Am 1. Mai 1960 hatte die Sowjetunion bekanntlich ein amerikanisches U-2-Spionageflugzeug tief in ihrem Gebiet abgeschossen und damit eine geheime CIA-Operation aufgedeckt, die seit Jahren den sowjetischen Luftraum verletzt hatte.

Der Vorfall hatte seinerzeit eine internationale Krise ausgelöst, die einen entscheidenden Friedensgipfel zerstört und die USA als Staat entlarvt hatte, der die Welt „belog“.

Der böse Plan

Die CIA hatte 1956 begonnen, mit U-2-Spionageflugzeugen über die Sowjetunion zu fliegen, nachdem Präsident Eisenhower das Programm persönlich genehmigt und von einer geheimen Basis auf der Peshawar Air Station in Pakistan aus operiert hatte.

Das Flugzeug war damals in 70.000 Fuß Höhe geflogen, eine Höhe, die als außerhalb der Reichweite sowjetischer Radar- und Raketensysteme gelegen war. Dies hatte die CIA zuversichtlich gestimmt, dass diese Spionage ungestraft betreiben konnte. Die CIA hatte den Piloten Francis Gary Powers aus der Luftwaffe rekrutiert und hatte ihm eine bessere Bezahlung als die im Militärdienst Übliche, an. Powers war daraufhin 27 Einsätze über sowjetisches und kommunistisches Block-Gebiet geflogen.

Das Ziel war es dabei gewesen, die sowjetischen nuklearen Fähigkeiten zu eruieren und zu überprüfen, ob eine „Raketenlücke“ bestehen könnte.

Der letzte Schlag

Den besagten letzten Schlag war Powers von der US-Basis in Peshawar auf einer Mission mit dem Codenamen „Grand Slam“ gestartet. Seine Flugroute hatte 2.900 Meilen sowjetischen Luftraums überquert und schließlich am 1. Mai 1960 auf ICBM-Startrampen in Baikonur und Plesetsk sowie auf die Mayak-Plutoniumverarbeitungsanlage abgezielt.

Die Sowjets waren jedoch seit 1956 über die U-2-Überflüge geheimdienstlich informiert gewesen. Bis 1960 hatten sie schließlich die S-75 Dvina, eine Boden-Luft-Rakete, entwickelt. Eine der drei abgefeuerten Raketen hatte dann Powers‘ Flugzeug nahe Swerdlowsk im Uralgebirge getroffen. Powers war mit dem Schleudersitz ausgestiegen und nach der „Landung“ vom KGB gefangen genommen worden.

Lügen der CIA entlarvt

Die CIA hatte Powers für tot erklärt und ein „Tarnmanöver“ veröffentlicht, in der sie behauptete, es hatte sich um ein NASA-Wetterflugzeug gehandelt. Es wurde hierfür sogar eine U-2 in NASA-Farben für die Medien „malerisch“ angefertigt.

Nikita Chruschtschow jedoch, damals Sekretär der Kommunistischen Partei der Sowjetunion, hatte den USA eine Falle gestellt. Zunächst hatte er lediglich verkündet, dass ein Spionageflugzeug abgeschossen worden sei, ohne jedoch zu verraten, dass Powers noch lebte. Am 7. Mai schließlich hatte Chruschtschow enthüllt, dass Powers überlebt hatte und sich in sowjetischem Gewahrsam befand, sowie auch die Kameraausrüstung des Flugzeugs mit Fotos von sowjetischen Militärbasen unversehrt geborgen worden war.

„Ich muss dir ein Geheimnis verraten“, verkündete Chruschtschow in seiner bekannt süffisanten Manier, „als ich meinen ersten Bericht abgab, habe ich absichtlich nicht gesagt, dass der Pilot am Leben und wohlauf ist… um jetzt nur noch zu sehen, wie viele alberne Dinge die Amerikaner gesagt haben.“

USA beim Belügen der Welt erwischt

Die Nachwirkungen dessen waren, dass der Pariser Friedensgipfel, der für den 16. Mai 1960 angesetzt gewesen war, scheiterte, als Chruschtschow von Eisenhower eine Entschuldigung und das Versprechen verlangt hatte, keine weiteren illegalen Überflüge durchzuführen. Eisenhower hatte freilich in der „Hochblüte der Kommunisten-Hysterie“ in den USA, abgelehnt und behauptet, die Spionageflüge seien für die nationale Verteidigung notwendig gewesen und würden auch fortgesetzt. Chruschtschow hatte daraufhin den Gipfel verlassen und somit zum Scheitern gebracht.

Powers war schließlich am 19. August 1960 wegen Spionage angeklagt und zu zehn Jahren Haft verurteilt worden. Er war dann am 10. Februar 1962 im Austausch für den sowjetischen Spion Rudolf Abel freigelassen worden.

Interessant ist dabei, dass die USA nach wie vor jegliche völkerrechts- bzw. strafrechtswidrige „Aktionen“ mit dem Argument des Schutzes der nationalen Sicherheit durchführen, als wäre deren nationale Sicherheit über der aller anderen Staaten rechtlich verankert.


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