Alex Krainer, Gründer von Krainer Analytics, Analyst und Autor zeigt im letzten Teil des Interviews durch Nima R. Alkorshid von Dialogue Works auf, dass die Ostfeldzüge seit 500 Jahren keine Einzelereignisse darstellen, sondern im großen Gesamtzusammenhang zu sehen sind.

 Alex Krainer im Interview Teil 3:
«Der Putsch in Kiew wurde 2014 inszeniert, weil die Ukraine nicht der NATO beitreten wollte!»

Nima: Eines der Hauptprobleme in der Ukraine, sind die Sicherheitsgarantien, über welche die russische – und westliche Seite gerade reden bzw. in Betracht ziehen. Mit Westen meine ich vor allem die Europäer. Sie gehen davon aus, dass die Ukraine eine Art Abschreckungspolitik mit [militärischer] Macht zur Selbstverteidigung benötige, doch, wie wir wissen, diese nur das produzieren würde, was der Ukraine Zusammenbruch und Zerstörung einbrachte:

Der Westen hat die Ukraine von 2014 bis 2022 zu dem gemacht, was sie [heute] ist:

Sie haben eine 700.000 Mann starke Armee aufstellen lassen, welche von der NATO für den Kampf vorbereitet wurde!

Das hat bei den Ukrainern eine Art Wahnvorstellung ausgelöst und glauben lassen, dass sie Russland bekämpfen könnten! Sie dachten, etwas gegen Russland ausrichten zu können. Ich habe nie gezweifelt, dass der Westen nie daran gedacht hatte, die Ukraine könne Russland tatsächlich besiegen, doch sie wollten Russland über die Ukraine in eine Falle locken. Die Ukrainer hingegen – so meine – erlagen der Illusion, daraus etwas machen zu können. Die aktuelle [westliche] Politik [inkl. Sicherheitsgarantien] will der Ukraine Macht zur Verteidigung geben, was Aufrüstung der Ukraine bedeutete, während jedoch Russland das Gegenteil [Abrüstung] anstrebt. Das ist meiner Meinung nach das Problem, mit dem man sich in den Verhandlungen konfrontiert sieht.

Anmerkung der Redaktion: Man beachte die Parallelen zu den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts, als die Aufrüstung Deutschlands gegen die UdSSR mit atlantischer Finanzierung realisiert wurde und lokal die gleichen Illusionen weckte!

Alex: Das sind höchst relevante Fragen voller Nuancen, die eine vorsichtige Interpretation verlangen: Ich meine, dass der Westen im Jahr 2014 in der Ukraine seine eigene Regierung eingesetzt hat, die nicht demokratisch war – nicht wahr?

Es war eine Militärjunta: Der ganze Sinn dahinter war, Russland in die Falle zu locken – in einen Sumpf, der Russland schwächen sollte. Das hätte dem Westen ermöglichen sollen, Russland zu destabilisieren und einen Regimewechsel herbeizuführen. [Anmerkung der Redaktion: Vor Ort in Russland ohne Ukraine-Beteiligung, das heißt über andere lokale Kräfte]. Aus dieser Sicht benötigte man keinen Sieg der Ukraine:

Es war ihnen [dem Westen] egal, was mit der Ukraine passierte oder wie viele Ukrainer dabei geopfert würden!

Sie wollten [über die Ukraine] Russland nur schwächen und destabilisieren – das war ihr Ziel! Wenn es in Folge in der Ukraine Menschen gab, welche der Illusion erlagen, Russland besiegen zu können, so waren das meines Erachtens nur sehr wenige. Ich glaube, dass dort folgendes geschah: Man hat bestimmte loyale Leute in Machtpositionen gehievt und ihnen Anreize vermittelt, um die gesamte Gesellschaft in diese Richtung zu drängen. Das habe ich aus Ihrer Sendung „Dialogue Works“ erfahren: Sie hatten Colonel Jacques Baud zu Gast, der uns von den Umfragen in der Ukraine berichtet hatte. Ich meine, die wurden rund zwei Wochen vor Ausbruch des Krieges gemacht und die Leute in der Ukraine wurden gefragt: „Falls die Russen angriffen, würden Sie Ihr Land mit Waffen verteidigen? Würden Sie aufstehen und das Land gegen die Russen verteidigen wollen?“ Die überwiegende Mehrheit der Ukrainer sagte: „Nein!“ Sie waren selbst zu diesem späten Zeitpunkt im Jahr 2022 nicht am Krieg interessiert. Das zeigt Ihnen, dass dies zu keinem Zeitpunkt etwas mit dem ukrainischen Volk zu tun hatte. Vielmehr hatte das vielmehr mit bestimmten Machtstrukturen zu tun:

Diese wurden von den westlichen Mächten, den Vereinigten Staaten, Großbritannien und NATO-Ländern, einschließlich Deutschland, aufgebaut!

