Judge Napolitano interviewte Alastair Crooke, den Gründer des Conflicts Forums in Beirut und ehemaligen britischen Diplomaten und MI6-Offizier zum jüngsten Rückzug der USA und zur kommenden globalen Energie- & Hungerkrise als direkte Folge aggressiver atlantischer Weltkriegspolitik.
Judge Napolitano: „Sollte man die US-Truppen in Nahost
nicht einfach zusammenpacken und nach Hause gehen lassen?“

Das Interview mit Alastair Crooke durch Judge Napolitano
Judge Napolitano: Alistair Crook, herzlich willkommen, mein lieber Freund. Wie immer vielen Dank, dass Sie sich nach meinem Zeitplan gerichtet haben. Warum hat Präsident Trump an diesem Wochenende seine Drohungen von Mitte letzter Woche, die Pforten der Hölle über den Iran entfesseln zu lassen, nicht wahrgemacht?
Alastair Crooke: Ich glaube, ihm wurde sehr deutlich mitgeteilt, dass militärische Optionen de facto nicht mehr vorhanden wären. Damit meine ich, dass Brad Cooper, der Leiter von CENTCOM (United States Central Command), Berichten zufolge ihm mitgeteilt habe, dass weitere Angriffe auf die Stützpunkte rund um Hormuz nichts mehr brächten, sondern lediglich die Bestände an amerikanischen Abfangraketen, die bereits ein durchwegs gefährlich niedriges Niveau erreicht hätten, nur weiter erschöpfen würden und eine Gefahr darstelle.
Was also wären Alternativen und könnte er noch tun? Nun, nach meiner Meinung blieben ihm tatsächlich nur zwei Optionen, die jedoch beide vom Pentagon meiner Meinung nach abschlägig behandelt werden würden:
- Die eine Alternative wäre ein Angriff auf den Pickax Mountain, was technisch gesehen fast unmöglich scheint. Es gibt nur wenige Experten, die sagen, dass es ggfs. machbar wäre. Es handelt sich um einen Granitberg mit steilen Hängen. Soweit ich das verstehe, müsste man sozusagen eine erste Bombe abwerfen, die an den Hängen einen Krater von 2 oder 3 Meter Durchmesser erzeugt um dann eine wirksamere Waffe – vielleicht sogar eine Atomwaffe – einzusetzen, die tausend Meter weiter hinunter Sprengkraft bis zu jenem Ort entwickeln müsste, an dem sich nach US-Meinung die Zentrifugen oder das Uran der Iraner befänden.
Ich meine, das wird auf solche Tiefe nicht funktionieren. Sie haben die Raketenstadt, die unter einem ähnlichen Berg liegt, während des 12-Tage-Kriegs 45 Mal bombardieren lassen. Alles, was sie damit erreichten, war, dass es dort die Felsen ein bisschen schwärzer verfärbt hat. Es hat nicht funktioniert. Sie konnten nichts zerstören und drangen dort auch nicht ein. Im Pickax-Berg, der aus festem Granit besteht, liegt alles noch viel tiefer.
- Die Alternative, welche die „New York Post“ kürzlich hervorhob, wäre, eine große Expeditionsstreitmacht, die stark genug wäre, im Iran zu landen, um mit Spezialkräften Isfahan oder den Pickax-Berg einzunehmen und das Uran zu bergen.
Doch beides wäre einfach nur schlecht und ein Geschenk an den Iran. Es würde Trumps Position oder die Position Amerikas in keiner Weise verbessern. Truppen im Iran zu landen, wäre eine Option, die dem Iran entgegenkäme, …
… denn sie würden diesen Kampf spielend gewinnen!
Was bleibt also noch? Nicht viel: Ganz offensichtlich sind auch US-Abfangraketen (stark) aufgebraucht und vielleicht wird sogar das Kerosin für Flüge knapp – wir wissen nicht, wie die (missliche) Lage (der US-Streitkräfte vor Ort) genau aussieht.

