeintlich objektives Urteil über eine Partei.

Defamierung der AfD – SRF-Style, 100 Prozent.

Und als wäre das nicht genug, macht sich SRF am Schluss auch noch darüber lustig, dass die AfD Fanartikel verkauft. Der öffentlich-rechtliche Sender liefert also nicht nur die politische Einordnung gleich mit – sondern auch noch den Spott dazu.

Interessant ist dabei vor allem die Doppelmoral. Während SRF dieser Tage mit großer Leidenschaft über angebliche russische Einflussnahme und insbesondere über RT DE berichtet, spricht kaum jemand darüber, wie selbstverständlich ein Schweizer öffentlich-rechtlicher Sender den deutschen Wahlkampf kommentiert, bewertet und eine deutsche Partei öffentlich an den Pranger stellt.

Einmischung in deutsche Wahlen? Wenn sie von SRF kommt, ist es offenbar Qualitätsjournalismus.

Mehr zum Thema – 1. August: Die Schweiz feiert – und vergisst Russlands Rolle bei ihrer Entstehung

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