Anmerkung der Redaktion: Unter dem Leitstern von extremistischen Gruppierungen, wie vor allem Bandera- & Schuchewytsch Verehrern, die vom Westen seit Jahrzehnten kuratiert werden.

Das Ziel war es, Russland zu unterwerfen, zu zerstören, zu teilen und als politische Einheit mit jeglicher Macht auf dem eurasischen Kontinent zu eliminieren. Mit Blick in die Zukunft wäre dann natürlich China ihre nächster Station. Aber um nach China zu gelangen, müsste man vorerst Russland entschärfen. Das wurde als Gesamt-Rolle der Ukraine und dem ukrainischen Volk aufgebürdet:

Die Tatsache, dass dabei [bisher] 1,7 Millionen Ukrainer geopfert wurden: Das ist ihnen [im Westen] völlig egal!

Sie hatten nie die Absicht, etwas Gutes für die Ukraine zu tun: Die Vorbereitungen dafür reichen bis ins Jahr 1991 zurück, als die Ukraine ein unabhängiges Land wurde und die Sowjetunion zusammenbrach. Fast sofort wurde NATO eingebracht: Im Jahr 1995 begannen sie mit gemeinsamen Militärübungen. Dann unterzeichneten sie in Madrid den Vertrag über eine besondere Partnerschaft zwischen NATO und Ukraine. So, ging es immer weiter und weiter, bis zum Putsch, als die Zusammenarbeit, die Koordination und die Vorbereitungen auf Hochtouren liefen. Die Ukrainer hatten nie darum gebeten – niemand hatte das ukrainische Volk zuvor darum gefragt:

Denn die Ukrainer waren dagegen – die Mehrheit der Ukrainer wollte von Anfang an nicht der NATO beitreten!

Deshalb war es 2014 notwendig, einen Staatsstreich zu inszenieren und die demokratisch gewählte Regierung durch eine Militärjunta zu ersetzen. Der Rest ist, wie wir gesehen haben, so abgelaufen:

  • Vorbereitungen für den Krieg,
  • Provokationen gegenüber Russland,
  • Kampf gegen Russland,
  • Sicherstellung, dass besagter Kampf immer weiterginge!

Denn es gab mehrere Versuche sowohl auf russischer als auch auf ukrainischer Seite, zu einer Art Friedensabkommen zu kommen und den Krieg zu beenden:

Doch, die westlichen Mächte haben eingegriffen, um Frieden zu verhindern bzw. sicherzustellen, dass der Krieg weiterginge!

Das ist der Stand der Dinge! Leider muss ich sagen, falls die Menschen daraus keine Lehren zögen, dasselbe auch in Rumänien, Polen, Moldawien und allen anderen Ländern passieren könnte…

Nima: … [auch] in Aserbaidschan…

Alex: … genau, überall! Wir müssen verstehen, woher das kommt und warum:

Offensichtlich hat das nichts mit Freiheit und Demokratie oder Menschenrechten zu tun!

Es hat auch nichts mit dem Beitritt zur NATO oder zur EU zu tun. Es hat alles mit den Oligarchien der Geldverleiher zu tun, die ihre koloniale Kontrolle über die ganze Welt ausweiten wollen: Russland, Iran und China stehen ihnen im Weg und sollen daher aus ihrer Sicht zerstört werden.

Nima: Da Sie die tiefen Wurzeln des Konflikts in der Ukraine erwähnt haben: Hier ist, was Soros dazu gesagt hat. Es ist ein altes Video, aber es zeigt auf, wie sie in der Ukraine vorgingen.