Das Einzige, was noch bleibt, wäre das, wofür Israel eintritt: Israel plädiert aufs Ganze zu gehen und – wenn man so will – die gesamte Infrastruktur, einschließlich der Ölinfrastruktur, welche den (iranischen) Staat stützt, zerstören zu lassen. Es drängt darauf, die Funktionen des Staates, die dem Volk zugutekämen, sozusagen auslöschen zu lassen.
Ich glaube nicht, dass die Vereinigten Staaten bzw. das Pentagon diesen Weg einschlagen werden. Denn die Iraner haben gewarnt:
„Wenn ihr diesen Weg beschreitet, schaut euch nur an, was dann mit den Meerwasserentsalzungsanlagen insgesamt im Golf und in Saudi-Arabien passieren würde?“
Im Golf an einigen Orten ist die Abhängigkeit davon extrem hoch – bis zu 100% für Meerwasserentsalzung. Das Gleiche gilt für Saudi-Arabien, welches ebenfalls in hohem Maße abhängig ist. Der Iran könnte also leicht – sollten die USA gegen deren Infrastruktur eskalieren wollen – eines daraufsetzen, wobei auch die Abhängigkeit der Golfstaaten davon extrem hoch wäre. Die Abhängigkeit des Iran von Meerwasserentsalzung beträgt lediglich 3% – das erscheint verkraftbar. Damit kämen sie zurecht!
Das sind die Abhängigkeiten. Ich denke also, das Einzige, was Trump diesbezüglich noch bliebe, wäre die Einsicht, dass ein Rückgriff auf militärische Möglichkeiten nicht realisierbar scheint. Daher gehe ich davon aus, dass er zum Memorandum of Understanding [MoU – Absichtserklärung] zurückkehren möchte, um einfach dort weiterzumachen, wo er zuletzt aufgehört hatte.
Doch ich glaube aus einer Reihe von Gründen nicht, dass dies möglich wäre bzw. es ihm offen stünde, so einfach zum Memorandum of Understanding zurückzukehren. Er mag zwar darauf zählen, aber er hat das MoU durch Lügen und sein Versäumnis, die darin enthaltenen Verpflichtungen einzuhalten, vollständig diskreditiert. Das MoU wurde inzwischen zu einem diskreditiertes Dokument. Niemand würde Trump noch vertrauen, wenn es um eine solche Art von Verhandlungen wieder ginge.
Warum sollte der Iran überhaupt warten, um Trump die Zeit zu geben, sich auf eine nächste Runde von Angriffen – vielleicht sogar auf einen Bodenangriff im September – vorzubereiten? Ich glaube nicht, dass sie dazu geneigt wären. Aus diesem und anderen Gründen wird es meiner Meinung nach für Trump sehr schwierig werden, irgendeine Form von Ergebnis auszuhandeln. Er mag zwar so tun, als fände das wie immer statt und es könnte Vermittler geben, die sagen: „Oh ja, der Iran bettelt um ein Abkommen!“ Doch das würden einfach nicht stimmen.
Die Iraner haben gerade offiziell erklärt, dass keine Verhandlungen stattfänden. Es gibt zwar einen Austausch von Botschaften über praktische Angelegenheiten und Vermittler, doch es finden keine Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten statt. Die Iraner haben erklärt, dass es keine Verhandlungen geben werde.
Trump bleibt also nur eine sehr klare Option: Wenn er diese Verhandlungen aufnehmen wollte, müsste er ein wirklich großes Zugeständnis machen:
Ein echtes Zugeständnis – kein vorgetäuschtes!
Judge Napolitano: Ein Zugeständnis vorab?
Alistair Crooke: Ja, vorab, nicht so etwas wie: „Na ja, in ein paar Wochen schauen wir mal, wie es steht!“ Es müsste gleich am Anfang geschehen und ein großes Zugeständnis umfassen, wie zum Beispiel die Rückgabe aller eingefrorenen iranischen Vermögenswerte oder dergleichen, was sofort vorab zu erfolgen hätte. Vielleicht würden sie dann Verhandlungen aufnehmen wollen. Ich kann es nicht sagen. Nach meiner Meinung würde nur eine solche Vorgehensweise Verhandlungen ggfs. ermöglichen können.
