Im zweiten Teil des Interviews erläutert Alex Krainer wer die ultimativen Treiber und Nutznießer der US-Außenpolitik im Hintergrund sind und warum der finanzielle Zusammenbruch des Westens unvermeidlich ist.
Alex Krainer: „Die Wall Street, doch vor allem die
City of London prägen die US-Außenpolitik!“ – Teil 2
Nima: Ein möglicher Frieden wäre – nicht nur zwischen Saudi-Arabien und dem Iran – sondern meiner Meinung nach auch zwischen den VAE [den Vereinigten Arabischen Emiraten] und dem Iran herzustellen: Die VAE haben den Iran während des Krieges ebenfalls buchstäblich dafür bezahlt, um vom diesem nicht angegriffen zu werden.
Alex Krainer: Das wird sich zeigen: Die VAE sind unter allen Golfstaaten der ergebenste Verbündete von Israel. Ich glaube, dass die VAE, die ansonsten – abgesehen von Ölexporten – eigentlich über keine Wirtschaft verfügen, nur so vor israelischen und britischen Geheimdienstmitarbeitern kriechen. Daher denke ich, dass sich das herrschende Establishment der VAE physisch einer Gefahr aussetzen würde, falls es versuchen wollte, seine Untertanentreue gegenüber Israel und den Vereinigten Staaten irgendwie nicht einhalten zu wollen.
Nima: Alex, Sie haben den Fall angesprochen, wie Israel in Bezug auf die Gleichung dieses Verteidigungspakts positioniert wäre. Wenn man sich die Region aktuell betrachtet, kann man da irgendeine Gesamtstrategie, die sich in den Vereinigten Staaten aus der aktuellen Entwicklungen ergeben würde, erkennen bzw. was noch alles für Israel gemacht werden könnte?
Ich denke, das stellt derzeit die zentrale Frage in Washington dar. Ich weiß nicht, ob es jemanden in der Trump-Regierung gibt, der sich solche Fragen stellt, aber das sollte und müsste die Frage sein: „Was können wir noch für Israel tun und wäre der nächste Schritt ? Werden wir alles verlieren und alles für Israel riskieren? Werden wir unsere Politik neu ausrichten, nachdem wir diese für die Region neu bewertet hätten?“
Was mir am Fall der Ukraine am offensichtlichsten erscheint: Das Einfachste für die Trump-Regierung wäre seinerzeit gewesen, sich aus der Ukraine zurückzuziehen und zu sagen: „Wir werden für die Ukraine nichts mehr tun und aussteigen, nachdem wir nicht mehr davon profitieren können.“ Doch über die neuen Technologien für Drohnen von Palantir, die sich gegen Russland einsetzen lassen sowie über Leute, wie Elon Musk lässt sich in der Ukraine immer noch Geld machen. Das entspricht ihrer Denkweise.
Doch, wie sehen Sie die Lage Westasiens, welches sich in gewisser Weise von der Ukraine unterscheidet: Westasien beeinflusst die Wirtschaft enorm – nicht nur in Bezug auf die Weltwirtschaft, sondern auch die Wirtschaft der Vereinigten Staaten. Wie sehen Sie das?
Alex Krainer: Nun, ich denke, zunächst einmal stehen Unternehmen, wie SpaceX, Starlink und …
… Palantir weit hinter den größten Interessenvertretern, welche die US-Außenpolitik bestimmen, weit zurück!
Letztere haben allesamt [nur] mit der Bankenoligarchie zu tun. Für jene erbringen Palantir und Starlink nützliche Dienste für deren Proxykräfte [sprich die der Ukraine] in der Region: Natürlich werden sie dafür belohnt und dürfen auch Geld machen. Doch das echte Geld wird darüber gemacht, indem man politische Kontrolle über all diese Länder – wie Ukraine, Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate sowie vorzugsweise auch über Iran, Russland und China sowie alle anderen – ausübt. Denn dann kontrolliert man die Pfandwerte dieser Länder. Wenn man besagte Gegenwerte [hier Bodenschätze] kontrolliert, kann man sicher sein, dass alle Kredite, die man ihnen – für was auch immer, wie für die Ausbeutung ihres Öls und Gases, ihrer Infrastruktur und alles andere – gewähren würden, von den westlichen Geldzentren kontrolliert blieben:
Das bedeutet in erster Linie von der City of London und der Wall Street – doch vor allem von der City of London!
Das sind exakt jene Interessen, welche die amerikanische Außenpolitik prägen. Doch das amerikanische Volk will diesen Krieg nicht und versteht auch nicht, warum es in diesen Krieg verwickelt wurde. Man hatte für Donald Trump gestimmt, weil er ausdrücklich versprochen hatte, dass er solche Krieg nicht mehr anfangen würde:
Offensichtlich wird die Außenpolitik somit nicht von den Interessen, die etwas mit US-Demokratie zu tun haben könnten, definiert und gestaltet, sondern ausschließlich von solchen des „Deep State“!
Wie die Strukturen dort genau verlaufen, können wir nur vermuten, da dies vor der Öffentlichkeit klarerweise verborgen gehalten wird. Aber letztendlich wird alles scheitern und zusammenbrechen. Wie es scheitern wird und wann es scheitern wird, kann ich nicht sagen. Doch ich sehe, dass wir uns bereits entlang einer sehr steilen Abwärtskurve nach unten bewegen:
Erst gestern hat das US-Finanzministerium – das Ministerium von Scott Bessent – seinen monatlichen Finanzbericht vorgelegt, welches stets unter dem Titel „Monthly Treasury Statement [MTS]“ herauskommt. Im Juli 2026, also im letzten Monat, gab die US-Bundesregierung 766 Milliarden Dollar aus, doch nahm nur 334 Milliarden Dollar ein. Das Bundesdefizit stieg also in nur einem Monat um 432 Milliarden Dollar. Man befindet sich auf dem besten Weg, in diesem Haushaltsjahr ein Bundesdefizit von 2,1 Billionen zu erzielen. Dies trägt zur Gesamt-Verschuldung der US-Bundesregierung bei, die mittlerweile nur noch einen Hauch von 40 Billionen Dollar entfernt liegt – eine absolut absurde Summe: Das entspricht einer Verschuldung von fast 300.000 Dollar pro US-Haushalt. Dieses Geld kann niemals mehr zurückgezahlt bzw. eingetrieben werden!