Anmerkung der Redaktion: Ausschnitt aus Sendung von CNN’s FAREED ZAKARIA GPS vom 25. Mai 2014 – drei Monate nach dem Coup d’État auf dem Maidan in Kiew:

25.05.2014 – Fareed Zakaria (Bild Mitte) interviewt Soros nach dem Kiew-Putsch (re) | Quelle: Screenshot YouTube/CNN Dialogue Works

Fareed Zakaria: Schön, dass Sie bei uns sind!

25.05.2014 – Soros im Mai 2014 zu den Ereignissen nach dem Putsch im Februar |
Quelle: Screenshot YouTube/CNN Dialogue Works

George Soros: Gleichfalls!

 Zakaria: Zunächst zur Ukraine: Viele Menschen wissen, dass Sie während der Revolutionen von 1989 zahlreiche Dissidentenaktivitäten und zivilgesellschaftliche Gruppen in Osteuropa, in Polen und der Tschechischen Republik finanziell unterstützt haben. Machen Sie Ähnliches in der Ukraine?

 Soros: Nun, ich habe eine Stiftung in der Ukraine gegründet, bevor die Ukraine von Russland unabhängig wurde. Die Stiftung ist seitdem aktiv und hat bei den aktuellen Ereignissen eine wichtige Rolle gespielt!

 Zakaria: Glauben Sie, dass die Ukraine eine Art Unabhängigkeit von Russland und eine Annäherung an den Westen erreichen kann? Nicht unbedingt eine konkrete Annäherung wie ein NATO-Beitritt, aber eine Art Orientierung nach Westen, oder werden die Russen das stets zu verhindern wissen?

Soros: Nein! Putin wird versuchen, die Ukraine zu destabilisieren…

[…]

Ende der Einblendung

Nima: Soros sagt: „Die Stiftung ist seitdem aktiv und hat bei den aktuellen Ereignissen eine wichtige Rolle gespielt!“

Ist das nicht erstaunlich, dass er uns etwas sagt, was Anthony Blinken vor Beginn des Krieges in der Ukraine gesagt hat: „Russland destabilisiert die Ukraine …“ und dieselben Codes – man hört dieselben Codes aus seinem…

Alex: Ja! Ich finde übrigens, dass George Soros dies noch besser in einem Dokument, das er [früher noch] veröffentlichen ließ, zum Ausdruck gebracht hat. Er hat es geschrieben. Es wurde 1993 auf den Seiten der Open Society – seines eigenen Open Society Institutes – veröffentlicht. Der Titel der Abhandlung lautete „Toward a New World Order“ (Auf dem Weg zu einer neuen Weltordnung), in dem er im Wesentlichen sagt, dass man NATO nutzen müsste, um dem Rest der Welt eine neue Weltordnung aufzuzwingen.

Weiter diskutiert Soros das Problem, dass die europäischen Länder nicht kriegswillig wären und es politisch extrem schwierig wäre, europäische Truppen in den Krieg gegen Russland zu schicken. So folgert er, osteuropäische Truppen einsetzen, ihnen Waffen und Munition liefern – sie ausbilden, kämpfen und sterben zu lassen, und das ist… Ich meine, was er in diesem Dokument geschrieben hat, ich glaube, es steht immer noch auf den Webseiten der Open Society Foundations und es heißt „Towards a New World Order” – Moment, ich schaue mal nach: „Toward a New World Order – The Future of NATO”, veröffentlicht im November 1993, nicht wahr?

Der Auszug aus dem Artikel oben in deutscher Übersetzung:

Dieser Entwurf hat nur einen einzigen Mangel: Er lässt Japan außer Acht. Japan sollte aufgefordert werden, der NATO beizutreten. Dann hätten wir den Anfang einer Architektur für eine neue Weltordnung. Sie basiert auf den Vereinigten Staaten als verbleibender Supermacht und auf einer offenen Gesellschaft als Organisationsprinzip. Sie besteht aus einer Reihe von Bündnissen, von denen das wichtigste die NATO ist und durch NATO, die Partnerschaft für den Frieden die nördliche Hemisphäre umfasst. Die Vereinigten Staaten wären nicht dazu aufgerufen, als Weltpolizist zu fungieren.