Judge Napolitano: Haben die Vereinigten Staaten den Iran um einen Waffenstillstand gebeten, so wie sie es die letzten beiden Male geschah?
Alistair Crooke: Nein, das glaube ich nicht. Sie haben einfach aufgehört zu bombardieren. Die Iraner waren darüber ziemlich verblüfft und ich weiß, dass sie verwundert waren, nachdem sie dachten, dass ein (größerer) US-Angriff unmittelbar bevorstünde. Viele Menschen dachten so. Nur ganz zuletzt gab es Meldungen, wonach die Amerikaner keinen solchen Angriff starten würden. Doch es wurde nichts verlautbart. Die US-Angriffe hörten einfach auf, worauf auch der Iran seine Angriffe einstellte.
Weiters ist neben dem Umstand, dass es keine militärischen Optionen mehr gibt, zu berücksichtigen, was mit Saudi-Arabien passiert war: Die Jazan-Raffinerie, die im Südwesten nahe dem Roten Meer liegt, wurde in Brand gesteckt und meines Wissens brennt sie gerade vollständig aus Dabei geht es nicht nur um Ziele, ähnlich den Raffinerien in Russland, welche die Ukrainer angreifen. Dort bleibt der Schaden meist überschaubar und wird wieder behoben, sodass die Produktionen schnell wieder weiterlaufen.
Diese jedoch – [die Jazan-Raffinerie von Aramco in Saudi-Arabien] – war die Mutter aller Raffinerien: Sie galt als die modernste Raffinerie der Welt, die alles konnte. Sie machte nicht nur die Raffination zur Herstellung von Destillaten. Sie stellte auch chemische Erzeugnisse her. Sie galt als führende Referenzanlage für eine Raffinerie zur modernen Bewirtschaftung fossiler Brennstoffe weltweit:
Doch inzwischen wurde sie komplett zerstört und brennt immer noch!
Es sieht danach aus, als würde der ganze Komplex niederbrennen, was einen riesigen Verlust darstellen würde. Nicht nur wegen der Infrastruktur und der Anlage per se, sondern weil die Jazan-Raffinerie ein wichtiges Symbol für die technische Überlegenheit und weltweite Führungsrolle der Golfstaaten in Sachen Verarbeitung von Öl, darstellte – doch das ist nun einfach weg:
Doch niemand [im Westen] spricht darüber!
Die Saudis sagen nichts dazu. Was man den Zeitungen entnehmen kann – ich weiß nicht, was man davon in Amerika zu lesen bekommt: Vielleicht gibt es gerade mal eine kurze Erwähnung, doch natürlich ist Saudi-Arabien komplett aus dem Exportgeschäft raus. Ein kleiner Teil des Öls wird es möglicherweise durch den Suezkanal schaffen, weil die Huthi sie dort nicht angreifen. Doch was die Huthi tun, ist nicht nur jene beladene Schiffe, die Kurs auf Bab al-Mandab nehmen, anzugreifen, vielmehr warnen sie leere Tanker, nachdem diese in Häfen am Roten Meer angelegt hätten, um umzukehren, zumal die Gefahr bestehe, getroffen und zerstört zu werden.
Ich meine, das hat schwerwiegende Auswirkungen. Eines der seltsamen Dinge hier in Europa ist, …
… dass darüber nicht berichtet wird – es gibt keine Nachrichten zu diesem Thema!
Es scheint, als ob das gar nicht passiert wäre und man auf keine Energiekrise zusteuere – weder in Zeitungen, noch sonst wo wird dieses Thema aufgegriffen – niemand redet darüber: Das Thema ist tabu und wird nicht erwähnt, woraus nur folgt:
Die Leute werden darauf nicht vorbereitet!
Die Auswirkungen werden dadurch noch viel härter ausfallen, weil die Bevölkerungen darauf nicht psychologisch vorbereitet sein werden.