Zugleich hat man zu bedenken, dass die Schulden des einen – sei es eine natürliche Person, ein Unternehmen oder ein Staat – das Vermögen eines anderen sind. Was ist dieses Vermögen [der Gläubiger], das nicht mehr zurückgezahlt werden kann, noch wert? Der gesunde Menschenverstand sagt uns, dass diese Außenstände nicht mehr viel wert sind.
[Anmerkung der Redaktion: Das heißt, all die Gelder, welche u.a. auch aus Europa seit 1972 kontinuierlich in die USA geschaufelt wurden und werden, wären inzwischen als Totalverluste abzuschreiben. Es brachte nichts, sich auf Eroberungskriege zu verlassen, doch verschlimmerte nur die finanzielle Gesamtlage.]
Wir stehen also vor folgender Situation: Die Kurse der US-Staatsanleihen sie sind seit 2020 stark rückläufig. Die Zinssätze für 30-jährige Anleihen sind von fast null bzw. von etwa einem Prozentpunkt im Jahr 2020 auf heute schon gut 5,3% gestiegen. Gleichzeitig übersteigen die Ausgaben der US-Regierung die Einnahmen aus ihrer Steuerbasis bei weitem:
Die USA müssen also jeden Monat verstärkt Geld aufnehmen!
Doch sie haben das zu immer höheren Kosten, weil die Zinssätze stetig steigen, zu stemmen. Nun haben die USA auch Geld aufzunehmen, um nur die Zinsen für ihre zuvor aufgenommenen Schulden zu bedienen. Zugleich sind die Zinsaufwendungen inzwischen zur zweithöchsten Ausgabenkategorie im US-Bundeshaushalt angewachsen. Sie belaufen sich mittlerweile auf über eine Billion Dollar pro Jahr. Ich meine, das sind wahnwitzige Zahlen – doch es wird noch schlimmer kommen:
Es scheint, als gäbe es kein Zurück mehr!
Ich glaube also, dass der Iran sich letztendlich darauf konzentrieren wird, wo er heute steht, doch letztendlich die Vereinigten Staaten übertreffen kann. Für den Iran ist dies eine Frage der Existenz, die sich jedoch nicht so dringlich stellt wie für die Vereinigten Staaten. Die Menschen im Iran habe sich bereits seit vielen Jahren an Sanktionen unter maximalem Druck bzw. an ein gewisses Maß an Entbehrungen und Schwierigkeiten gewöhnt. Sie verstehen die Gründe, warum ihre Regierung das tut. Auf der anderen Seite dieser Trennlinie verläuft es hingegen genau umgekehrt. Für die Vereinigten Staaten ist es nicht existentiell: Es wird jedoch immer dringender!
Die Menschen [Anmerkung der Redaktion: Im Westen und in den US-Protektoraten] verstehen nicht, warum man diesen Krieg führt. Die US-Truppen stehen kurz vor einer Meuterei. Vielleicht übertreibe ich, aber wenn man auf seinen Kriegsschiffen Patrouillen einrichten muss, um zu verhindern, dass Leute Selbstmord begehen oder Feuer legen, hat man weder die Kräfte, um die Insel Charg zu erobern, noch um sonst wo einzumarschieren. Man hätte einfach nur an den Punkt zu kommen, um sich einzugestehen: „Wir haben verloren – lasst uns nach Hause gehen!“ Aber leider wird das nicht geschehen. Dieser Kurs in Richtung einer geopolitischen strategischen Niederlage und eines finanziellen Zusammenbruchs sowie einer damit einhergehenden Finanzkrise lässt sich nicht mehr aufhalten:
All das trifft aufeinander – ganz zu schweigen von der KI-Blase, die ebenfalls ein Teil des Ganzen noch ist!
Man steht vor mindestens – fügen wir die Ukraine noch hinzu – drei massiven Krisen die gewissermaßen aufeinandertreffen und welche die Vereinigten Staaten allesamt in die falsche Richtung treiben und allesamt über die Klippe stoßen werden. In naher Zukunft wird etwas schieflaufen. Ich glaube, das Ergebnis wird eine Stagflation, die wir bereits erleben, sein – allerdings mit noch stärker steigenden Inflationsraten. Das wird die Menschen über die Kante kippen. Dan Crenshaw meinte so etwas dazu, wie: „Hey, es ist doch alles super, weil man Ramen essen und sich mit Mitbewohnern eine Wohnung teilen kann, um Geld zu sparen!“
Aber das würde nur einen „Marie-Antoinette-Moment“ ergeben!
Das alles gestaltet sich sehr unheilvoll für die Zukunft der Vereinigten Staaten!
[Anmerkung der Redaktion: Sowie für die kollektiven US-Vasallen-Staaten!]
Fortsetzung mit Teil 3 folgt
Übersetzung: UNSER-MITTELEUROPA
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- Teil 1 des Interviews von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid von Dialogue Works: HIER
- Das Video auf English mit dem Interview von Alex Krainer durch Nima Alkhorshid: HIER
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