 Wenn sie [USA] handeln, würden sie gemeinsam mit anderen handeln. Übrigens würde die Kombination von Manpower [Menschenmaterial] aus Osteuropa mit den technischen Fähigkeiten der NATO das militärische Potenzial der Partnerschaft erheblich stärken, da dadurch das Risiko von Todesopfern für die NATO-Staaten verringert würde, was derzeit das größte Hindernis für ihre Handlungsbereitschaft darstellt. Dies ist eine gangbare Alternative zur drohenden Welt-Unordnung.

Zitat Ende

Das ist ein aufschlussreiches Dokument, weil es exakt beschreibt, was wir inzwischen erlebt haben. Das Dokument wurde vor 32 Jahren veröffentlicht. Die Tatsache, dass sich Weltgeschehnisse nach einem Szenario entwickeln, das ein Mann vor 32 Jahren beschrieben und veröffentlicht hat, könnte im Fall eines gerichtlichen Verfahrens den Kronzeugen liefern. Weiter wäre dabei zu ermitteln:

  • Wer diese Person, George Soros ist?
  • Woher er all das wusste?
  • Wie er das all das erfahren hat?
  • Für wen er arbeitet?
  • Woher er das Geld bekam, um das zu tun und was er macht?

Darüber könnte man zu sehr interessanten Schlussfolgerungen gelangen. Dann würde einem klar, dass jene 500 Jahre Kontinuität der europäischen Kolonialmächte wodurch sie die Entwicklung der Weltgeschehnisse prägten, das widerspiegelt, was wir heute erleben:

All das Gerede über Menschenrechte, Demokratie, Freiheit und dergleichen ist reine Fassade!

Es dient nur dazu die öffentliche Meinung zu beeinflussen, um die Zustimmung für Kriege zu erwirken. Aber in Wirklichkeit sind es immer dieselben Interessen, die den Marsch in den Krieg vorantreiben und beispielsweise:

  • die Schweden dazu zwangen, in Russland einzumarschieren!
  • die Napoleon dazu zwangen, in Russland einzumarschieren!
  • die Hitler dazu zwangen, in Russland einzumarschieren!

Man sollte verstehen, dass im Juni 1941, als Hitler in Russland einmarschierte, es nicht nur Hitler war: Es waren die meisten europäischen Länder, die sich dieser Invasion angeschlossen hatten:

Es war die größte Invasionsstreitmacht, die jemals aufgestellt worden war!

Ich glaube, es waren etwa 3,7 Millionen Soldaten: Es waren Soldaten aus Finnland, Schweden, Holland, Ungarn, Tschechischen Republik, Slowakei, Polen, Bulgarien, Rumänien, Moldawien, die Ukraine, Kroatien, Italien, Spanien und Frankreich, dabei.

Anmerkung der Redaktion: Rund 700.000 Soldaten der 3,7 Millionen Angreifer-Armee für das Unternehmen Barbarossa, die am 22. Junin 1941 auf Seite der deutschen Wehrmacht standen, waren nicht Deutsche! Im Zuge des Krieges wurde dieser Anteil stetig erhöht und erreichte inklusive Hilfswilligen weit mehr als zwei Millionen. Z.B. waren in der Waffen-SS zur Zeit ihres Höchststandes im Jahr 1944 mit nicht ganz einer Million Mann ca. 25% der Soldaten Nicht-Deutsche.

Das war ein europäisches Projekt: Es war sehr ähnlich dem, was wir heute erleben!

Wir müssen also hinter die Fassade der vermeintlich demokratischen Regierungsstrukturen, an die wir in Europa zu glauben haben, schauen und uns fragen, wer und welche Interessen, uns ständig in Kriege treiben und warum dies geschieht?

Nur, nachdem man das verstanden hätte, könnte man meiner Meinung nach diesen Kreislauf endlich durchbrechen. Ich denke, dass Menschen wie Wladimir Putin und Xi Jinping das glücklicherweise schon erkannt haben. Ich denke, dass die Führung im Iran das auch schon erkannt hat. Ich denke, dass auch die Menschen um Trump das erkannt haben. Ich denke, dass diese sagen: „Nicht mehr mit uns!“

[…]

Ende der Serie

Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA

Teil 1 des Interviews von Alex Krainer durch Dialogue Works auf Deutsch: HIER
Teil 2 des Interviews von Alex Krainer durch Dialogue Works auf Deutsch: HIER
Das ganze Video zum Interview mit Alex Krainer durch Dialogue Works auf Englisch: HIER



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