Zugleich wissen wir, dass die strategischen US-Reserven tatsächlich schon bis auf den Grund aufgebraucht sind. Es geht sogar darüber hinaus: Wenn sie weiterhin die strategische Erdölreserve plündern, riskieren sie, dass einige ihrer Kavernen einstürzen könnten. Ich meine, niemand weiß genau, wo die Grenze für die Ölentnahme läge, doch es wurde dazu verlautet, dass rund 200 dieser Kavernen einstürzen könnten – jedenfalls sind sie schon bis zum Schlamm am Boden entleert.
Nun ist Saudi-Arabien, das bisher Diesel und andere Produkte herstellte, aus dem Rennen. Das ist eine große Sache, doch westliche Massenmedien erwähnen es nicht – trotzdem ist der Ölpreis auf den Märkten um ein paar Dollar gefallen.
[Anmerkung der Redaktion: Durch Marktmanipulation neben der Medienmanipulation, um den Masterplan so lange, wie möglich vor den Bürgern vertuschen zu lassen].
Judge Napolitano: Nun, das wird die Preise für praktisch jedes Konsumgut in die Höhe treiben, das irgendwo in den Vereinigten Staaten per Lkw transportiert werden würde.
Alastair Crooke: Genauso ist es: Das wird sich darauf auswirken. Es wird die Fähigkeit der landwirtschaftlichen Betriebe beeinträchtigen, Lebensmittel zu produzieren:
Es fehlt diesen an Dünger, der zuvor noch durch die Straße von Hormuz verschifft wurde!
Das wird weitreichende Auswirkungen haben. In einer Reihe von Ländern, die sich bereits in echten Schwierigkeiten befinden, ist dies schon eingetreten. Das betrifft Afrika und andere Regionen:
Ich meine, die Nahrungsmittelproduktion wird zusammenbrechen!
[Anmerkung der Redaktion: Insgesamt werden ab 2027 rund 400 Millionen Menschen durch die atlantische Kriegspolitik vom Hunger bedroht sein. Das wird neue Flüchtlingswellen auslösen. Die verwunderten Damen und Herren im Westen sollen, wie schon 2015, einmal mehr damit nur überrascht werden, doch von den Drahtziehern und Tätern natürlich nicht sprechen. Vielmehr soll die Wut der Desinformierten, wie geplant, wieder nur auf die Opfer und Ärmsten umgelenkt werden. Dafür werden zum rechten Zeitpunkt die atlantischen Kartell-Einheits-Medien – von rechts bis links – mit ihren notorischen Märchengeschichten eifrigst sorgen.]
Wie ich schon sagte, wird das einfach der Öffentlichkeit vorenthalten. Wenn ich auf der Straße fragen würde: „Was halten Sie von der Entwicklung im Nahen Osten?“, würden mich die Leute [verdutzt] anschauen und sagen: „Was gibt denn im Nahen Osten? Gibt es da etwas, was wir nicht wissen?“
Nun, ja, es gibt da etwas, das Sie nicht wissen…
Judge Napolitano: Morgen wird Ministerpräsident Netanjahu das Weiße Haus besuchen. Was erwarten Sie, worum er den US-Präsidenten ersuchen könnte?
Alastair Crooke: Nun, in der hebräischen Presse hat heute Morgen der Militärkorrespondent des hebräischen Senders „Kanal 13“, Ben-David Alon, der ein sehr bekannter Kommentator ist, wissen lassen, dass die Amerikaner Israel aufgefordert hätten, den Libanon, Syrien und den Gazastreifen räumen zu lassen. Das trug sich bei einer Sitzung gestern Abend im israelischen Kabinett zu. Netanjahu hätte sich laut Ben-David Alon dazu wie folgt geäußert:
„Wenn er das an mich herantragen sollte, werde ich mich auf die Hinterfüße stellen und ihm entgegnen: Nein, niemals!‘“
Das heißt, Netanjahu soll Trump mit einem „Nein, niemals!“ kontern. So wurde es dargestellt.
