Von HANS-PETER HÖRNER | Die bundesweit zu zweifelhaftem „Ruhm“ gelangte Karolina-Burger-Realschule plus in Ludwigshafen zeigt, dass im deutschen Bildungssystem nicht alles paletti ist. An drei Tagen hintereinander wurde in der Schule Reizgas gesprüht, woraufhin mehrere Lehrer und Schüler ärztlich behandelt werden mussten. Das linkslastige Portal news4teachers.de:

„Einer SWR-Umfrage zufolge sieht eine ganze Reihe an Realschulen plus in Rheinland-Pfalz eine Zunahme an Gewalt. Von 122 an der Befragung […] teilnehmenden Realschulen plus gaben demnach 39 Prozent an, es stimme aus ihrer Sicht voll und ganz, dass Gewaltdelikte in den vergangenen Jahren mehr geworden seien. Weitere 26 Prozent gaben an, dies teilweise zu beobachten. […]Lediglich 16 Prozent forderten Polizeipräsenz an ihrer Schule.“

Lediglich 16 Prozent sind für Polizeipräsenz? Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen.

Dafür hatte die stets im Kampf gegen rechts engagierte „Deutsche Telekom Stiftung“ ein geradezu verträumtes Bild der deutschen Bildungslandschaft gezeigt. Denn eine von ihr beauftragte Allensbach-Umfrage zu Bildungschancen basierte unter anderem auf der Fragestellung, ob der „Bildungserfolg von Kindern und Jugendlichen in Deutschland davon ab[hängt], ob sie in der Stadt oder auf dem Land zur Schule gehen?“.

Abgezielt wurde dabei nicht auf die sozialen Unterrichtsgegebenheiten, sondern vielmehr auf infrastrukturelle Probleme, die Land und Stadt unterscheiden könnten. Fazit: „Über 80 Prozent aller Eltern und Bürgermeister sowie 70 Prozent der Schulleitungen haben den Eindruck, dass junge Menschen in der eigenen Stadt oder Gemeinde gute Bildungschancen haben.“ Wie beruhigend, dann ist ja alles im Lot oder etwa doch nicht?

Die frühere Schulleiterin Silke Müller zieht das Thema Bildung im Gespräch mit WDR 5 anders auf. Sie meint, dass das deutsche Bildungssystem an mangelnder Digitalisierung, am Fachkräftemangel, zu wenig Schulsozialarbeit und an der maroden Gebäudeinfrastruktur kranke. In einem weiteren Interview sieht sie das Bildungssystem als „Ruinenverwaltung“ und bemängelt, dass das System Schule, „das ungefähr 200 Jahre alt ist und aus der preußischen Zeit kommt“, zu traditionell geprägt sei.

Schule müsse allerdings „entpolitisiert“ werden, Grundkompetenzen seien unbedingt zu fördern. Das Stadt-Land-Thema hat Silke Müller – auch wenn man ihr in anderen Fragen nur bedingt zustimmen mag – zu recht gar nicht „auf dem Schirm“. Dies soll über einen so befriedigt bewerteten Teilaspekt möglicherweise ein allgemeines Funktionieren suggerieren, das es nicht gibt.

Das wird deutlich, wenn man sich die Forsa-Erhebung „Aktuelle Gefährdungspotenziale für Deutschland“ im Auftrag des Deutschen Beamtenbundes zu Gemüte führt. Dort heißt es:

„90 Prozent der […] Bürger sehen Probleme in der Bildung als größte Gefahr für Deutschlands Zukunft. So steht Bildung noch vor der Zunahme gesellschaftlicher Spannungen (88 Prozent), einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich (85 Prozent), zunehmendem Rechtsextremismus (70 Prozent) oder auch dem Klimawandel (62 Prozent) an der Spitze der gesellschaftlichen Sorgen […].“

Nebenbei fragt man sich, inwiefern die jüngst von Innenminister Dobrindt ausgerufene Gefahr des Linksextremismus eine Rolle spielt, aber geschenkt. Wichtig ist, dass es offenbar doch nicht so rosig im Bildungsbereich aussieht, wie uns die Allensbach-Umfrage glauben lassen will.

Trotzdem deuten die Allensbacher auf drei wichtige Grundprobleme hin. Neben dem zu hohen Verwaltungsaufwand werden fehlende finanzielle Mittel als größte Herausforderungen für die Schulen gesehen. 82 Prozent aller befragten Schulleitungen müssen außerdem mit mangelhaften Sprachkenntnissen von Eltern und Kindern umgehen.


PI-NEWS-Kolumnist Hans-Peter Hörner (AfD), Jahrgang 1951, studierte Volks- und Betriebswirtschaftslehre sowie Biologie. Nach seinem Studium war er über vier Jahrzehnte als Berufsschullehrer tätig. Seit 2021 ist er Mitglied des Landtags von Baden-Württemberg. Themenschwerpunkt: Bildungspolitik und Petitionen. Hörners PI-NEWS-Kolumne erscheint jeweils zum Monatsanfang.

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