Ich glaube, Netanjahu versucht gerade, Trump zu überzeugen: „Wir wollen, dass ihr wieder in den Krieg einsteigt und dass es ein langer Krieg würde, falls man den Krieg fortsetzen könnte. Wir glauben nach wie vor, dass der Iran letztendlich zusammenbrechen wird und nur einem Kartenhaus gleicht!“
Ich denke einfach, dass dies die Denkweise der Menschen [zum Iran] widerspiegelt. Sie haben alles schlichtweg auf den Kopf gestellt. Sie glauben, die Hardliner im Iran säßen in der Führung: Das wären die vermeintlich unnachgiebigen Hardliner, wobei natürlich die einfachen Menschen nur einen Ausweg aus der Krise suchten. Es verhält sich jedoch umgekehrt. Tatsächlich ist es die Führung, die sich pragmatisch verhält und es sind die einfachen Menschen von der Straße im Iran, die sagen:
„Nein, wir wollen überhaupt keine Verhandlungen. Was wir wollen, ist Vergeltung. Das ist es, was wir wollen!“
Judge Napolitano: Verstehen das das Pentagon und Weiße Haus?
Alistair Crooke: Ganz klar nein, denn sie haben keine Ahnung, was diese Sprache, die sie ständig – z.B. bei Fox – verwenden, am Ende bewirkt: Die Iraner wären die Bösen und nur eine Bande von Schlägern. Eine solche Art von Sprache schließt in weiterer Folge jede Form eines Dialoges aus, sobald man diese völlig manichäische Sprache von Schwarz gegen Weiß bzw. von Böse gegen das Licht in Anwendung brächte und sagt: „Wir sind das Licht, doch jene sind einfach nur die Bösen!“ Doch, wie soll man mit den vermeintlich Bösen dann noch verhandeln?
Dies wurde zur Grundlage einer Verschiebung, wie sie von Leo Strauss (1899–1973, politischer Philosoph) und auch Carl Schmidt (1888–1985, Jurist und politischer Philosoph) beschrieben wurde. Sie schrieben, man müsse die Feinde so sehr verteufeln, dass niemand mehr die Möglichkeit sähe, mit ihnen sprechen oder verhandeln zu können. Eine solche Sprache bewirkt genau das und macht ein Gespräch unmöglich.
Weiters scheint man auch nicht zu verstehen, dass Trump durch die Ausweitung des Krieges – auf Syrien, den Jemen und andere Regionen – die ganze Angelegenheit noch viel komplexer macht. Es handelt sich nicht mehr nur um eine Auseinandersetzung zwischen dem Iran und den USA, denn nun müssen auch der Jemen und die Huthi, ebenso wie der Libanon und Syrien, mit einbezogen werden:
Ich meine, es ist zu einer Art Matrix der Komplexität geworden!
Ja, alles ist miteinander verflochten, aber alles folgt auch seiner eigenen Agenda. Die Agenda der Jemeniten ist ihr Krieg, der sich derzeit mit Saudi-Arabien entwickelt. Das ist ein anderes Thema, aber es bleibt miteinander verknüpft. Ich glaube nicht, dass man im Pentagon eine Vorstellung von der Komplexität, die sie da ausgelöst haben, hat. Dazu kommt diese Sprache, nach die Führung und jeder als böse dargestellt wird. Es ist nicht nur so, dass die Leute im Iran nicht damit klarkommen, wenn Amerika sie beschimpft. Dafür sind sie groß genug. Aber sie wissen: Nachdem man sie zu Bösen, Schlägern und Kriminellen abstempelte, wie soll darüber noch eine Einigung zustande kommen, die unweigerlich dazu führen würde, um den Iran zu einer Macht im Nahen Osten und ggfs. sogar zu einem wichtigen Akteur auf der Weltbühne zu machen?
Nachdem die Iraner die Bösen wären, könnten die USA dann bereit sein, ihnen eine solche Position einzuräumen? Das würde von Teilen Amerikas dann auch nicht akzeptiert werden. Ich glaube wirklich, dass die Amerikaner das nicht verstehen und deshalb meinen: „Gut, dann kehren wir eben zum MoU zurück!“. Natürlich wurde das MoU völlig diskreditiert, weil jeder offene Punkt darin von Trump, der sich einfach auf seine Macht beruft, um der anderen Seite seine Lösung aufzuzwingen, widerlegt wurde. Es geschah nicht durch Verhandlungen, sondern schlicht durch Gewalt und Hegemonie- Ansprüche, um zu sagen: „Das ist die Lösung!“ Mit anderen Worten: Es gibt nur ein „Nein“, aber nichts dazwischen oder noch einen Platz für Gespräche.
Judge Napolitano: Lässt sich bald eine Art Verbindung zwischen dem Krieg im Iran und dem Krieg in der Ukraine herstellen? Haben die Ukrainer nicht kürzlich versucht ein iranisches Schiff zerstören zu lassen? Könnte es darauf eine iranische Reaktion geben?
Alistair Crooke: Die IRGC [Iranische Revolutionsgarde] hat versprochen, dass es darauf eine Reaktion geben werde – das haben sie versprochen. In der Tat, es war ein sehr offener, unverhohlener Versuch von Selenskyj, sich in diesen Krieg einzumischen. Warum? Ich meine, es ergibt strategisch keinen Sinn, aber war ein Versuch, um den Amerikanern und Europäern zu vermitteln: „Seht her, ich stehe in der Iran-Frage auf Eurer Seite. Bin ich nicht gut? Ihr müsst mich nur noch stärker unterstützen!“ Es war eine PR-Aktion, die – wie seine anderen auch – völlig schieflief. Durch seinen Angriff auf die Schiffe im Asowschen Meer hat er sich selbst der Möglichkeit beraubt, Getreide exportieren zu können. In Folge hat er inzwischen Odessa verloren. Die Ukraine ist damit zum Binnenstaat geworden.
[Anmerkung der Redaktion: Russland hat nach den letzten Anschlägen inzwischen das Schwarze Meer für den Seeverkehr von und zu der Ukraine geschlossen!]
Ich meine, das sind die Folgen solcher Fehlentscheidungen. Das war eine unglaublich dumme Aktion, denn der Iran verfügt – um das klarzustellen – über Raketen mit ausreichender Reichweite, um Kiew zu treffen. Die IRGC haben auf die eine oder andere Weise der Ukraine eine harte Gegenreaktion versprochen und meinen es ernst!
Falls die USA wieder auf einen Krieg mit dem Iran zusteuern, so sind auch die Iraner bereit dazu. Das ist es, womit auch sie rechnen. Man wird später sehen, was kommt, nachdem die USA sich bis etwa September aufgerüstet haben werden. Vielleicht könnte Trump kurz vor den Zwischenwahlen beschließen auch Bodentruppen einsetzen zu lassen, um zu versuchen, Isfahan und die unterirdischen Anlagen des Irans einzunehmen?
Niemand weiß es, denn Trump weiß es zu diesem Zeitpunkt wahrscheinlich selbst auch nicht. Wenn man sich die Menge an KI-generierten Inhalten ansieht, die Trump gestern Abend veröffentlicht hat – mit Bildern, auf denen er die US-Flagge auf Tankern aufpflanzen lässt, dann betrachtet man das als amerikanisches Eigentum bzw. die USA soll der Welt den Weg weisen. Ich glaube nicht, dass sein Team genau weiß, was als Nächstes passieren wird. Mein Punkt dazu lautet: Wenn Trump glaubt, er könne einfach zu Verhandlungen, als wäre nichts geschehen, zurückkehren, dann liegt er völlig falsch, denn so wird es nicht laufen. Der Iran hält die Trümpfe in der Hand und sitzt am Steuer. Trump müsste etwas ganz anderes als das, was im MoU enthalten war, anbieten bzw. es ernst meinen und auch umsetzen lassen – und zwar von Anfang an.
Judge Napolitano: Wäre es für Trump nicht besser, die Truppen und ihre gesamte Ausrüstung einfach zusammenpacken und nach Hause schicken zu lassen?
Alistair Crooke: Das wäre eine sehr vernünftige Vorgehensweise für ihn. Meine Frage jedoch, worauf ich keine Antwort zu geben vermag, lautet: Würde seine Psyche den Schmerz der einhergehenden Demütigung verkraften?
Trump ist ein Mensch, der sein Leben lang behauptete, niemals verloren zu haben. Er gewinne immer und sei kein Verlierer. Man muss sich nur die Zahlen zu Umfrage-Ergebnissen in den Vereinigten Staaten ansehen, um zu erkennen, dass viele Menschen diese ganze Angelegenheit als Niederlage für die Vereinigten Staaten und für Trump betrachten.
Ich meine, das ist eine psychologische Frage. Ich bin nicht wirklich in der Lage, diese zu beantworten, aber ich fürchte um die Fragilität seiner Psyche und seine Anfälligkeit für Gedanken, wonach die Leute über ihn lachen könnten oder er von den Iranern gedemütigt worden wäre. Würden ihm diese Umstände erlauben, das Vernünftige zu tun, was Sie eben umrissen haben, um einfach die Segel zu streichen und sich zurückzuziehen? Nun, wie er morgen mit Netanjahu umzugehen gedenkt, kann ich auch nicht sagen.
Judge Napolitano: Was wird er mit Netanjahu machen, wenn Netanjahu ihm das Wort „Nein“ ins Gesicht schleudert?
Alistair Crooke: Wir kennen nicht den verdeckten Hebel, den Netanjahu ggfs. über Trump in der Hand hält. Es gibt ganz klar einen Einfluss. Trump hat bisher fast ausnahmslos alles getan, worum Netanjahu ihn gebeten hatte. Netanjahu wird sagen, dass er nicht ablässt. Ich meine, er will, dass Amerika die Infrastruktur des Irans angreifen und den Krieg gegen den Iran fortsetzen werde. Dazu dürfte Netanjahu gegenüber Trump, wie bisher vorgehen. Er dürfte auf vermeintlich neue Geheimdienstinformationen, was der Iran in den unterirdischen Anlagen so alles tue, verweisen. Natürlich wäre das Unsinn – es gibt keine Geheimdienstinformationen darüber, was sich in diesen Tunneln abspielt. Aber meine Vorhersage ist, dass Netanjahu zu Trump kommen und sagen wird: „Ich habe Ihnen neue Geheimdienstinformationen zu zeigen, Herr Präsident, um zu verdeutlichen, wie wichtig es ist, das Atomprogramm des Irans zu zerstören – Sie müssen das tun!“
Judge Napolitano: Alistair, vielen Dank, mein lieber Freund. Wie immer eine großartige Analyse. In einer Woche werden wir hoffentlich schon wissen, was Netanjahu gefordert und wie der Präsident darauf reagiert hat, sowie was der Präsident gefordert hat und wie Netanjahu darauf reagiert hat. Hoffentlich werden diese Reaktionen, wie auch immer sie ausfallen mögen, zu einer Entschärfung und nicht zu einer Verschärfung der Gewalt führen. Alles Gute, mein Freund!
Alistair Crooke: Vielen Dank, Judge!
Judge Napolitano: Gern geschehen!
Zu all diesen Themen sind heute im Laufe des Tages um 9:00 Uhr morgens Larry Johnson, um 11:00 Uhr morgens Professor Jeffrey Sachs, um 14:00 Uhr nachmittags Jim Webb und um 15:00 Uhr nachmittags unser Anwaltsfreund mit seinen Kontakten zum Oval Office, Robert Barnes, zu Gast: „Was flüstert Trumps innerer Kreis ihm wirklich ins Ohr?“ Das läuft um 15:00 Uhr nachmittags.
Das war Judge Napolitano von „Judging Freedom“!
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Übersetzung und Lektorierung: UNSER-MITTELEUROPA
Das Interview mit Alistair Crooke durch Judge Napolitano als Video auf Englisch: HIER
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